18 Sundsvall – Norfällsviken

Wetter: kühl, teils kleine Schauer, windig, abends Sonne
Tageskilometer: 157,2
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 1769
Tages-Fahrzeit:8:10 h
Gesamte Fahrzeit: 89:37 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,2km/h
Tageshöhenmeter: 2838
Gesamt Höhenmeter: 14605
Maximalpuls: 172
Durschnittliche Pulsfrequenz: 137

Heute stand mal wieder ein etwas spannenderer Abschnitt auf dem Programm. Zwar ging’s zunächst über die E4 Richtung Norden. Das Land ist hier sehr “wellig”, was dazu führt, das man zwar einige Höhenmeter zurücklegt, aber keine Höhe gewinnt. Psychologisch ist das etwas anstrengend, da man von 30 min immer 20 bis 25 bergauffährt und 5 bis 10 bergab, in dem Wissen, dass es gleich wieder bergauf geht.

In der Touristinfo von Harnösand, das laut Reiseführer ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Streckenabschnitt sein soll, gibt’s leider wie immer kein Kartenmaterial für Radfahrer. Ich nehme was es so gibt, und plane kurz die Route vor. Als nächstes kommt nämlich die Höga Kusten. Geologisch gesehen geht da richtig die Post ab. Dieses Teilabschnitt hebt sich mit 8mm im Jahr. Schneller als irgendwo sonst auf der Welt. Seit das Eis weg ist, hat sich die Küste schon 286m gehoben.

Ich entscheide mich eine Rundstrecke an der Höga Kusten zu fahren, die teils auch Wanderweg ist. Auf dem Weg dorthin, gibt’s aber erst nochmal ein Schmankerl, nämlich die Högakustenbron, eine der längsten Hängebrücken der Welt (1800m).

Die Fahrt darüber mit dem Fahrrad ist eine echte Sensation (wenn man keine Höhenangst hat). Der Weg dorthin auf der E4 für Fahrräder eigentlich nicht erlaubt, allerdings kommen die Schilder plötzlich und es gibt sowieso keinen anderen Weg, komisch. Die Fahrt über die Brücke ist jedenfalls spitze!
Und danach kommt endlich der Weg an diesem landschaftlich so außergewöhnlich schönem Küstenabschnitt. Das Höga Kusten “hohe Küste” heißt hatte ich schon geahnt, und so nehme ich die ersten heftigen Steigungen mit Enthusiasmus und erfreue mich an der tollen Landschaft. Schnell sehe ich ein, dass der ganze Weg dieser Landschaft, die teilweise etwas an das Voralpengebiet erinnert mit einigen Höhenmetern zu bezahlen ist.
Touristinfo ist dieser Abschnitt bewusst touristisch nicht erschlossen, obwohl davor viel Werbung dafür gemacht wird. Ich glaube, dass soll einfach heißen, hier gibt es nichts zu essen zu kaufen. Schließlich tut sich doch ein lca auf un zum Mittag gibt es Lachs, was sonst. (wenn auch zu wenig). Ich entschließe mich einen Umweg zu fahren, weil ich unbedingt zur Küste am Rotsidan will.
Der Preis dafür ist hoch, eine Steigung folgt der nächsten, zum Teil so heftig, dass auch der erste Gang nichts mehr nützt sondern nur noch der Wiegetritt hilft. Da die Beine und vor allem Knie sehr gut mitmachen, bin ich noch guter Dinge, allerdings ist es sehr anstrengend.
Es stellt sich heraus, dass Rotsidan nur über eine Schotterpiste zu erreichen ist, die zum Teil so steil ist, dass es kein Chance gibt dort hochzukommen. Im Stehen drehen die Reifen durch, und selbst im ersten Gang mit Gefühl keine Chance. Hier hilft nur ein Allradauto.
Der Weg zum anvisierten Campingplatz, erweist sich als heftig, nach jeder Steigung kommt nicht etwa eine Abfahrt, sondern noch eine, diesmal steilere Steigung. So langsam habe ich echt genug davon. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo ich einfach nicht mehr fassen kann. Bis zum Ort Mjällom, der vor dem avisierten Ziel liegt, gibt es Straßen die als Alpenpass durchgehen würden. Die Idee jemals eine Tour de France Alpenetappe so zum Spass im Urlaub zu fahren, habe ich heute von meiner Todo-Liste gestrichen.
Naja, wenn der Mjällom erst mal erreicht ist, noch ein bisschen zur Küste rollen, das wird schon. Und dann kann ich’s nicht fassen, Mjällom liegt irgendwie im Berg, wenn man von oben runter fährt brauch man ungefähr 10 Sekunden, von unten hoch eine Viertelstunde. Ich könnte schreien. Mach ich aber nicht, sondern fluche auf englisch, damit mich die verdammten Berge hier auch ja verstehen!
Der Berg rächt sich, indem er nach der jeweils nächsten Biegung einfach ein weitere Steigung folgen lässt.
Irgendwann ist aber diese Steigung bezwungen und es gibt die erhoffte Abfahrt nach Norrfällsviken.
Das hört sich vielleicht so an, als ob ich die gewählte Route bereut hätte. Jetzt wo ich hier in der gemütlichen Hütte sitze, muss ich sagen nein. Die Landschaft ist teils atemberaubend schön, der Reiz ist aber durch “Knipsen” schwer fotografisch einzufangen, da braucht es schon einen Anselm Adams und den entsprechenden Aufwand.
Es ist erstaunlich wie laut ein Fahrrad sein kann. Manchmal muss ich einfach anhalten, um die Natur und die “lebhafte Stille” zu gnießen.
Abends haben sich über 2800 Höhenmeter angesammelt und nach 157km und gut acht Stunden auf dem Fahrrad gibt es im romantisch im Fischerdörfchen an der idyllischen Bucht gelegenen Fischrestaurant, die mehr als doppelte Portion…

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