20 Grundsunda – Burträsk

Wetter: zunächst Sonne, dann bewölkt und Regen, windig, Abends wieder etwas Sonne
Tageskilometer: 166
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 2050
Tages-Fahrzeit:8:25 h
Gesamte Fahrzeit: 103:55 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,8km/h
Tageshöhenmeter: 1386
Gesamt Höhenmeter: 17460
Maximalpuls: 146
Durschnittliche Pulsfrequenz: 124

Heute morgen schien es mir so warm zu sein, dass ich die kurzen Radfahrhosen wieder ausgepackt habe. Das Thermometer zeigt dann aber doch nur 9 Grad, ob sich mein Kälteempfinden derart verschoben hat?

Teilziel ist zunächst Umeǻ. Ich fahre zunächst die E4 (es gibt nix anderes) und es läuft auch ganz gut. Allerdings hatte ich mir gestern das Pedal in die Ferse gefahren, was zwar ein bisschen weh getan hat, aber nicht wirklich schlimm. Das scheint sich jetzt langsam die Wade hochzuarbeiten.
Nach ein paar Kilometern fühlt es sich an wie ein Wespenstich, der sich langsam immer weiter ausbreitet. Die letzten paar Kilometer bis Umeǻ muss ich echt kämpfen.
Dann gibt’s aber erst mal Mittagspause im Bibliothekscafe. Insgesamt muss ich sagen, dass Umeǻ immer als Stadt mit Flair in den Reiseführern beschrieben wird, auch wegen der Birkenalleen. Also dass mit den Birkenalleen ist nicht so sensationell, und Flair habe ich keins gespürt, da hatten andere Städte auf dem Weg mehr zu bieten.
Umeǻ ist offensichtlich eine Studentenstadt, und hat so auch eine internationale Einwohnerschaft. Als ich das Cafe betrete und mehr als die Hälfte der Gäste schwarz ist, bin ich schon überrascht.
Wie auch immer, ich beschließe die 364 Richtung Skellefteǻ zu fahren, um endlich der E4 zu entgehen. Kurz hinter der Stadt sagt die Wade stop. Ich fotografier‘ kurz den Radweg und überlege was zu tun ist.
Es sind erst knapp 70 Kilometer auf dem Tacho. Es gibt auf der Strecke nur einen Campingplatz, und der ist noch geschätzte 80 bis 90 Kilometer weg. Ich beschließe meiner Devise treu zu bleiben, Selbstreparatur durch Bewegung. Die ersten Kilometer sind wirklich hart, dann fängt es wenigstens richtig an zu regnen.

Die Ablenkung hilft. Außerdem kann ich meine komplette Regenmontur inklusive Gamaschen ausprobieren. Auf der Hälfte der Strecke liegt ein kleiner Ort, der schon auf der Karte erahnen lässt, dass hier nix ist mit etwas Aufwärmen und einem warmen Kaffee. Aber immerhin gibt’s ein LCA, und mit meiner kompletten Regenmontur kaufe ich mir Bananen und O-Saft, was ungefähr so aussieht, als ob der Michelinmann zum REWE geht. Schlicht grotesk.
Die freundliche Schwedin an der Kasse nimmt’s gelassen hin und bietet mir sogar einen Platz im LCA zum Ausruhen an, ich erkläre aber, das ich weiter nach Burträsk will, da ja der Campingplatz um 21 Uhr zumacht.
Daraufhin erklären mir zwei freundliche Damen, dass auf der 364 gebaut wird, und die ca. 5-6 Meilen “not nice for a bicycle” sei. Hm, ok ich lass mir den Umweg erklären und fahre in die andere Richtung weiter. Dachte ich jedenfalls, irgendwie lande ich kurz hinter dem Ort dann aber doch wieder auf der 364.
Kurze Zeit später kommt das Baustellenschild, und hier sind’s dann schon 20 Kilometer. Zunächst sind es nur einzelne Abschnitte die etwas geschottert sind, nicht gerade super zu fahren, aber geht ja noch, allerdings nicht so schnell, es könnte knapp werden mit dem Campingplatz.
Doch dann kommt die Fahrradhölle. Zwischendurch vergesse ich sogar meine schmerzende Wade. Tiefer Schotter mit teils riesigen Steinen, Schlammpiste (zum Glück hat es aufgehört zu regnen) und das über 10, 15 Kilometer.
Ich sehe hauptsächlich zu, dass ich nicht stürze, an Tempo ist gar nicht zu denken. Da werfen die einfach etwas Dreck und ein paar große Steine hin, ein bisschen Schotter drüber, damit man ja überhaupt nicht mehr fahren kann, und nennen das dann Straße?!
Unfassbar, selbst mit dem Mountainbike würde ich das nicht fahren. Ich habe echt zu kämpfen, egal ob bergauf oder bergab. Die Zeit läuft auch davon, so dass ich heute wohl wild campen muss.

Das ist der gute Teil der Straße…

Und hier hört der Spaß auf…

Interessanterweise gibt es auch auf diesem wirklich üblen Abschnitt zwischendurch ganz kurz auftauchend einen Idyllischen See mit ein paar Holzhäuschen dabei, wie man’s im Prospekt nicht besser haben kann.

Aber selbst die härtesten Pisten hören irgendwann auf, und so auch diese. Ich habe noch knapp 30 min bis der Campinplatz schließt und gut 10 Kilometer zu fahren. Normalerweise gerade zu schaffen, aber ich bin ganz schön fertig von dem Gekurke auf Schotter und es geht jetzt auch erst recht nochmal berghoch, da ist ein Schnitt von 20 nur schwer zu machen. Egal, ich probier’s, und kämpfe mich den Berg hoch, belohnt mit einer kleinen Abfahrt, allerdings noch nicht die erhoffte nach Burträsk, sondern es gibt noch einen Berg.

Jetzt muss erst mal ein Energieriegel her, und immer schön trinken, also diesen Berg auch noch hochgekämpft, fahren ist mittlerweile der falsche Ausdruck, denn das rechte Bein tritt sowieso nicht mehr rund, wegen der Wade und das linke ist langsam etwas schlapp. Nach dem Berg kann ich schon den Kirchturm sehen, es sind noch 8 Minuten.

Ich geb‘ fast alles was geht, aber es zieht sich und zieht sich, nach der nächsten Kurve, immer noch Wald, wo bleibt das Ortschild? Endlich kommt es, dann erst noch Industriegebiet, der Ort scheint doch etwas größer zu sein, vielleicht gibt’s ja sogar noch was zu essen.
Schließlich das Schild “Campingplatz”, es ist vier vor neun. Natürlich liegt der Campingplatz auf der anderen Seite vom Ort, aber eine Minute vor Neun bin ich da. …und die Rezeption hat zu. Allerdings erwische ich die nette Dame noch, und so gibt’s doch noch nicht nur ein Zimmer, sondern gleich ein ganzes Haus (Vandrahem) für mich allein.

Der Ort hat zwar ein Restaurant, aber das ist natürlich zu. So kaufe ich was es an der Rezeption gibt, nämlich Fisch und Ravioli und koche das erste mal seit langem selbst.

Auf dem Platz vor „meinem“ Haus wird am Freitag Midsommar gefeiert. Das funkeln in den Augen der Frau von der Rezeption, macht klar, dass das eine richtig gute Feier wird. Aber dann müsste ich hier noch 4 Tage bleiben, geht nicht, dafür ist der Zug nach Norden zu groß. Außerdem muss mich morgen mindestens 30 Kilometer auf’s Fahrrad, sonst tut mir alles weh.

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