20h Radmarathon Fell, Teil 1

Um 5:30 klingelt der Wecker. Eigentlich müsste ich erst so um neun, halb zehn losfahren, aber da man um 12:00 Uhr schon sein Auto in der „Box“ abstellen soll, und ich nicht weiß wie es mit dem Verkehr so aussieht, fahre ich wenn die anderen noch schlafen.

Nach Radmarathon bzw. Wettkampf ist mir gar nicht zu mute. Den Frust von der Leistungsdiagnostik und der möglicherweise nicht korrekten Anzeige des SRM bin ich noch nicht losgeworden. Zwei Tage hatte ich überhaupt keine Lust auf Radfahren und habe es auch gelassen. Gestern nochmal eine gute Stunde aufs Ergometer, mehr aus Gewohnheit, beim Fußball gucken.

Es regnet. Und laut Wettervorhersage regnet es bis Sonntag. Das sagen alle außer wetter.com die sind der Meinung, dass es ab Samstagabend aufhört. Aber die haben sich bis jetzt immer verschätzt…

Auf der Fahrt durch den Westerwald regnet es stärker. In der Eifel fängt es an zu schütten. Und auch in Fell regnet es wie aus Eimern. Natürlich bin ich viel zu früh da. Ich habe noch über neun Stunden bis Rennbeginn.

Aber von Wettkampfgeilheit keine Spur. Das wird heute nix, vielleicht sollte ich einfach nach Trier fahren, mir einen schönen Tag machen und gemütlich wieder nach Hause fahren.

Unter optimalen Bedingungen und in guter Form würde ich wohl 22 Runden schaffen. Davon bin ich im Kopf (und laut den Jungs vom Radlabor auch in den Beinen) weit entfernt, mal abgesehen von dem schlechten Wetter. Wenn ich 15 Runden durchziehen kann sollte ich zufrieden sein.

Die Lightweights hatte ich draufgelassen. Bin sie aber noch nie im Regen gefahren, wenn die wirklich bei Nässe so schlecht bremsen wie alle sagen, dann mache ich vielleicht doch noch die R-SYS SL drauf und wechsle die Bremsbeläge, Zeit genug habe ich ja.

Anyway, auf jeden Fall habe ich genug zu essen mit. Ich dache mir ein bisschen Auswahl hilft beim Essen, falls mein Magen nicht mitspielt oder ich keinen Appetit habe. Gefühlt hundert Riegel und Gels plus Vollkornbrötchen, Kuchen, Nussecken, sogar Nüsse und natürlich Reiswaffeln bzw. Dinkel und Maiswaffeln. Außerdem O-Saft, der hat auf den Radreisen ja immer funktioniert wie Benzin beim Auto.

Da ich so früh in Fell ankomme nehme ich mir im Gasthof Kasler ein Tageszimmer. So kann ich noch ein bisschen Schlaf nachholen. Das Auto wird in der Startbox geparkt. Was sich aber als ziemlich schwierig herausstellt, da durch den Regen die Markierungen kaum zu sehen sind. So rangiere ich mehrmals auf dem noch leeren! Parkplatz.

Nach zwei Stunden schlafen und einer Portion Pasta will ich die Laufräder noch wechseln. Denn die Bremsprobe im Regen hat ergeben, dass die Lightweights im Nassen entweder gar nicht bremsen oder dann mit heftigem Stottern zubeißen wie ein Fila Brasileiro. Da verliere ich ja bergrunter mehr als ich berghoch gewinnen kann.

Aber leider lässt sich die Sicherungsschraube eines der vorderen Bremsbeläge nicht mehr herausschrauben. Die Schraube ist hinüber. Das darf doch nicht wahr sein. Ein Satz dieser Lightweight / SwissStopp Bremsbeläge kostet sage und schreibe 49,- Euro. Und die sind für das Geld nicht in der Lage da vernünftige Schrauben zu liefern. Ganz typisch für die Fahrradindustrie. In jedem anderen Industriezweig hätten die längst keine Kunden mehr. Ich bin stocksauer. (und nein ich habe nicht das falsche Werkzeug benutzt, und auch nichts mit Gewalt angezogen!)

Aber egal, dann fahr ich halt mit den Stotterbremsen, muss ich sehen wie ich damit zurechtkomme. Wir werden eh kaum in größeren Gruppen fahren, und wenn ich auf der Abfahrt langsam bin dann fahre ich halt eine Runde weniger und werde Vorletzter statt Vorvorletzter…

Nochmal gehe ich ins Hotel und döse ein, zwei Stunden vor mich hin. Die leckeren Vollkornbrötchen habe ich mittlerweile alle aufgegessen, eine Vorstartbanane gönne ich mir auch noch, dann checke ich aus und laufe die 800 Meter bei nur leichtem Regen zum Startgelände. Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser…

Ein Kommentar

  1. Na dann wünsche ich Dir viel Spaß, mehr noch als Erfolg, den ich Dir auch wünsche.

    Vielleicht entdeckst Du ja den Spaß wieder und stellst den Leistungsgedanken mal ein viertel Jahr hinten an.