48 Mo i Rana

Wetter: zunächst Regen, später trocken, gegen Abend teils sonnig
Tageskilometer: 75
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 4559
Tages-Fahrzeit :3:25 h
Gesamte Fahrzeit: 225:49 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,0km/h (nur leichtes Gepäck)
Tageshöhenmeter: 1173
Gesamt Höhenmeter: 42312
Maximalpuls: 173
Durschnittliche Pulsfrequenz: 129

Mit leichtem Gepäck mache ich mich auf den Weg zur Grønlinggrotta. Da auch ein Gletscherarm des Svartissengletschers nicht weit davon weg ist, beschließe ich auch das noch dranzuhängen.
Der Weg zur Grotte ist angeblich “flach”. Ich gebe keinen Pfifferling mehr auf solche Aussagen, außerdem ist das Fahrrad leicht wie eine Feder, was kümmerts mich.

Es geht natürlich ordenlich den Berg hoch, aber die Strecke ist fantastisch. Es geht raus die E6 bis zum Flughafen, und dann ein kleines Sträßchen an einem Schmelzwasserfluss entlang. Eine wirklich schöne Landschaft, wie ich sie ähnlich auch schon in den Alpen gesehen habe.

Irgendwann kommt die Abzweigung zu den Grotten (es gibt hier zwei sehenswerte). Die Strecke wird Steil und ist geschottert. Und dann kommt die Abzweigung zur Grønlinggrotta. Was mich dort erwartet spottet jeder Beschreibung. So was steiles habe ich noch nicht gesehen. Selbst nicht an der Höga Kusten in Schweden.
Fahren ist das nicht mehr zu nennen. Es ist mehr ein Stehversuch mit abwechselnd links/rechts einem Pedaltritt dazwischen. Ich versuche abzusteigen und zu schieben. Aber es geht nicht. Ob das Sportsgeist, oder was auch immer ist, ich kann nicht schieben, lieber fahre ich wieder zurück. Da ich kaum Gepäck dabei, versuche ich doch zu fahren. Es ist so steil, dass fast nicht ins Klickpedal komme, außerdem liegt Schotter und Sand. Wie auch immer, ich kämpfe mich wirklich bis oben hin, der Puls bei über 170, der Schweiß läuft literweise, und ich wollte mich doch heute etwas schonen…
Oben angekommen, muss ich feststellen, dass die 5000 Kilometergrenze eine weise Entscheidung ist. Sonst bringe ich mich hier an so einem Berg noch um. Die Steigung hier lag um 20% Wie steil das wirklich ist merke ich bei der Abfahrt, wo ich ständig das Gefühl habe vornüber zur fallen. Es ist das erste mal, dass ich “angstbremse”, will heißen, die Bremse ist beim Fahren immer etwas angezogen, und ich fahre ganz laangsaam hinunter.
Der Ausflug in die Höhle dauert ca. eine Dreiviertelstunde und macht wirklich Spass. Es ist faszinierend zu sehen, dass es nicht nur auf dem Land und auf dem Wasser beeindruckende Landschaften gibt, sondern auch unter der Erde.
Die Grotte ist keine Tropsteinhöhle, dafür ist sie zu trocken. Insgesamt beträgt die Länge 4000 Meter. Wir laufen so ungefähr 10% davon ab.
Nach der Grotte geht es weiter Richtung Gletscher, der Weg ist geschottert aber nie wirklich steil. Er endet an einem See, über den man mit dem Boot übersetzen muss, um den Weg zum Gletscher zu erreichen.
Natürlich ist das Boot gerade weg, und so habe ich eine Stunde zeit um ein Hotdog zu essen und mich ein bisschen zu erholen, das klettern in der Höhle mögen die Knie nicht so und der Weg zum Gletscher ist sicher auch nicht ohne.
Das Boot ist von 1971 und dermaßen laut, dass der Käpt’n einen Gehörschutz trägt, aber die Überfahrt macht Spass, und auch hier gibt es fantastische Landschaft zu bestaunen. Als wir ankommen und ich gerade aussteige, stürmt ein Wanderer auf das Boot, ich verstehe nicht mehr was er dem Käpt’n wild gestikulierend vermitteln will, aber später sehe ich es sehr wohl.
Wie auch immer, an einem Schmelzwasserfall führt der Weg über recht grobe Steine nach oben. Ein paar ordentliche Wanderschuhe wären angebracht, mit meinen Walkingschuhen fühle ich mich, als wäre ich barfuß, aber dafür kann ich natürlich geschmeidig gehen wie ein Indianer im Mokassin…
Der Weg hört dann auf und über den Berg ist einfach die günstigste Route mit Fähnchen abgesteckt.
Und dann sehe ich ihn das erste mal.
Fantastisch, Gletscher sind einfach beeindruckend. Fantastische Gebilde aus Schnee, durch den immensen Druck zu Eis gepresst, immer in Bewegung, mit enormem formenden Einfluss auf die Landschaft.
Da der Weg an die Seite des Gletscherarms recht beschwerlich ist, überlege ich es mit diesem Blick gut sein zu lassen, um meine Knie etwas zu schonen, aber die Faszination Eis ist zu groß.
So stoße ich auf eine Gruppe Polen, die an der Stelle auf dem Foto lagern. Stundenlang könnte ich den Blick auf das Eis genießen. Auf dem Foto sieht man eine frisch abgebrochene Stelle. Als ich das Bild mache weiß ich noch nicht, dass dort seit fast drei Stunden einer aus der polnischen Gruppe drunterliegt, der unter Missachtung aller Vorsicht ein Bild ganz nah vom Gletscher machen wollte, als das Eis plötzlich abbrach.
Erst auf dem Rückweg erzählt mir eine Norwegerin, was passiert ist und dass der Mann, der auf das Boot gestürmt war einen Hilferuf absetzen wollte. Seitdem ist über eine Stunde vergangen, und erst als ich schon deutlich vom Geschehen weg bin erscheint der Hubschrauber und seilt eine Bergungsmanschaft ab. Wie ich später erfahre, finden sie den Mann tatsächlich, aber da ist jede Hilfe zu spät. Die Eismassen die ihn begraben haben sind so groß, dass eine Bergung nicht möglich ist, und erst weiteres schweres Gerät herbeigeschafft werden muss.
Beim Warten auf das Boot zurück über den See treffe ich einen anderen Teil der Polengruppe. Ich erzähle ihnen was ich gesehen habe von der Hubschrauberbergung. Die haben glaub‘ ich nicht kapiert, dass ihr Kumpel unter mehreren Tonnen Eis einen schnellen Tod gefunden hat. Jedenfalls sind sie recht fröhlich und wandern weiter ohne das letze Boot zurück zu nehmen.
Wie auch immer, auf dem Weg zurück empfängt mich die Stadt mit ordentlich Gegenwind, und ich bin doch ganz schön müde von der heftigen Steigung und den gut zwei Stunden Bergwandern.
Außerdem muss ich morgen um halb sechs aufstehen, deshalb beendet ein Lammfilet und eine Folge Seinfeld meinen Tag.

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