57 Nes – Briksdal

Wetter: bewölkt, Regen, mittags etwas Sonne
Tageskilometer: 79
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 4806
Tages-Fahrzeit :3:38 h
Gesamte Fahrzeit: 237:52 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 21,8km/h
Tageshöhenmeter: 795
Gesamt Höhenmeter: 44119
Maximalpuls: 166
Durschnittliche Pulsfrequenz: 135

Um kurz vor sieben geht es weiter die 15 Richtung Westen am Hornindalssee entlang. Die Strecke ist wie immer in Norwegen landschaftlich sehr schön, und das Höhenprofil moderat.

Dann geht es über einen Berg zum Imvikfjord.
Die Steigung ist zwar lang aber mit ca. 5% recht moderat und nach einer ordentlichen Abfahrt kann ich das grünste Fjordgrün bestaunen, das ich bis jetzt gesehen habe. Dagegen ist der Greigangerfjord eine trübe Brühe. Unglaublich! Es wirkt regelrecht künstlich, sieht aber klasse aus, im Kontrast zu den Bergen rundherum.
Da ich so früh bin kann ich in Stryn im Hotel noch ein Frühstücksbuffet genießen, und dann geht es weiter über die 60 nach Olden. Auf dem Campingplatz vorher gab es schon Infomaterial zum Brikdalsgletscher, und so weiß ich, dass es am Ende vom Tal ein Hotel gibt. Da ich immer noch meine Erkältung auszukurieren suche, plane ich dort eine Übernachtung ein, auch wenn die Etappe dann nur so 80 Kilometer lang sein wird. Tatsächlich ist noch ein Zimmer frei und der Preis ist sensationell niedrig (für norwegische Verhältnisse). Anscheinend ist das hier eine sehr günstige Gegend, denn schon das Frühstück in Stryn hat nur etwas mehr als die Hälfte gekostet wie sonst üblich.
Von der 60 mache ich mich also auf den Weg Richtung Briksdal. Die Strecke führt durch ein Tal, und es ist sicherlich eines der schönsten Täler Norwegens. Herrlische Landschaft, mit einem See so grün wie der Fjord, rauschendem Schmelzwasserfluss, idyllisch gelegenen Farmen, und sogar die Sonne findet zeitweise ein Loch in den Wolken um das ganze in goldenem Glanz erscheinen zu lassen.
Zwischendurch gerate ich an den ersten unbeleuchteten Tunnel. Da mein Frontlicht nicht mehr vorhanden ist, fahre ich erst mal mutig rein, um dann plötzlich in völliger Dunkelheit das Fahrrad gerade noch anhalten zu können, bevor ich gegen die Wand fahre. Zum Glück funktioniert das Rücklicht noch und hat eine Standlichtfunktion, so kann ich meine Stirnlampe aus der Tasche kramen, die sich aber als Funzel erweist. Nachdem mich ein Wohnmobil überholt hat, kann ich wenigstens erkennen wo es denn so ungefähr lang geht und nach zwei Kurven ist der Spuk auch schon vorbei.
Es kommt noch ein zweiter in der Art, diesmal montiere ich die Stirnlampe vorher, man lernt ja doch dazu.
Die letzten Kilometer gibt es noch mal ordentlich Gegenwind, aber ich habe schon einen ersten Blick auf den Gletscher.
Zum Hotel muss man noch mal einen knappen Kilometer eine ordentlich Steigung von ca. 10% mit einem 16% Sahnehäubchen fahren, belohnt wird man aber mit einem Zimmer mitten in der gewaltigen Berglandschaft, umringt von Wasserfällen und Sturzbächen, direkt am Fußweg zum Gletscher.
Schnell geduscht und die Fahrradklamotten aus, und dann mit dem “Trollauto” Richtung gletscher. Den Fußmarsch spare ich mir, denn außer Fahrradfahren, das mittlerweile einfach ein weiterer Aggregatzustand meines Körpers ist, geht nix.
Der Weg führt an einem mächtigen Wasserfall vorbei, dessen Spray uns ordentlich duscht, ziemlich nahe an den Gletschersee heran, so dass nur so ca. 10 min Fußmarsch vor mir liegen.
Die Landschaft drumherum ist beeindruckend schön, und dann zeigt er sich in seiner ganzen Pracht. Der Brikdalsgletscher ist ein Outletgletscher des riesigen Jostedalsgletschers und windet sich steil den Berg hinab.
Ich gehe bis zur Absperrung und genieße den Anblick eine Weile, viele ignorieren das Warnschild und maschieren, teils mit ihren Kindern bis an den Gletscher. Wie dämlich das ist weiß ich nicht erst seit der Hubschrauberaktion am Svartissengletscher. But anyway, die Faszination des Eises scheint einfach enorm, und die ewige Ruhe unter dem “ewigen” Eis zu finden ist immerhin eine spektakuläre Variante.
Auf dem Rückweg vom Gletscher fängt es ordentlich an zu Regnen, nachdem vorher für fast eine Stunde die Sonne etwas geschienen hat. Dabei wird mir auch einiges klar, was die verwirrende Vielfalt der Windrichtungen beim Fahrradfahren betrifft. Der Regen peitscht von einer Minute auf die andere in völlig verschiedene Richtungen. Hier ist es endlich mal direkt sichtbar, was ich beim Fahren schon die ganze Zeit vermutet habe.
Der Fahrer des “Trollwagens” ist ein Farmer aus dem Tal, der in der Sommersaison diesen Job macht, und wir unterhalten uns während der Fahrt recht ausführlich, so dass ich endlich mal einen guten Eindruck bekomme, wie die Leute denn in diesen idyllisch gelegenen Häuschen am Fjord oder See eigentlich heute leben.
Im Hotel angekommen gibt’s erst mal lecker Rentierfilet, was nicht erwähnenswert wäre, wenn das Restaurant nicht so spektakulär liegen würde. Ich weiß gar nicht wo ich mich hinsetzen soll, denn von jedem Platz aus scheint man einen anderen sensationellen Ausblick zu haben. Das Essen kann da nicht ganz mithalten, ist aber irgendwie egal.
Das Fahren scheint besser gegen die Erkältung zu wirken wie das rumlungern im Bett, allerdings ist der Puls immer so 10 bis 15 Schläge höher wie normal und man wird ordentlich müde. Deshalb geht es früh ins Bett.

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