Den höchsten Punkt der Erde sehen

Nach kurzer Recherche stellt sich heraus, selbst als Nichtkletterer, als „Tourist“ wie Reinhold Messner sagen würde kann man dieses Ziel erreichen. Ca. 40.000 US Dollar, große Ausdauer, mentale Stärke, Glück und eine gute Crew vorrausgesetzt.

Allerdings ist auch klar, wer mich als Nichtkletterer in seine Expeditionsgruppe aufnimmt, nimmt auch andere ähnlich unerfahrerene Teilnehmer mit. Diese Konstellation erhöht das Risiko ungemein. Das Verhältnis von Gipfelerfolgen zu Toten liegt beim Mount Everest bei 7,1:1 Dabei ist davon auszugehen, das trotz der „Touristenstaus“ in den letzten Jahren meist erfahrene Bergsteiger sich dort versucht haben.

Das Risiko würde für mich, wenn ich es schaffe mich als Nichtbergsteiger für Geld einer der Expeditionen anzuschließen wohl noch deutlich höher liegen. Ich bin zwar Optimist aber nicht lebensmüde.

Trotzdem kämpfe ich mit meinem Ehrgeiz und dem starken inneren Bedürfnis auf dem höchsten Punkt der Erde zu stehen. Zwei Dinge bringen mich letztlich zur Vernunft.

Erstens müsste ich ein solches Projekt in den nächsten zwei Jahren durchziehen, denn mit jedem Jahr, dass man älter wird, wird es schwieriger. Der Trainingsaufwand für die Ausdauer und wenigstens minimale kletterische Fähigkeiten wäre hoch, der materielle Aufwand ebenfalls. Das würde bedeuten, dass ich mein anderes großes Ziel abschreiben müsste. Auch dass muss ich vor dem erreichen der 50 durchziehen. Um beides zu machen bin ich zu alt, und der finanzielle Aufwand wäre sehr sehr hoch, bei wenig Zeit zum Geld verdienen. Ich will mir die Chance das RAAM zu fahren und in der „richtigen“ Kategorie zu finishen nicht verbauen.

Zweitens kann ich einigermaßen rechnen. Die statistische Wahrscheinlichkeit zu überleben und heil wieder herunterzukommen, ist zwar schon beeindruckend gering, aber wie die meisten Menschen glaube ich natürlich, dass gerade ich vorsichtig genug und leistungsfähig genug bin das zu schaffen, und dass ich schon irgendwie heil da durch komme.
Aber bei einer Everestexpedition hätte ich nichts selbst in der Hand, ich müsste mich komplett auf die Organisatoren der Expedition und meine Mitstreiter verlassen ( und nicht zuletzt trage ich ja auch die Verantwortung, dass die anderen Teilnehmer sich auf mich und meine Fähigkeiten am Berg verlassen würden). Und wie oben erwähnt, wer mich mitnehmen würde, nimmt auch andere Nichtkletterer mit. Das erhöht das Risiko immens. Und ich kann keinen Einfluss darauf nehmen. Schon an einem kleinen Berg kann man problemlos sterben, am Everest in über 8000 Meter Höhe gibt es keine Möglichkeit die Bergwacht zu rufen, oder „abzubrechen“. Hier ist man in der Todeszone und kämpft ums Überleben. Ich würde wohl eine 4:1 oder 5:1 Chance haben. Das Risiko ist mir zu groß.

So entscheide ich mich dafür einen Trek zum Everest Basecamp zu machen. Auf dem Weg dorthin gibt es bei entsprechendem Wetter die Chance sich den höchsten Punkt der Erde immerhin anzuschauen.

Außerdem kann ich einen Eindruck vom Himalaya Gebirge bekommen. Das ist nun mal eine Gegend der Erde, die jeder Mensch einmal gesehen haben muss. Die Tour kann ich sogar als Vorbereitungstraining in mein Radtrainingsprogramm integrieren, denn schließlich bewege ich mich täglich über mehrere Stunden im GA1 Bereich und dass in einer Höhe von 4000 bis 5500 Meter.

Es dauert einige Tage, bis ich meiner eigenen Argumentation folgen kann, schließe dann aber meinen Frieden damit.

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