RAAM Finish!

Die letzte Etappe – Steilberghoch – Ziel

Die Nachtetappe nach nach Mc Henry hat Guido mal wieder mit Bravour gemeistert. Nachts zu fahren, beflügelt  ihn anscheinend, wobei er immer sehr müde aussieht – ok kein Wunder. Um 05.01 Uhr buchen wir die TS 48. Nach Schlafpause und der üblichen Behandlung der Muskulatur, der Gesäßpartie und natürlich abschließender Versorgung mit Sonnencreme geht es um kurz vor 9.00 Uhr in den letzten Tag! Der wird jedoch sicher nicht vor 4 Uhr am Sonntag enden (in Europa ist es dann 10.00 Uhr, wenn ihr dabei sein wollt!).

Wir, die Crew und auch Guido freuen uns auf Eure Unterstützung für die letzte Nacht. Wir haben noch 212 Meilen, das heißt ca 340 Km. Die Etappe sieht aus, wie ein Mini Ötztalradmarathon. 5 Berge sind zu erklimmen, mit Passagen, die in unserem Routebook als Walker bezeichnet werden – Passagen an denen es so steil ist, dass man absteigen muss. Guido ist alpenerprobt und kann alles fahren. Aber es ist ein wirklich schwerer Abschnitt.

Wieder mal beeindruckt uns Guido mit seiner Ausdauer und Zähigkeit. Um die Mittagszeit ist dieser, aus unserer Sicht schwerste Teilabschnitt absolviert. Von TS 49 zu TS 50 gibt einen sehr steilen langen Anstieg, ansonsten sollte es hier gut „rollen“.  Guido ist in seinem Element. Die Straßen sind noch immer nicht gut, aber deutlich besser. Es gibt weniger Querrillen, die unserem Racer am meisten Sorgen machen, denn das geht immer auf seine Sitzpostition.  Auch diese Passage läuft recht gut. Wir haben wieder Mails von Euch, die uns puschen, denn es geht nun um die letzten Körner, da helfen die guten Wünsche aus der Heimat extrem! So können wir Guido motivieren und ablenken zu gleich. Die Anstiege fühlen sich dadurch nicht so lange an. Der Gipfel ist erreicht. Ab jetzt ist das Profil der Strecke deutlich entspannter. Noch immer kein Zuckerschlecken, aber es entspannt sich nun zunehmend. Wir erreichen die TS 51 Rouzerville in Pensilvania. Hier macht Guido noch einen Powernap von 20 Minuten. Dann folgt der letzte echte Berg (Blue Ridge), ab da sollte es leichter werden. Das Ding ist zäh, vor allem nach der Pause. Aber Guido kommt dieses mal relativ schnell in seinen Rhythmus und meistert auch diesen letzten laut Routebook „erwähnenswerten“ Anstieg.

Es geht dann zügig hinab nach Hanover, Pensilvania. Die Landschaft erinnert uns sehr an unsere Heimat, mit sanften Wellen und Hügeln, geht es doch immer wieder auf und ab. Die Vegetation ist ebenfalls ähnlich wie bei uns. Die Temperaturen sind bei ca. 20 ° Grad Celsius, auch das ist erträglich. Um 20.00 Uhr sind wir dann schließlich an der TS, an der uns auch wieder mal Freunde des RAAM mit Glockengebimmel und tam tam erwarten. Das ist für uns auch immer eine Zusatzmotivationsspritze. Guido lädt etwas Essen ein und will auch schon wieder los. Ab hier sind es noch knapp 150 km. Auch er weiß, es sind noch ca. 8 – 10 Stunden bis zum Ziel. Von der kurzen Pause ist unser Team überrascht und plötzlich steht Guido vor dem Followcar und das ist noch nicht fertig. Es dauert ca. eine Minute und dann geht’s los. Die letzte Nacht steht uns bevor. Die nächste TS (52) ist eine Pflichthaltestation. Denn hier müssen die eingefahrenen Penalties abgesessen werden. Bisher sind wir ohne und hoffen, dass das so bleibt. Dann werden sich auch die Wege unserer Supportfahrzeuge trennen. Denn ab TS 52 wird das WoMo nicht mehr auf der Strecke sein dürfen, sondern auf direktem Wege nach Annapolis fahren. Ab da muss sich Guido für eine Pause ins Followcar setzen/legen. Wir gehen aber davon aus, dass er genug Adrenalin hat, um sich bis nach Annapolis durch zu kämpfen. Das können wir Euch dann erst morgen nach dem Finish berichten. Begleitet uns auf unserem Weg. Wir hoffen, dass wir und als RAAM – Finisher wieder melden.

Das WoMo fährt bereits zu TS 52 um dort evtl letzten Support zu leisten. Guido ist inzwischen auf einem sicheren Platz 11 und unsere Gegner Ares und Jake sin meilenweit entfernt. Beim letzten Check war Ares wohl mit einem Turbo unterwegs und hat auf Jake 49 km gut gemacht. Jake widerum liegt fast 29 Km vor uns. Doch als wir mit dem WoMo an der TS 52 Mount Airy ankommen, stellen wir zwar fest, dass Ares Bursic sich schon gut 60 Km entfernt hat, aber Jake Holscher nur noch 9 km vor uns befindet. Guido hat noch gut 25 Km bis zur TS. Dann sagt der Tracker das Holscher steht. Das muss die Baustelle gewesen sein, an der wir mit dem WoMo auch gestanden haben. Guido hat Glück und kann aufholen und plötzlich ist er auf Holschers Niveau. Jake ist platt, unser Guido wird zum Tier. Ein Tier mit Flügeln. Bis zur TS 52 sind es noch 9 Km. Jetzt wird allen klar, es gibt keinen Stopp mehr. Das Rennen gegen Holscher wird das Rennen um Platz 10! Das wäre nun nach all den Strapazen und Widrigkeiten ein echtes Sahnehäubchen. Guido fliegt. Mit jedem Update auf Tractalis läßt Guido seinen Wettstreiter Jake ein paar Kilometer merh hinter sich.  Schon an der TS 25 sind es 4 km, die Guido ihm abgenommen hat. Noch ca. 88 Km bis zum Ziel. Jetzt ist Guido im Race-Modus. Wir können alle nicht glauben, was nun nach über 4750 km passiert. Wir liegen auf Platz 10 und Guido fährt bis zur TS 53 in Odenton sage und schreibe 11 km Vorsprung heraus. Unser wirklich lieb gewonnener US Boy Holscher hat nichts mehr nachzulegen. Von TS 53 zur 54 hat er die letzte Möglichkeit sich ran zu kämpfen, denn die letzten 5,7 Meilen werden nicht im Rennmodus sondern im Parademodus gefahren. Das heißt, das Rennen ist an der TS 53 zu Ende. Auf die dort erreichte Zeit werden 26 Minuten addiert und das ist dann die Endzeit.

An der TS 53 hat Guido 16 Km auf Jake herausgefahren. Die TS 53 wird mit 01.31 Uhr, 22.06.2014 gebucht!!! Guido hat den 10 Platz erreicht!!! Das Team trifft sich auf der „Parade-Strecke“ zum Ziel mit einem offiziellen des Race-Headquarter an der Shelltankstelle in der Bestgate Road in Annapolis. Hier fallen wir uns alle in die Arme und feiern unseren Helden Guido. Der Race-Official gibt uns ca. 10 Minuten Zeit, wir machen Fotos und Guido trinkt seine erste Cola, eine aus der Dose, nach über 10 Jahren, zur Feier des Tages. Wir machen ein Teamfoto, denken und danken an unseren Freund Peter Speiser, der aus gesundheitlichen Gründen, nur über Internet und Telefon an dem Projekt teilnehmen konnte,  und dann geht es eskortiert bis zum Dock am Hafen in Annapolis.

Mitten in der Nacht warten am Ziel nur wenige Leute, die meisten Teilnehmer mit ihren Crews und ein paar Angehörige, die ihre positiv „verrückten“ Helden empfangen. Die Stimmung ist gut. Am Ziel stehen die Jungs von Stap, einige Leute aus Stefan Schlegels Team.  Anne, Marcos Freundin ist bereits da (sie hat uns schon vorher in Emfpang genommen), sowie diverse 2er , 4er und 8er Teams, die in den letzten Stunden und Minuten angekommen sind. Es wird gejubelt. Guido ist nun offizieller Finisher des RAAM.

Als Rookie auf Platz 10! Die Zeit liegt irgendwo bei 11 Tagen 9 Stunden und ein paar „gequetschte“. Das werden wir noch herausfinden. Wir machen Fotos, beglückwünschen uns gegenseitig. Guido wird dann langsam kalt und er möchte duschen. Wir teilen uns auf. Guido verschwindet mit Marco und Anne ins Hotel. Die anderen warten noch auf den Zieleinlauf von Jake Holscher. Wir überlegen, noch irgendwas zu Essen zu besorgen. Aber der Zieleinfahrt unseres Gegners geschuldet hauen wir uns zur Feier des Tages das Hauptnahrungsmittel von Guido der letzten 10 Tage rein. Es gibt Ensure clear und Ensure plus in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Jake trifft ein, wir gratulieren und dann fahren wir zum WoMo um dort ein letztes mal zu übernachten. Nach dem Ausschlafen werden wir im Hotel einchecken. Dann die Autos wieder so herrichten, dass wir sie bei Hertz abgeben können. Dann gehen wir abends zum Festbankett! So far so good!

Keep the Rider going!

19 Kommentare

  1. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !!!

    Der 10. Platz ist wirklich toll.

    Gute Erholung + guten Heimflug

    Michael

  2. Glückwunsch. …einfach unbeschreiblich. ..falls Guido in 2Tagen wieder aufgewacht ist, dann zieht den Hut vor ihm….eine unvorstellbare Leistung…geile Sache

  3. Das war die Nacht der Nächte,was hat der Guido noch mal Gas gegeben,unfassbar!! Euer Verhalten gegenüber Jake Holscher finde ich sehr fair,ihr seid eine tolle Truppe!!!Lasst es krachen!! Chapeau!!!

  4. Wer immer den Bericht geschrieben hat, er liest sich super spannend und ist berührend. Tausend dem Dank dem Team das maßgeblich am Erfolg des Kämpfers Guido beteiligt war. Feiert den Erfolg und genießt die Veranstaltung!
    Lydia und Gerd

  5. Congratulations!

    Das ist der Wahnsinn. Ich bin sprachlos und absolut beeindruckt von Deiner Leistung und der Leistung vom gesamten Team.

    Guido, Du hast es geschafft. Dein Traum ist in Erfüllung gegangen. Danke für zwei spannende Wochen und danke ans Team, die uns immer auf dem Laufenden gehalten haben!

    Let’s go. Caroline

  6. Hallo lieber Guido, hallo liebes Team. Herzlichste Glückwünsche für diese Leistung!
    Einfach unglaublich. Danke für die tollen Berichte. Das habt ihr wirklich toll gemacht!
    Alles, alles Gute. Feiert richtig, habt noch viel Spaß und bleibt gesund!!! Liebe Grüße
    Andrea

  7. Lieber Guido, liebe Crew!
    Tausend Dank für diesen letzten spannenden Bericht, der sich auch im Nachhinein wie ein Krimi liest- erstaunlich, dass der Verfasser bei diesen Strapazen noch dazu in der Lage war- ein dickes Kompliment und danke dafür! Jetzt sind wir ganz gespannt, wann sich Guido-Sieger das erste Mal zu Wort melden wird – Guido, kannst du noch reden? :-) Ich habe keine Ahnung, wie viele Stunden oder Tage Schlaf du nach einer solch unvorstellbaren Leistung brauchst…wie lange bleibst du noch in den USA bzw. wann bist du zurück in Gießen??? Wir freuen uns sehr, dich bald in Mittelhessen zu begrüßen- für die 8km Gießen-Steinbach brauchst du wahrscheinlich jetzt künftig nur noch 10 Minuten, wenn überhaupt!!! Lass es krachen, lass dich feiern und genieße die nächsten Tage in den USA- einfach mal so!!!
    Bis bald, liebe Grüße
    Ute

  8. Nochmals ganz ganz herzliche Glueckwuensche, es war total spannend , hier zuhause mitzufiebern, obwohl wir uns doch persoelnlich garnicht kennen, ist eine Herzensverbundenheit entstanden, wir haben mitgehofft und mitgelitten, Gratulation an das ganze Team, es hat alles offenbar perfekt gepasst, Murphy hat nicht zugeschlagen. Gute Erholung, geniess die Siegesfreude, vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja mal in good old europe, vielleicht bei etwas so „Banalem“ wie dem Oetztaler, Thomas

  9. Und ob du noch reden kannst…habe gerade das Video auf Volker Drabents Facebook-Seite gesehen…du siehst so frisch aus, der Hammer!!!
    Danke für die Grüße, es hat uns so viel Spaß gemacht, deine Aktion zu verfolgen! Grüße an dich und die Crew zurück und viel Spaß beim Bankett heute Abend!
    Liebe Grüße
    Ute und Roger

  10. Hallo Guido und Crew,
    ich freue mich riesig, euch zu diesem großartigen Erfolg gratulieren zu können.
    Respekt, Guido, Platz 10 ist einfach Wahnsinn! Auch dein Team hat super gekämpft.
    Danke für die spannende Unterhaltung in den letzten Tagen.

    Feiert, genießt und entspannt! Gute Rückkehr, Elvi

  11. Hammer!!!! Riesen Gratulation an dich, Guido, und an das unglaubliche Team!!! Geniesst den Siegestaumel und dann…SCHLAFT GUT :D

  12. Auch ich möchte mich dem Dank der vorherigen Kommentare für die tolle Berichterstattung anschließen. Wie viele andere habe ich vom Sofa aus mitgefiebert und an den Nägeln gekaut, wenn Tractalis mal wieder getrödelt hat. Ich finde es ganz toll, dass Ihr noch auf Jake’s Zielankunft gewartet habt, Guido und er haben sich ein super Rennen geliefert. Jetzt lasst es krachen, feiert bis die Balken sich biegen, Ihr habt es mehr als verdient.
    Viel Spaß beim Feiern und gesunde Rückkehr in die Heimat.

    LG
    Gundi

  13. Hi Guido, da ich seit Pfingsten im Urlaub war (ohne Internet, sowas gibts noch), konnte ich erst Deinen Endspurt verfolgen. Umso mehr bin ich von dieser Riesenleistung beeindruckt. Ankommen allein hätte ich schon als unglaubliche Leistung eingestuft, aber Platz 10 beim ersten Versuch ist ja fast außerirdisch.
    Einen Riesenglückwunsch für diese Leistung und auch ein Riesenkompliment an das Team für diese kraftraubende Unterstützung. Jetzt wünsche ich Dir und dem Team erst einmal eine erfolgreiche Regeneration. Wie lange man wohl braucht um sich von so einem Ritt zu erholen?

  14. Herzlichen Glückwunsch ihr habt das alle super gemacht.

  15. Hallo Guido!

    Allergrößten Respekt vor dieser Leistung!

    Herzlichen Glückwunsch + gute Regeneration!

    Beste Grüße

    Peter

  16. Herzlichen Glühstrumpf zu deinem Erfolg und meinen tiefen Respekt. Was viele nicht einmal ohne Probleme mit dem Auto schaffen, machst du in verdammt guter Zeit mit der Pedale. Ich bewundere deinen Durchhaltewillen und deine Disziplin. Auch wenn’s nicht easy war – für mich bist di ein Easy Rider. Keep clear und suche eine neue Herausforderung – wie wär’s jetzt mit der Ruta 40?.
    Halt die Ohren steif und komm heil zurück (for more details) HpB

  17. „Der Weg war das Ziel“

    Der Motor der Dich antrieb, warst Du selbst!
    Der Kampf den Du gekämpft hast, war gegen Dich selbst!
    Die Kraft aus der Du geschöpft hast, war Dein unbändiger, starker Wille!
    Die Unterstützung die Du hattest, war ein selbstloses starkes Team!

    Deshalb Dein Erfolg….Guido…4800 km; Platz 10; quer durchs Amiland GRATULATION

    Herzlichen Glückwunsch, ich verbeuge mich vor solch einer Leistung die mir vor
    Freude die Tränen in die Augen trieb, als Andrea mir die SMS geschrieben hat, das Ihr angekommen seit.

    Ich wünsche Euch allen eine gute Heimreise, Dir lieber Jörg möchte ich noch ein Kompliment machen auf diesem Weg:
    Die Berichterstattung war grandios, mit Spannung und Witz die Tage so dokumentiert, als sei man selbst dabeigewesen.

    Ganz liebe Grüße an meinen Tom und an Alle

    Helga

  18. Super.

    Und jetzt?

    Ein Buch?

  19. Herzlichste Glückwünsche und unseren größten Respekt!!! Ganz klasse, erhole Dich gut und kommt gut zurück!