Fazit Alpenbrevet 2013 (silber)

Nun, einen „Krieg“ gegen den eigenen Körper hatte ich mir anders vorgestellt. Und natürlich habe ich das nur als Bild benutzt um mich zu motivieren, um jeglichen psychologischen Hintergrund für meine angeschlagene Gesundheit auszuschließen. Aber elend genug hat es sich auch so angefühlt.

Auch wenn ich nur die Silberrunde gefahren bin, und auch wenn die Zeit schlecht ist, so war es doch richtig zu fahren. Das elende Gefühl aus Sölden wegzufahren ohne auch nur einen Pass bezwungen zu haben, beim Ötzthaler Radmarathon, dem Höhepunkt des Jedermannkalenders, nur zugeschaut zu haben, das wollte ich in Meiringen nicht noch einmal haben.

Auch hier habe ich hauptsächlich im Hotelzimmer rumgelungert, aber ich bin am Start gestanden, bin gefahren und bin durchgekommen. Das fühlt sich einfach besser an.

Erstaunlicherweise bin ich von den 734 Finishern auf der Silberstrecke noch 238. geworden. Ich war mir sicher bei den letzten 10 zu sein, stattdessen bin ich gut im vorderen Drittel platziert. Richtig erklären kann ich mir das nicht. Am Furka bin ich so mit um die 2 Watt pro Kg Körpergewicht hochgegurkt, am Susten waren’s kaum 1,7W/kg. Wer kann da noch hinter mir sein? Vielleicht ist doch die Leistungsanzeige fehlerhaft gewesen? Ich glaube aber kaum, denn ich habe mich auch ziemlich genau so gefühlt. Ich bin 6 oder 7 mal am Susten stehen geblieben, sogar am Furka schon einmal.

Natürlich ist die kleine Runde ja gerade für diejenigen gedacht, die vielleicht den ersten Radmarathon fahren, in der Saison keine Trainingskilometer in die Beine bekommen haben, oder das ganze eher als touristische Tour denn als Radrennen betrachten. Aber ich käme im Normalfall nie auf die Idee mit 1,7W/Kg (oder eben, ohne Leistungsmessung, einem vergleichbaren Erfahrungswert am Berg) einen Radmarathon in den Alpen fahren zu wollen. Das macht man ja nicht einfach so, ohne Training. Aber selbst wenn ich die extremen Zeiten über zehn Stunden abziehe, die vielleicht durch Stürze, Defekte, Krankheit verursacht sind, bleiben noch hunderte Fahrer die über den 7:11 h geblieben sind. Das kann ich nicht verstehen. Andererseits, wenn jemand mit diesem Leistungsniveau sich einen Radmarathon mit drei Alpenpässen zutraut und ihn dann auch noch finished, ist das eigentlich eine sehr respektable Leistung.

Gemessen an meinem Trainingsaufwand, der Qualität meines Materials und der Ernsthaftigkeit mit der ich die Wettkämpfe angehe war meine Zeit allerdings nicht respektabel. Die hätte schon deutlich um 5:30 Stunden sein müssen. Trotzdem bin ich froh, dass ich das gemacht habe. Vielleicht habe ich sogar im Hinblick auf das RAAM 2014 etwas gelernt. Erst mal, dass ich da auf jeden Fall gesund am Start stehen will, aber das ist ja  logisch. Desweiteren, dass man auch vorwärts kommt wenn die Leistung im Keller ist und man sich elend fühlt, man muss nur irgendwie treten. Aber als Lehre möchte ich eigentlich hauptsächlich daraus ziehen, dass ich meine Strategie nicht auf kompletten Schlafentzug aufbauen will, und dass ich wirklich extrem aufpassen muss konstant und viel zu essen. Über Stunden in einem Hungerast zu fahren ist einfach elend. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden.

Ich wollte kämpfen, aber kämpfen heißt ja, das was im Körper drinsteckt auch wirklich herauszuholen. Dumm nur, wenn im Körper eben gar nichts drinsteckt, weil er durch Krankheit geschwächt ist.

Um so wichtiger ist es jetzt die Ursache für die gesundheitlichen Probleme festzustellen und vor allen Dingen abzustellen. Immerhin war es schon das vierte Mal dieses Jahr. Diesmal halt richtig ungünstig, Ötzi dahin, Alpenbrevet dahin und die 24h Nürburgring auch. Die tun im Hinblick auf die Vorbereitung zum RAAM 2014 am meisten weh.

 

3 Kommentare

  1. Schön, dass du es trotzdem durchgezogen hast. Habe mit großem Interesse auch deinen Alpenbrevet-Bericht von 2011 gelesen. Ich war in diesem Jahr das erste Mal dabei – und es hat mich total begeistert. So sehr, dass ich mich entschlossen habe, auch einen Blog zu beginnen…
    http://unrasiertradler.tumblr.com/

    • Cool, habe gerade reingelesen. Gratulation zur sehr guten Zeit auf der Goldstrecke. Vielleicht sieht man sich ja nächstes Jahr auf der Platinstrecke.

    • Ja, ich denke bis dahin sollte ich mir das zutrauen, wobei ich die Goldstrecke auch toll fand, weil es wirklich 0 flach ist, bei der Platinrunde ist es zwischenzeitlich ja auch ein bisschen weniger steil. Auf jeden Fall werde ich vorher schonmal vergleichbare Längen bei der Hobbyvariante von Lüttich-Bastogne-Lüttich und beim Rhön-Radmarathon trainieren!