Fazit Peakbreak

Durch die große Belastung auf der langen Strecke des Schweizer Radmarathons eine Woche vorher, bin ich ja mit einiger Skepsis ins Peakbreak 2012 gegangen. Erstes Ziel war eigentlich nur überhaupt durchzukommen.

Aber mit jedem Tag ist mein Selbstvertrauen gewachsen, und ich habe gemerkt, dass ich mich eigentlich mit jedem Tag steigern konnte, also gar nicht wie erwartet abgebaut habe. Der Kopf hat das gar nicht glauben wollen, was die Beine da machen.

Und auch am 6. Tag, als es mir mental morgens nicht gut ging, ich das schlimmste befürchtete, bin ich am Pass Thurn fast explodiert, mit einer Trittleistung von über 300 Watt im Schnitt. Das kann nicht nur an den Anfeuerungs- und Aufmunterungs SMS meiner Edelfans gelegen haben (aber denn Anteil möchte ich auch nicht zu gering ansetzen).

Ich weiß jetzt, dass mein Gefühl am Ende der letzten Saison richtig war, dass ich mich im Wettkampf fordern muss um mich zu steigern. Der blöde Sturz am Veleta hat mich im Training zwar doch etwas aus der Bahn gebracht, sogar mehr als ich zunächst realisiert habe, aber ich war schon auf dem richtigen Weg.

Das ich den Peakbreak 2012 gefinished hätte steht für mich außer Frage, ich schätze um Platz 40 herum. Aber das ist natürlich graue Theorie. In Rennen besteht nun mal ein größeres Sturzrisiko als beim einsamen Klettern am Berg früh morgens. Und auch das musste ich erfahren.

Der Sturz war wirklich böse. Auch wenn es mir schwerfällt angesichts von Schürfwunden mit der Fläche eines Fußballfeldes von Glück im Unglück zu sprechen, so muss ich doch einsehen, dass Stürze bei 70 km/h auch anders ausgehen können.

Unabhängig vom unglücklichen Ausgang ist das Erlebnis eines anspruchsvollen Etappenrennens schon etwas Besonderes. Jeden Tag wieder im Renntempo die Bergetappen zu bewältigen, fast jeden Tag an einem anderen Etappenort mit entsprechendem Reisestress, die Schwierigkeit sich dabei richtig zu ernähren und genug zu schlafen und letztlich auch das Gemeinschaftsgefühl unter den Fahrern, das alles sind sehr interessante Erfahrungen, die einem Freizeitfahrer meist verwehrt bleiben.

Man kann den Peakbreak eben nicht mit einer Radreise oder z.B. einem Radsportcamp wie ich es 2010 gemacht habe vergleichen. Man hat letztlich acht aufeinanderfolgende Radrennen. Dementsprechend fordert man sich viel mehr. Der Trainingseffekt ist wahrscheinlich recht groß.

Ein bisschen schade ist, dass man im Gegensatz zu einer entsprechenden Radreise sehr wenig von der schönen Landschaft mitbekommt. Zumindest ging mir das so, dafür war ich zu sehr im Rennen. Zwar gibt es immer wieder Momente in denen man die spektakuläre Umgebung wahrnimmt, aber meist ist man eben konzentriert auf das Renngeschehen was auch wichtig ist.

Auch mein Sturz ist sicher durch eine Unkonzentriertheit entstanden, wenn auch nicht durch meine eigene.

Wirklich super fand ich die Zielankünfte. Natürlich ist man bei so schweren Strecken immer froh wenn es dann vorbei ist, aber schon kurz danach stellt sich ein Gefühl großer Befriedigung ein. Dabei habe ich mich mit jedem Tag mehr im Ziel gefreut und wohlgefühlt.

Sicher hat auch Bernie mit seiner immer motivierenden Moderation dazu beigetragen. Ich habe keine Ahnung wie der es geschafft hat über Stunden immer wieder was zu erzählen was eben nicht albern oder dämlich klingt, aber er hat eigentlich für jeden immer den richtigen Spruch parat gehabt. Als ORF Moderator ist er offensichtlich ein Profi und als Triathlet mit einer gesunden Affinität zum Radsport war er genau der richtig Mann für diesen Job.

Überhaupt hat das gesamte Orgateam gute Arbeit geleistet und war dabei immer freundlich oder gerade zu herzlich im Umgang mit den Teilnehmern. Es gibt zwar durchaus Dinge die man verbessern kann, aber prinzipiell war die Organisation sehr gut.

Was ich über mich aus dem Peakbreak gelernt habe, ist, dass ich mich bei Belastungen über mehrere Tage wirklich steigern kann, auch im Vergleich zu anderen Radfahrern. Ich werde auch mein Training prinzipiell überdenken. Denn dass ich im Winter so sehr rausnehme und dann fast nur noch Grundlage fahre ist vielleicht ein Fehler. Auch dass ich fast immer Dreier- oder Viererblöcke fahre muss ich möglicherweise überprüfen. Ab und zu mal eine richtige Belastung mit einer Woche volles Rohr ist vielleicht eine Alternative. Aber das werde ich alles zum Ende der Saison für nächstes Jahr auswerten.

So schön der Peakbreak bis zum Sturz war, so frustrierend war es danach. Ich hätte sofort abreisen müssen. Am meisten schmerzen nicht die Schürfwunden, sonder dass ich nicht mit Finishergefühl nach einer letzten schönen Etappe über die Nockalmstraße bei gutem Wetter ins Ziel gefahren bin. Ich könnte jetzt noch vor Wut und Frust schreien.

Es erscheint mir momentan wie ein nicht wiederbringliches Erlebnis, auch wenn ich nächstes Jahr wieder starte.

Das ist eigentlich mein fester Plan. Mit klarer Zielsetzung unter die besten 30 zu fahren, also mindestens im vorderen Drittel des Gesamtklassements zu landen. Hoffentlich liegt der Termin so dass ich fahren kann.

Kommentare sind deaktiviert.