Gedanken zum Alpenbrevet

Heute habe ich nochmal alle Hotels abtelefoniert, aber keine Chance, alles ausgebucht. Ich werde tatsächlich in der Massenunterkunft im Startbereich übernachten müssen. Besser wie nichts, aber für meinen absoluten Saisonhöhepunkt, mein einziges A-Rennen hatte ich mir das anders vorgestellt.

Außerdem wird die anvisierte Platinrunde des Alpenbrevet mit offiziell 7031 Höhenmetern das Härteste was ich je gemacht habe, da soll natürlich in der Vorbereitung alles optimal sein. But anyway, jetzt heißt es sich auf das Wichtige konzentrieren. Das Tapern ist eigentlich der schönste Teil des ganzen Trainings, weder Intensität noch Umfang sind sehr hoch, trotzdem hat man die Spannung und Vorfreude auf das kommende Event.

Auch wenn es sich mit dem Jaufenpass vorm Ötzi letztes Jahr nicht wirklich bewährt hat, bin ich doch froh, dass ich alle Pässe der Platinrunde nochmal abgefahren bin. Erstens konnte ich so 7 neue Pässe kennenlernen, zweitens ein Gefühl für die Strecke entwickeln, und nicht zuletzt Berge trainieren.

Ob ich tatsächlich die Platinrunde fahren kann hängt auch davon ab, ob ich um 11:15 Uhr in Airolo bin, denn nur dann darf man die große Runde über Lukmanier, Oberalp und Susten nehmen. Kommt man später dort an, muss man über Gotthard nach Andermatt und dann ebenfalls über den Susten wieder zurück, die Goldrunde.

11:15 Uhr müsste eigentlich zu schaffen sein, allerdings trödeln darf man nicht, und wenn gar eine Panne dazwischen kommen sollte, könnte das wirklich knapp werden. Für den Grimsel von Innertkirchen habe ich knapp zwei Stunden gebraucht, für die meiner Meinung nach doch recht harte Auffahrt auf den Nufenen von Ulrichen aus 1:15 h. Wenn der Start um 6:45 Uhr ist, dann hat man noch eine Stunde für die Fahrt von Meiringen nach Innertkirchen, für die Abfahrt vom Grimsel und die 11 Kilometer bis Ulrichen, sowie die lange Abfahrt vom Nufenen hinunter nach Airolo.

Ich hoffe einfach mal, dass der Wettkampfbonus und das zielgenaue Trainieren und Tapern auf diesen einen Tag hin soviel Reservern freigibt, dass ich das hinkriege. So locker wie Trondheim – Oslo wird das aber auf jeden Fall nicht.

Es wird wahrscheinlich sogar härter als der Ötztaler Radmarathon letztes Jahr. 47 Kilometer mehr und über 1500 Höhenmeter mehr. Ich sollte nicht zuviel darüber nachdenken….

Auch wenn das primäre Ziel ankommen heißt, setze ich mir natürlich eine Zielzeit. Ein Mitarbeiter des Radlabor in Freiburg hat ein Prognosemodell auf Basis der Schauinslandkönig Zeiten entwickelt. Ein erster Test letztes Jahr mit Vorhersagen für den Ötztaler Radmarathon hat schon ganz brauchbare Prognosen hervorgebracht. Jetzt gibt es das Tool in einer Testphase online (www.perfolizer.de). Meine prognostizierte Zielzeit liegt da für die Platinrunde des Alpenbrevet bei 11:30 h

Ich habe mir persönlich allerdings 12 Stunden als „persönliche Finisherzeit“ gesetzt. Die 11:30 h zu knacken, ist aber sicher ein Ziel. Und um ehrlich zu sein, geistert auch die 11 Stunden Marke als potentielles Ziel in meinem Kopf herum. Aber das ist vielleicht dann doch vermessen, denn die Siegerzeit wird wohl um 10:30 liegen. Mir scheint, bei diesem Event fahren mehr echte Jedermänner und nicht so viele Elite Fahrer mit wie z.B. beim Ötzi, so dass der Rückstand auf den Sieger hoffentlich nicht so riesig sein wird.

Wie auch immer, mein Ziel werde ich mir erst am Abend vorher stecken, rein nach Gefühl. Nicht zuletzt spielen ja auch die Wetterverhältnisse eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn es Niederschlag gibt, d.h. Regen im Tal, evtl. Schnee auf der einen oder anderen Passhöhe, dann sind die Abfahrten langsam und der Körper verbraucht mehr Energie, so dass man deutlich langsamer wird über die Distanz. Wenn es brütend heiß ist, macht sich der schlechte Wirkungsgrad des Körpers von maximal 25% bemerkbar, was sich in den Zeiten für die Passauffahrten niederschlagen wird.

Rein renntaktisch hätte ich gerne bis zur Passhöhe des Lukmanier eine gute Gruppe, oder besser noch bis zur Passhöhe Oberalp. Denn in den Zwischenstücken und an dem flachen Anstieg von Biasca auf den Lukmanier ist Windschatten ein großes Thema. Aber erfahrungsgemäß zieht sich schon am ersten Berg, spätestens am zweiten alles recht weit auseinander.

Nach meiner guten Erfahrung mit dem Kohlenhydratpulver bei Trondheim – Oslo werde ich das auch beim Alpenbrevet einsetzen. Auch wenn mein Magen eigentlich recht robust reagiert, setze ich doch am liebsten die Sponser Produkte ein, die ich auch sonst verwende, das Mehrgewicht am ersten und zweiten Berg werde ich dafür akzeptieren.

Zum Glück ist mein Roubaix SL3 wieder einsatzbereit, nachdem die Jungs bei SRM doch etwas lange für die Kalibrierung des Powermeter gebraucht haben. Leider konnte ich es deshalb noch nie in den Alpen testen, und hoffe einfach, dass es genauso sensationell läuft wie in Norwegen. Gerade auf den Abfahrten erhoffe ich mir einen kleinen Vorteil gegenüber dem alten Roubaix Pro Rahmen.

Ein Kommentar

  1. Hi Guido,
    ich wünsche dir viel Spaß und viel Glück! Hast du deine Pelzhandschuhe eingepackt…? Hoffe, du packst die Platinrunde! Nee, getrödelt wird natürlich nicht! Denk dir einfach vor jeder Kehre, dein Supporter Team wartet auf dich ;o))Lieben Gruß aus Gießen, Maj-Britt