Glocknerkoenig 2010

Samstag 05.06.2010

Kaiserwetter am Glockner! Hoffentlich ist das bis morgen wieder weg… Denn ich wünsche mir eigentlich ein ordentliches Fritz Walter Wetter, mit Regen und am liebsten Schnee am Berg. Das würde schon mal ein paar Gegner für den Glocknerkönig aus dem Weg räumen. Denn an meiner Wetterfestigkeit habe ich spätestens seit Irland und dem Kälteeinbruch am Iseran letztes Jahr keine Zweifel.


Letztlich macht es aber natürlich bei schönem Wetter mehr Spass, und der „Glocknerkönig“ ist für mich ja nur ein Testwettkampf, mein erstes Radrennen, um mal die Abläufe kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist mit tausenden von Mitradlern den Berg anzugehen. Alles im Hinblick auf den Ötztaler Radmarathon.

Daher bin ich auch so entspannt wie die ganze Atmosphäre hier in Bruck. Zu meiner Überraschung war die Anreise per Auto gestern völlig problemlos, ohne größere Staus, obwohl ich erst sehr spät losgefahren bin. So konnte ich noch ein paar Kilometer Richtung Fusch fahren um mir die Beine zu vertreten. Und heute gab es eine Regenerationsrunde rund um den Zeller See. Ein lockeres Stündchen, bei strahlendem Sonnenschein in herrlichem Alpenpanorama.


Zum Mittag gab es eine Reinanke (keine Ahnung ob das Rhein-Anke oder Rei-Nanke ausgesprochen wird), ein Süßwasserfisch, der angeblich im Zeller See gefangen wurde. Da der Fisch sich auch im zubereiteten Zustand noch heftig gegen seinen Verzehr gewehrt hat, war es mehr ein meditatives Essen, was der relaxten Gesamtstimmung durchaus angemessen war.

In Bruck wird schon kräftig für das Rennen morgen aufgebaut, und rund um die Startnummernvergabe sind einige Stände aufgebaut, vor allem auch von Zweirad-Stadler, der das Event auch sponsort.

So kann man die Zeit ein bisschen totschlagen, und schon mal „die Anderen“ beobachten. Jedes Rennrad wird neugierig bis misstrauisch beäugt, und genauso wie ein Mann schon nach einer Sekunde weiß welches Attraktivitätslevel eine Frau hat, wendet sich auch hier der Blick entweder sofort wieder uninteressiert ab, oder ein zweiter etwas ausführlicherer Blick signalisiert Bewunderung oder (technisches) Interesse.

Der Blick gilt allerdings nicht nur den Rennrädern, sondern auch den Fahrern. Und obwohl das Ganze für mich nur ein Test ist, habe ich mir natürlich trotz allem sportliche Ziele gesetzt. Aufgrund meiner Zeiten von vor zwei Wochen und den Ergebnislisten der letzen Jahre, ist das Ziel unter die besten tausend Fahrer von 2225 Teilnehmern zu kommen. Das ist durchaus realistisch, aber klappt auch nur dann, wenn ich eine ordentliche Leistung abrufen kann.

Wenn ich mir die „die Anderen“ allerdings so betrachte, kommen mir doch ein paar Zweifel. Ich wusste nicht, dass es so viele große, schlank bis sehnige, durchtrainierte Rennradfahrer gibt, die schon ohne Fahrrad so schnell aussehen. Sofort schießt mir durch den Kopf, dass ich erst einmal am Berg war dieses Jahr, dass ich natürlich nicht die fast 7000 Kilometer mit 40kg Fahrrad und 25% Steigungen in den Beinen habe wie letztes Jahr, und dass ich zu allem Überfluss in den letzten zwei Wochen aus beruflichen Gründen nicht wie geplant trainieren konnte.

Und dann gehöre ich noch zu den Älteren, dass wird einem hier sehr deutlich vor Augen geführt, zu Hause ist das kein Thema, da lasse ich mir immer von der Körperfettwaage schmeicheln, die mein biologisches Alter auf 28 schätzt. (macht die wahrscheinlich bei jedem, deshalb verkauft sich das überteuerte Ding auch so gut)

Anyway, wenn ich es irgendwie schaffe mich mental darauf einzustellen, dass es nach der Auffahrt zum Fuscher Törl vorbei ist, und ich mich bis dahin also voll verausgaben kann, und wenn ich es dabei auch noch schaffe nicht auf Grund der Rennsituation am Anfang zu überziehen oder in einen Massensturz verwickelt zu werden, dann ist die Position 1000 ein erreichbares, leuchtendes Ziel, das ordentlich Motivation liefert.

Abends schlendere ich noch etwas durch Bruck und suche mir ein Restaurant, wo ich meinen „Nudelparty“ Gutschein einlösen kann. Das Gasthaus Lukashansl war wohl die richtige Wahl, denn das Buffet ist direkt in der Küche aufgebaut, die Auswahl riesig, wenn’s auch leider keine Vollkornnudeln gibt, und für faire drei Euro gibt’s auch noch einen ordentlichen Salat.

Insgesamt scheint die Organisation wirklich gut zu sein, außer seinem Fahrrad braucht man eigentlich nichts mitbringen, und selbst das hätte man heute noch hier kaufen können…

Morgen stehen hier 2225 Fahrradfahrer:

Ein Kommentar

  1. Hi Guido,
    Glückwunsch zur Medaille! Kannst stolz auf dich sein! Bitte denk an den Platz 15 „als Frau“ an mich wenn du die erste Radtour mit mir machen mußt ;o))