Großlockner 2018 die Dritte

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Heute also der zweite Tag an der Großglockner Hochalpenstraße. Nach den über 3000 Höhenmetern gestern fühlen wir uns beide nicht so richtig fit. Ich fühle mich sogar erstaunlich schlapp. Der Plan ist es von Bruck bis Heiligenblut zu fahren und wieder zurück, also beide Glockneranstiege zu meistern.

Ehrlich gesagt bin ich nicht mal sicher ob ich überhaupt einen schaffe. Als wir um viertel nach acht erst mal auf dem Rad sitzen bestätigt sich das Gefühl zunächst. Dann scheinen sich die schweren Beine etwas „auszufahren“. Allerdings rollen wir eher gemütlich gen Fusch.

Ich begegne den alpinen Passstraßen immer mit großem Respekt und jedesmal wenn ich in den Anstieg kurz hinter dem Bärenwerk einsteige, beschleicht mich hier am Glockner ein leicht mulmiges Gefühl. Mittlerweile weiß ich ja auch sehr genau was mich erwartet und mein Körper signalisiert mir immer recht deutlich was ich von ihm erwarten kann. Das scheint heute recht wenig zu sein, so dass mich eine schwere und sehr anstrengende Auffahrt erwarten wird.

Ich merke auch sofort, dass ich deutlich weniger Leistung zur Verfügung habe als gestern. Ich bin schon etwas enttäuscht, dass die Differenz so groß ist, das kenne ich von mir so eigentlich nicht, da ich immer gut regeneriere.

Anyway, ich kämpfe mich den Anstieg hoch, muss etwas mehr im Wiegetritt fahren als gestern, und spüre, dass ich heute sicher nicht bis Heiligenblut fahren werde. Im Gegenteil, muss ich wohl heftig kämpfen damit ich ohne Pause sauber bis zum Hochtor komme.

So freue ich mich sehr, als das erste Flachstück erreicht ist. Kämpfe wieder im folgenden Anstieg und rolle dann im flachen Teil bis zur Mautstation eher locker als mit Druck.

An der Mautstation weiß ich ja jetzt, dass ich das Knöpfchen drücken muss und lege mich im Zählviehgatter nicht mehr auf die Nase. Zeitgewinn bringt mir das aber kaum. Ich habe sowieso 44 Minuten gebraucht bis hierher, eine gute Zeit werde ich heute also sowieso nicht fahren können.

Die ersten 2,3 Kilometer nach der Mautstation sind einfach immer wieder heftig. Meist 12%, selten 11% oder auch nur 10%. Trotzdem erreiche ich die erste Kehre mit viel Kampf und viel Wiegetritt. Die Beine mögen keine Leistung hergeben, mir fehlt ein Gang oder vielleicht sogar zwei.

Auch die nächsten Kehren kämpfe ich mich nach oben, aber ich frage mich wirklich wie ich heute oben ankommen soll. Das linke Knie schmerzt und das gesamte linke Bein fühlt sich eher an würde es das RAAM fahren statt eine genussvolle Passauffahrt.

Ein paar Trekkingbiker und zwei drei Mountainbiker säumen die Strecke, nichts was ablenken oder motivieren könnte. Ich hadere etwas mit mir, ja bin etwas enttäuscht, das mir der gestrige Tag so in den Knochen steckt. Dadurch versäume ich es das schöne Wetter und die spektakuläre Landschaft zu genießen.

Aber ich komme weiter nach oben, auch wenn es schwerfällt und meine Trittfrequenz immer weiter absinkt. Ich erreiche Kilometer 17 und dann endlich die Pifkar, hundert Meter flache Strecke, dann geht es steil weiter.

Die Trittfrequenz liegt nun im niedrigen 50er Bereich, d.h. keine Leistung mehr und noch dazu mache ich meine Muskeln richtig platt. Aber ich kämpfe weiter. Und als sich schon die erste Kehre im unteren Nassfeld abzeichnet überholt mich ein anderer Rennradler.

Sofort ändert sich die neuronale Ansteuerung der Muskulatur, die Trittfrequenz erhöht sich auf 70+ bei gleichem Gang. Durch das Überholmanöver hat er so 15 Meter zwischen uns gelegt. Genau die halte ich jetzt auch.

Erstaunlich, ich bin regelrecht fasziniert von meinen eigenen Beinen. Vor allem fühlt es sich nun etwas leichter an, nicht mehr ganz so quälend, obwohl ich ja locker 1 km/h schneller fahre (in einer 12% Steigung).

So zieht mich der andere Fahrer ordentlich mit. Nur eine Elektro-MTB-Fahrerin überholt mich. Sie scheint die Betreung des Rennradlers zu sein. Jedenfalls tauschen die beiden Riegel aus und sie lässt sich immer wieder zurückfallen und überholt mich dann.

Er ist definitiv etwas stärker als ich heute, aber die perfekte Motiviation. Auch wenn sich der Abstand dann doch etwas vergrößert. Selbst an der Edelweißwand, die wir mittlerweile schon erreicht haben, wird der Abstand nicht größer als 80 Meter.

Allerdings überholt mich nun ein weiterer Rennradler. Er hat sich wohl über einen längeren Zeitraum rangekämpft, legt nun 20 Meter zwischen uns und lässt dann nach. Ich kann aber nicht kontern, der Abstand bleibt gleich.

Aber egal, so habe ich Ablenkung bis in die letzten Serpentinen vor dem Fuscher Törl. Hier muss ich nun aber heftig kämpfen, das linke Bein will nicht mehr, das Knie macht sich etwas bemerkbar, die Trittfrequenz sinkt wieder auf 50. Ich kämpfe mich aber bis zur Ziellinie des Glocknerkönigs und bin nur 10 Minuten langsamer als gestern. Die Differenz hatte ich mir noch größer vorgestellt.

Nun heißt es aber weiter kämpfen, denn das Ziel ist ja das Hochtor. Mir ist jetzt klar, dass ich heute nicht mehr auf der anderen Seite hinunter fahren werde, was bedeutet, dass ich dort einen Kaiserschmarrn essen könnte. Hm, das sollte doch Motivation sein. Wenn nur das Bein durchhält.

Die Zwischenabfahrt läuft diesmal besser, denn es sind keine anderen Fahrzeuge im Weg. Dann aber geht es in die Steigung und ich muss sehr kämpfen. Alle steileren Stücke fahre ich komplett im Wiegetritt. Der Gegenwind macht es auch nicht leichter, und während ich gestern eher locker gefahren bin in diesem Abschnitt, muss ich heute nochmal richtig ackern. So dauert es vier Minuten länger als gestern, aber dann ist auch für heute das Hochtor erreicht.

Mehr geht aber nicht mehr. Ich trinke einen heißen Kakao, da der Kaffee hier ungenießbar ist. Nach einer Weile trifft Marco ein, und ihm erging es nicht besser als mir. Also auch niemand der mich überreden könnte unvernünftig zu sein und die andere Seite doch noch zu fahren.

Ich esse den Kaiserschmarrn, der diesmal wirklich schlecht ist. In der Hauptsaison sollte man hier oben wohl eher nichts essen und trinken… Dann geht es zurück in Richtung Bruck, nochmal der Gegenanstieg an der Fuscher Lacke hinauf zum Fuscher Törl, und dann einfach nur runterbrettern. Das kann ich sehr genießen. Das weiche Hinterrad ignoriere ich, die Autofahrer und die langsamen Motorradfahrer sind kooperativ, so dass es höllisch Spaß macht ohne Anstrengung (abgesehen von den Händen die vor den Kehren ordentlich zupacken müssen) ins Tal zu brausen.

Die Beine machen auch noch auf den letzten flachen Kilometern ordentlich mit. Ich bin allerdings etwas enttäuscht, dass ich heute nur eine Passauffahrt in den Beinen hatte. Andererseits aber auch ein wenig stolz, dass ich so vernünftig war die zweite nicht trotzdem zu versuchen.

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