Ötztaler Startplatz storniert – Gedanken zum RAAM

Auch wenn ich den Glockner hochgekommen bin, und es mir seitdem beständig besser geht, so lässt mein Rücken doch einen anspruchsvollen Radmarathon wie den Ötzi noch nicht zu. Noch immer trainiere ich nur nur nach Gefühl, fahre sogar meist eher einfach nur Rad statt zu trainieren. Ein würdevolles Finish beim Ötztaler wäre da wohl in weiter Ferne.

Als mir Stefan Schlegel fast drei Monate nach dem RAAM 2014 erzählte, dass er das Rennrad seit dem Rennen nicht mehr angefasst habe, konnte ich das nicht verstehen, gerade so ein gewaltiges Erlebnis wie das Race Across America hat mich immer motiviert und das Gefühl mit so einem brutalen „Training“ im Rücken die Chance zu haben ein höheres Level zu erreichen, hat die zweifelsohne vorhandene Erschöpfung und Müdigkeit verdrängt.

Aber das Rennen 2017 und das Training dorthin hat mich doch sehr viel Kraft gekostet, so dass ich vor allem mental, auch mit dem kleinen Rückschlag durch die Verzögerungen beim Buch, damit nicht gut umgehen konnte und emotional schon sehr weit weg war vom Ultracycling. Das hat meine Freude über das sensationell gute Ergebniss nicht geschmälert, ich war einfach nur eben „leer“ und hatte nicht genug Energie ein neues Ziel ins Auge zu fassen.

Es ist erstaunlich wie schnell man durch Bewegungsmangel und zuviel essen in einen körperlich und mental wenig erfreulichen Zustand gerät. Es ist aber auch schön zu sehen, dass mehrere Jahre Training eine gewisse Grundlage legen, so dass man aus so einer Negativspirale auch wieder herauskommt, und trotz fortschreitenden Alters spüre ich doch wieder die Energie zurückkommen, und habe noch den einen oder anderen Alpenpass in mir drin. Vielleicht sogar die Lust nochmal „richtig“ zu trainieren. Aber da lasse ich mir Zeit bis Oktober um zu schauen, ob ich ein strukturiertes Training, hin auf ein Ziel im Extremradsport, mit aller Konsequenz durchziehen könnte.

Momentan genieße ich es daher das RAAM 2018 zu beobachten. Und muss manchmal innerlich schmunzeln, wenn ich mich dabei ertappe wie ich denke „jetzt hast du die Appalachen erreicht, komm Endspurt“ und mich dann an meinen eigenen Zustand dort erinnere, wo es nur noch ums Durchkommen, ums Wachbleiben, ums Nichtstehenbleiben geht. Es ist so einfach mit dem Finger auf der Landkarte zu Reisen, und manchmal so brutal hart es dann mit dem Rad umzusetzen… (kennt wohl jeder, der schon mal eine Radreise geplant hat)

 

 

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