Peakbreak 2012 – 5. Etappe

Heute steht der Glockner im Weg auf der Route zum Ziel. Der einzige Peak des Peakbreak den ich schon kenne, und das sogar recht gut. Wir fahren von der Heiligenblut-Seite hoch. Mit der habe ich bis jetzt noch keine guten Erfahrungen gemacht. Jedesmal habe ich mich sehr gequält. Ich hoffe zwar, dass das heute anders ist, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht so 100prozentig daran.

Das Hotel war etwas außerhalb diesmal, so dass ich die fünf Kilometerchen nutze um mich etwas einzufahren. Die Beine sagen gar nichts, kein Signal. Na besser als irgendwelche Zipperlein.

Der Start ist diesmal sehr früh, um 7 Uhr. Also genau meine Zeit, und dazu noch „mein“ Berg, das geht schon. Ca. 4 Km wird das Feld neutralisiert geführt, und dann freigegeben. Allerdings gibt es diesmal keine Chance für Attacke, denn es geht gleich in den Isselsberg, so dass die starken Bergfahrer schnell nach vorne kommen. Ich muss natürlich die Topfahrer ziehen lassen, halte mich aber noch ganz gut irgendwo im vorderen Mittelfeld.

Ich hatte schon öfters gehört, dass der Isselsberg etwas giftig zu fahren wäre, zunächst ist der aber ok. Auch stimmt die Leistung noch, so um die 300 Watt kann ich fahren, versuche aber eher bei 280, 290 Watt zu bleiben. Die Steigung ist so, dass ich noch mit Schalten und Trittfrequenz gut dosieren kann.

Eigentlich geht es sogar sehr gut. Immerhin ist heute der 5. Tag des Peakbreak und gestern habe ich anfangs ordentlich attackiert, am Berg ganz gut getreten und dann mit Manfred und Andrej eine super Gruppe gehabt, die allerdings auch Kraft gekostet hat.

Der Isselsberg lässt sich von dieser Seite super fahren, zieht zwar oben etwas an, aber wird nie sehr steil oder gar giftig. So ist das Plateau recht schnell erreicht, und ich schaffe es sogar an eine kleine Gruppe ranzufahren in der mindestens ein Fahrer fährt, der am Berg bis jetzt deutlich stärker war. Überzogen habe ich aber nicht.

Dann geht es nach dem Plateau in die Abfahrt, und nachdem ich anfangs dranbleiben kann, verliere ich in einer Kurve 20 Meter, und in einer weiteren nochmal, und zwar genau in der letzten bevor es wieder flacher wird. Verdammter Mist! Ich versuche nochmal ranzukommen, aber keine Chance, die sind weg. So radel ich allein in Richtung Heiligenblut.

Ich schaue mich um, aber da ist niemand auf den ich warten könnte. Also muss ich alleine im Wind fahren. Die Frage ist gebe ich richtig Feuer oder fahre ich verhalten und warte bis mich jemand von hinten einholt. Ich entscheide mich für die Mitte und fahre recht schwankend, je nach Gelände zwischen 230 und 320 Watt. Vorne die sind nicht zu sehen, hinten ist auch niemand.

Aber kommt da nicht schon die Kirche von Heiligenblut in Sicht? Hm, nee das war ein anderer Ort. Oje das zieht sich ja wie Kaugummi, ich hätte mir doch mal das Roadbook anschauen sollen, das sind noch einige Kilometer bis Heiligenblut.

Bei Kilometer 23 ungefähr kommt eine große Gruppe von hinten angerauscht und schnupft mich auf. Ich hänge mich dran, muss aber ganz schön reintreten um überhaupt dranzubleiben. Was ist das denn? Die hauen ja rein.

Besser als alleine im Wind ist es allemal, aber die Gruppe fährt sehr nervös. Kommt jemand an die Führung tritt der rein was geht, und oft muss ich 350 bis 400 Watt treten um dann nicht abreißen zu lassen. Total sinnlos, wir fahren uns vorm Glockner richt schön kaputt. Also zumindest ich fahre mich so vorm Glockner kaputt. Auch in die Steigungen wird richtig reingewatzt. Aber ich bleibe in der Gruppe so lange es geht, und wenn die Steigungen etwas länger sind kann ich ganz gut mithalten.
So ochsen wir uns nach Heiligenblut. Zwischendurch ärgere ich mich etwas über die Kraftverschwendung, aber letztlich funktioniert es ja irgendwie, und ich bleibe in der Gruppe bis zum Fuße des Anstiegs hinauf zum Hochtor.

Dann sprengt sowieso alles auseinander. Denn es geht gleich steil berghoch. Ich habe noch in Erinnerung, dass es bis zur Mautstation steil hoch geht, dann abflacht, und nach dem Kreisel der elende Schlussanstieg kommt.

Die Temperatur passt, die Beine sind ok, aber zu dosieren gibt es hier nichts. Ich fahre so 280 Watt mit niedriger Trittfrequenz und versuche mich dabei wohl zu fühlen. Klappt nur so mittel. Die Glocknerstraße bleibt unnachgiebig, und immer wieder tauchen Bilder meiner letzten beiden Befahrungen dieser Seite auf, die zwar schon etwas her sind, mir aber als Quälerei in Erinnerung geblieben sind.

Der Anstieg zieht sich, und bis zur Mautstation sind es noch ein paar Kilometer. Noch gehen die Beine ganz gut, aber es gibt kaum Entlastung, meist steigt die Straße mit zehn, elf oder zwölf Prozent. Zwei Radler sind um mich herum, von denen kann ich mich etwas absetzen, einer vor mir bleibt immer ungefähr gleich weit weg.

So kämpfen wir uns den Berg hinauf. Ich habe keine Ahnung wie ich die restlichen Kilometer nach dem Glockner schaffen soll, eine starke Gruppe wie gestern und ich fahre mich kaputt, alleine fahre ich mich kaputt oder komme gerade so vor der Karenzzeit an. Meine Beine funktionieren zwar noch, aber der Kopf mag diesen Anstieg nicht und ist voll dunkler Gedanken.

Dann kündigt sich endlich irgendwann die Mautstation an, danach wird es ja hoffentlich erst mal flach. Allerdings erscheint mir das jetzt doch recht früh im Anstieg. Anyway, es gibt eine Verpflegungsstation, wo ich meine zwei leer genuckelten Flaschen abwerfe und eine neue mit Iso gereicht bekomme. Eine dritte Flasche habe ich noch im Trikot, die ist noch halbvoll.

Zu meiner Enttäuschung geht es erst mal weiter berghoch. Und zwar ganz schön lange. Stimmt, flach wird es erst an einem Wirtshaus weiter oben. Bis dahin will ich auf jedenfall noch ordentlich fahren, und so halte ich meine Leistung bei 280, 290 Watt. Trotzdem geht es nicht recht vorwärts. Aber irgendwann geht jede Steigung zu Ende, und diese auch, und ja jetzt erinnere ich mich wieder, es geht jetzt sogar bergrunter.

Zwar verliert man in der Abfahrt Höhenmeter, die man wieder erklettern muss, aber diese Entspannung kommt mir gerade recht. Ich trinke etwas und quetsche noch ein Gel rein. Ich habe noch zu ein paar weiteren Fahrern aufgeschlossen.

Dann kommt der Kreisel mit dem Abzweig zur Kaiser-Franz-Josef’s-Höhe. Wir fahren aber natürlich in Richtung Hochtor. Und da kommt erst mal eine lange steile Rampe. Obwohl die Glockner Hochalpenstraße angeblich nur bis 12% steil ist, zeigt mein Garmin an dieser Stelle immer 14% an. Und mein Gefühl, dass schon ganz gut geschult ist, stimmt eher dem Garmin zu als der offiziellen Version.

In der Rampe kann ich die anderen Fahrer sehen die vor mir sind, denn nach einer Spitzkehre fahren die mir jetzt „einen Stock höher“ entgegen. Nachdem ich die Spitzkehre und damit zum Glück auch die Rampe hinter mir habe, kann ich wiederum die Fahrer hinter mir sehen, die gerade in diesen letzten Teil des Anstiegs fahren.

Ab hier gibt es ja einige Kehren, und da steht auch immer die aktuelle Höhe angeschrieben. Eher demotivierend in diesem Moment, denn es sind noch über 500 Höhenmeter. Das fiese an dieser Steigung ist, dass sie einfach nicht nachgibt, und dass sie halt auch recht lang ist. Mittlerweile fühle ich mich wirklich elend. Die Beine treten zwar noch oft 260 oder 270 Watt, manchmal aber auch nur 230 Watt. Das Isogetränk ist brutal gemischt, beim ersten Schluck falle ich fast vom Fahrrad, beim zweiten wird mir kurz schlecht. Ich trinke Wasser hinterher, dann geht’s.

Obwohl ich das mit dem Iso Getränk wegstecke könnte ich kotzen, einfach vor Anstrengung. Jetzt ist es Quälerei. Ich habe zwar keinen Einbruch wie am Lukmanier beim Alpenbrevet letztes Jahr, aber es fühlt sich nur noch elend an. Die Beine treten brav, aber ich will jetzt lieber nicht radfahren, schon gar nicht berghoch. Ab und zu fahre ich an der Kamera vorbei, dann versuche ich nochmal einigermaßen gut auszusehen, aber das gelingt nicht wirklich.

Ich brülle dem Berg entgegen, was für ein elender Drecksberg er doch sei, aber die Reaktion bleibt aus. Die Steigung immer schön im zweistelligen Prozentbereich, noch immer gefühlte tausend Kehren zu fahren, argh! Ich beschließe mein Blog umzubenennen in „steilbergabmitRückenwind.com“ oder so ähnlich.

Aber wie sagte schon der österreichische Radphilosoph Franz Venier: „jeder Tritt, jede Kurbelumdrehung bringt dich näher ans Ziel“. Dabei arbeiten die Beine eigentlich noch ganz gut. Zwar höre ich von den anderen keine solchen emotionalen Ausbrüche, aber überholen tut mich auch keiner. Im Gegenteil ich schließe sogar noch auf einen Fahrer aus der Vierergruppe, die ich nicht mehr erreicht habe, auf.

Dann kann man erstmals das Hochtor sehen. Zum Glück kenne ich die Strecke, sonst wäre ich erschrocken über die Wand die sich dort scheinbar entgegenstellt. Aber auch so ist es noch beeindruckend genug. Noch etliche Serpentinen sind zu fahren, noch über 250 Höhenmeter.

Es ist Quälerei, aber ich kann nicht sagen das die Beine ihren Job nicht machen. So schraube ich mich brav weiter nach oben, auch wenn ich mich irgendwie schlecht dabei fühle. Und dann sind es nur noch zwei Serpentinen, und schließlich geht es die letzte Rampe hoch. Mit letzter Kraft arbeite ich mich nach oben, das Miststück von Berg gibt auch auf den letzten Metern nicht nach. Aber letztlich bin ich im Tunnel, im Hochtor. Endlich. Zwischenabfahrt. Die kenne ich sehr gut. Hier werde ich nicht soviel verlieren wie auf mancher Abfahrt zuvor.

Ich kenne sogar die Stelle kurz vorm Mittertörl, wo der Wind meist heftig vom Berg herunter quer zur Fahrbahn weht. Auch diesmal, aber wenn man vorbereitet ist, dann geht’s, trotz Hochprofilfelgen.

An der Fuscher Lacke vorbei in den Gegenanstieg, noch diesen Gegenanstieg, dann ist erst mal der Gipfel der heutigen Etappe erreicht. In der Abfahrt erhole ich mich einigermaßen, die Beine treten im Gegenanstieg nach kurzer Anlaufschwierigkeit durch die heftige Abkühlung wieder 270, 280 Watt.

Und auch wenn es sich erst etwas zäh fährt, ist doch die Stelle kurz vor der Kehre zum Parkplatz, durch den Fels hindurch, schnell erreicht. Puh, das war hart.

An der Verpflegungsstation esse ich Obst und Kuchen, tausche die Flaschen und ziehe meine Regenjacke an. Bis jetzt hat das Wetter super gehalten, aber hier oben ist es sehr kühl, und die Abfahrt bis Bruck ist lang.

Diese Abfahrt kenne ich ja sehr gut, und so bin ich auch hier nicht so langsam wie z.B. am Staller Sattel. Oben ist es schon recht frisch, und meine immer noch lädierten Hände kriegen es wieder ordentlich ab. Rechts sind drei Finger taub, ich glaube ich muss nochmal mit dem Lenker experimentieren, so ist das Mist.

Zunächst habe ich das Gefühl, sobald ich über 60 km/h fahre kommt im Kopf die Sperre und ich bremse etwas ab. Wohl doch noch ein paar Nachwirkungen vom Sturz am Pico Veleta. Aber dann schließen zwei, drei weitere Fahrer zu mir auf, einer überholt sogar, aber ich bleibe dann doch dran. So komme ich heute wenigsten auf knapp 79 km/h in der Spitze, wobei es natürlich auch noch schneller gehen sollte.

Anyway, zu meinem Erstaunen schaffe ich es dranzubleiben, so dass sich unten in Richtung Fusch, wo es deutlich flacher wird eine größere Gruppe bildet, mit einem Fahrer der wartet und weiteren die noch aufschließen.

Eine große Gruppe ist natürlich super, denn so kann man das Tempo hochhalten und hat doch genügend Möglichkeit wieder im Windschatten zu regenerieren. Aber schnell stellt sich heraus, dass es in dieser Gruppe zunächst genauso nervös zugeht, wie in der Gruppe vor Heiligenblut. Noch dazu hauen die unheimlich rein, so dass ich selbst im Windschatten kämpfen muss um dranzubleiben. Und jedesmal wenn die Führung wechselt, muss ich über 400 Watt treten um dranzubleiben, wenn ich selbst führe versuche ich das Tempo zu halten und nicht über 350 Watt zu treten.

Nach Bruck ist die Strecke etwas verwinkelt, führt über einen Fahrradweg, über Bahnschranken, immer wieder mit 90° Abbiegungen, so dass die Gruppe kaum in einen guten Rhythmus kommt. Nach den Kurven und Abbiegungen muss ich immer wieder volle Power geben, um dranzubleiben, ich glaube nicht, dass ich in dieser Gruppe bis ins Ziel überlebe.

Der Anstieg auf den Glockner hat mich doch ganz gut ausgesaugt, und jetzt diese Powergruppe, einige superstarke Fahrer, dazu die nervösen, unrhythmischen Wechsel, zwischendurch Verkehr, und leichte Anstiege in denen ich bis über 400 Watt treten muss, ich kämpfe ums Überleben.

Die Kilometer rauschen nicht so dahin wie gestern, aber irgendwann sind wir bei Kilometer 110. Und auch das mit dem verwinkelten Kurs hat bald ein Ende und wir fahren endlich wieder Straße, wenn auch mit viel Verkehr.

Aber ich kämpfe wirklich am Limit, je nachdem wer die Führung übernimmt, kostet mich das jedesmal viel Kraft. Wenn ich selbst führe gebe ich mittlerweile ca. 330 Watt, manchmal auch mehr. Dafür gebe ich dann lieber etwas früher ab. Ich bin aber nicht der einzige in der Gruppe, der hart kämpfen muss. Zwei, drei fahren aber sehr sehr stark.

30 Kilometer vor dem Ziel zweifle ich, ob ich dran bleiben kann, hoffe fast, dass wir eine langsame Gruppe überholen, der ich mich anschließen kann. Aber ich kämpfe doch weiter. Und auch die anderen scheinen das Ziel herbeizusehnen.

20 Kilometer vor dem Ziel beschließe ich keinesfalls aufzugeben und mit der Gruppe ins Ziel zu fahren, und dann kommt die Ansage noch 7 Kilometer. Mein Garmin zeigt zwar was anderes an, aber ich nehm’s mal hin. Und dann steht da plötzlich schon das Ortschild von Neukirchen.

Nochmal geht es rechts ab, und plötzlich werden die Jungs hektisch, denn noch einmal um die Ecke, dann kommt schon das Ziel. Fast gibt es noch einen Sturz in der Kurve, ich rolle locker aus, einige sprinten was das Zeug hält. Und dann ist auch diese Etappe überstanden.

Selten habe ich im Ziel lockerer ausgesehen, dabei war es für mich der wohl härteste Tag. Ich spüre mein rechtes Bein etwas, kein Schmerz, aber eine Andeutung von Ziehen, ich hoffe morgen komme ich auf’s Rad…

Ein Kommentar

  1. Na, das läuft doch prima und insbesondere mit Blick auf Deine Teilnahme beim Schweizer Radmarathon erst recht.