Peakbreak 2013 Etappe 3

Heute also das Zeitfahren zum Kronplatz. Da ich mich letztes Jahr dabei so gut gefühlt hatte, habe ich mich wirklich darauf gefreut. Auch wenn es sonst nicht meine Art ist mich auf 26% Steigungen oder gar geschotterte 20% Steigungen zu freuen.

Der Start ist diesmal etwas weniger glamourös als 2012. Anfangs werden die Starter sogar in zu kurzen Abständen auf die Strecke gelassen, so dass mit einer Pause die korrekten Startzeiten wieder hergestellt werden müssen.

Dadurch entsteht eine recht lange Lücke, so dass es für die im Gesamtklassement weiter vorne liegenden, aber eben später startenden schwieriger wird Fahrer einzuholen.

Anyway, 9:59 Uhr ist es soweit. 5, 4, 3, 2, 1 und los geht es. Großartig eingefahren habe ich mich nicht, war einfach keine Gelegenheit. Aber jetzt versuche ich gleich auf knapp über 300 Watt zu kommen und die zu halten.

Nachdem es kurz bergab geht, biege ich auf den ersten Streckenteil ein. Kaum, dass ich in Fahrt komme fährt mir im Kreisel ein Auto vor die Nase. Irritiert durch mein schnelles Ankommen hält der dann auch noch fast an. Ich brülle ihn an, „Mensch fahr verdammt!“.

Zu Anfang schon aus dem Rhythmus. In Reischach passiert nochmal fast das Gleiche, wieder muss ich komplett abbremsen. So ein Zeitfahren mit Verkehr ist ja nervig.

Dann geht es aber endlich auf diesen Privatweg, den wir letztes Jahr schon gefahren sind. Auch da können Autos, Fahrradfahrer oder Fußgänger auf der eher schlechten Fahrbahn rumtanzen, aber alles machbar.

Ich kenne die Strecke ja aus 2012, aber wenn dann in einer scharfen Bergabkurve etwas Sand oder Dreck und Steine liegen ist es doch überraschend. Ich gehe die ersten Kilometer aber vorsichtig an, stürzen mag ich nämlich nicht.

Die Beine fühlen sich diesmal aber eher schlecht an. Wie Pudding, und zwar besonders weicher Pudding. Oje, das wird heute nix mit angreifen.

Auch in diesem Zubringerstück zum eigentlichen Anstieg gab es doch einige heftige, steile Stücke. Aber zunächst ist alles noch im Rahmen. Allerdings taucht vor mir niemand auf. So richtig schnell kann ich also nicht sein, denn 2012 hatte ich hier schon einen oder zwei eingeholt. Immerhin kommt von hinten auch noch niemand.

Nachdem ich an der Stelle vorbei bin wo letztes Jahr der Gesamtdritte blöd gestürzt ist und sich das Schlüsselbein gebrochen hatte, denke ich, ich habe es schon fast geschafft, denn ich kann die Bundesstraße schon sehen, aber wir biegen nochmal rechts ab, und dann geht es in den Wald, und dort kommen auch die richtig steilen Stücke. Heftig, im kleinsten Gang im Wiegetritt kämpfe ich mich da hoch.

Dann geht es wieder abwärts, aber nach einem scharfen Rechtsknick, ich habe noch einen viel zu großen Gang drin, muss man plötzlich die Wand hochfahren. Ich stemme mich mit aller Gewalt in die Pedale, dabei schalte ich krachend unter voller Last runter. Ich hoffe nur, dass bei dieser Aktion die Kette nicht reißt, das wäre mal richtig dumm.

Noch hat mich keiner überholt, ich sehe aber auch keinen anderen Fahrer vor mir. Die Beine fühlen sich immer noch wie Pudding an, wenn auch nicht mehr wie weicher.

Endlich geht es dann auf die richtige Straße, hinauf in Richtung Furkelpasshöhe. Die ersten Serpentinen lassen nicht lange auf sich warten, und jetzt sehe ich einen Fahrer vor mir. Ein Ziel an dass ich mich ranarbeiten könnte.

Allerdings komme ich erst mal kaum näher. Nur laaangsaam, Meter für Meter knabbere ich an dem Vorsprung von ca. fünzig bis hundert Metern. Von hinten ist noch keiner zu sehen.

Die Straße steigt teils recht heftig an, immer wieder gibt es aber auch mal etwas flachere Passagen, da scheint der vor mir fahrende wieder etwas wegzuziehen.

Mittlerweile knallt die Sonne ganz gut, mir ist viel zu heiß. Egal, auf die Leistung achten, ich will ja schon über 300 Watt im Schnitt fahren. Allerdings muss ich an manchen Stellen sowieso im kleinsten Gang kämpfen, da das Mistding von Furkelpass in Abschnitten richtig steil ist.

Zwischendurch habe ich das Gefühl, die Leistungswerte sind zu hoch, es fühlt sich an als ob die Bremse zu wäre. Vorsichtshalber öffne ich hinten die Bremse, was aber nicht im geringsten zu irgendeiner Verbesserung führt. Offensichtlich ist es hier einfach so steil.

Jetzt komme ich dem vor mir fahrenden aber immer näher, ich kann sogar seine Rückennummer erkennen und kann dann in einer Kehre vorbeifahren. Kurz versucht er dranzubleiben, aber dann ist er weg. Dabei hatte ich sogar schon einen weiteren Fahrer vor uns gesehen und bin jetzt wieder so ca. 50, 60 Meter hinter diesem.

Auch hier ist es ein zäher Kampf, und seltsamer Weise hole ich auch diesen Fahrer wieder in einem steilen Abschnitt. Mir ist viel zu heiß, aber immerhin, durch das konstante Treten mit recht hoher Leistung fühlen sich die Beine jetzt nicht mehr so schlecht an. Von Freude auf den Kronplatzanstieg kann jetzt aber keine Rede mehr sein…

Noch immer kommt von hinten keiner. Gut so. Ich überlege ob meine Flasche noch reicht, denn ich musste doch schon recht viel trinken. Da stehen an einer Kurve wieder die beiden Damen, die uns schon am Falzarego angefeuert haben, und diesmal reichen sie sogar Wasserbecher. Das kommt aber sowas von genau richtig. Vielen Dank dafür, ihr seid echt super!

Als ich die Kehre hinter mir gelassen habe, höre ich, dass die beiden wieder anfeuern, also scheint wohl von hinten jetzt ein schneller zu kommen. Jetzt sind es nur noch wenige hundert Meter bis zur Aidstation.

Und da ist sie auch schon. Ich nehme eine Flasche Wasser, die andere ist mittlerweile leer. Nach der Aidstation geht es wenige hundert Meter steil bergab, dann nach rechts und gleich wieder scharf rechts, ich verpasse die zweite Rechts fast, muss das ganze Tempo rausnehmen und habe wieder das Problem mit dem viel zu großen Gang.

Wieder krachend unter Last schalten, und dann wird es auch gleich noch steiler, flacht dann einen Hauch ab, und ich denke mir eine gute Stelle um das Gel zu nehmen, dann wird es aber gleich wieder steil, und zwar richtig.

So muss ich mit dem Gel in der Hand den Lenker packen, und zerquetsche die Tube dabei fast. An dieser Stelle überholt mich dann auch der nach mir gestartete.

Mir gerade egal, ich kämpfe mich diese erste Rampe hoch und quetsche mir dann das Gel rein, kann es aber nicht in die Trikottasche stecken. Keine Chance, so lasse ich es einfach fallen. Ist mir total peinlich, mache ich normalerweise nie, sonder habe immer eine Trikotasche wo ich alles reinstopfe, egal wie verklebt es dann alles ist, aber hier gings nicht anders, sorry.

Jetzt bin ich erst mal mit der Straße beschäftigt. Ich bin jetzt im Abschnitt mit der Naturstraße, und die ist in deutlich schlechterem Zustand als letztes Jahr, wo sie extra für unsere Auffahrt nochmal gewalzt wurde.

Toms Optimismus über den Zustand konnte ich gestern beim Racebriefing schon nicht teilen, nach diesem Winter und ohne spezielle Behandlung vorher?!

Aber egal, eine fahrtechnische Herausforderung ist das auf jeden Fall. In den Kehren geht es nur darum auf dem Rad zu bleiben, der feine Schotter und Staub und Sand sind ja eher MTB Terrain. Der dünne Rennradreifen gräbt sich schnell ein, und durch die Steilheit ist es schwer Traktion zu finden. Oft driftet man mit dem Hinterrad durch die Kurve, muss dabei wirklich viel Kraft aufwenden und muss das Gewicht so auf dem Rad verteilen, dass das Hinterrad möglichst wenig durchdreht.

Auch in den weniger heiklen Passagen kann ich nicht so reintreten wie letztes Jahr. Erstens muss man ich von den schwierigen Kehren etwas erholen, zweitens sucht man aber auch in diesen Abschnitten die beste Spur.

Mittlerweile habe ich einige überholt, viele davon schieben auch in den Kehren. Es dauert lange, bis das ersehnte etwas flachere Stück kommt. Kurz vorher gilt es nochmal einen unangenehmen steilen Abschnitt zu überwinden.

Jetzt ist eine größere Gruppe von vor mir gestarteten Fahrern dicht vor mir, und ein weiterer Fahrer überholt mich von hinten. Auf dem flachen Stück versuche ich jetzt doch etwas Druck zu machen, und zumindest das Tempo des Überholers zu gehen. Klappt auch im Prinzip. Auch die Fußgänger behindern nicht beim Überholen, und eine halbwegs passende Linie findet sich auch.

Jetzt kommen noch drei heftige „Stufen“. Letztes Jahr musste ich in der zweiten unglücklich vom Rad, da hätte ich es drin gehabt durchzufahren. Vielleicht klappt es diesmal, aber die Strecke ist ja deutlich schlechter.

Zunächst kommt aber erst mal das wohl steilste Stück der ganzen Straße hoch zum Kronplatz. Zwar geteert, aber ultrasteil (26%). Im kleinsten Gang im Wiegetritt stemme ich mich da hoch, mit fahren hat das nix mehr zu tun. Nur auf dem Rad bleiben ist mein Ziel. Wenn jetzt bitte, bitte die Kette nicht reißt.

Und dann ist es geschafft, die Straße flacht wieder etwas ab. Nun kann ich das Restaurant oben schon sehen, und einige schiebende und einen fahrenden Radfahrer. Und ich kann auf die zweite megasteile Rampe schauen, die ist allerdings hauptsächlich geschottert.

Da sehe ich Björn im unteren Teil der Rampe sein Rad schieben. Ich fahre an ihm vorbei, er feuert mich an, doch dann kommt für ca. 2 Meter tiefer Schotter. Keine Chance, obwohl ich mit, im Verhältnis, ordentlichem Tempo da reinfahre und alles probiere drifte ich immer mehr in Richtung Wiese, ich muss ausklicken. Verdammt.

Hier ist es jetzt viel zu steil um wieder auf’s Rad zu kommen. Nach dem tiefen Schotterfeld versuche ich es nochmal, Björn versucht mich anzuschieben und feuert mich an, aber keine Chance. Wir schieben beide diese Stufe hoch, bis es wieder etwas abflacht und wir wieder auf die Räder kommen.

Noch eine letzte, steile ebenfalls geschotterte Stufe. Ich lege meine ganze überschüssige Kraft jetzt auf die Pedale, lasse Björn erst mal ein paar Meter zurück, dann macht die Schotterstraße noch im Steilen eine Rechtskurve, ich entscheide mich außen zu fahren, das hat unten gut geklappt, hier ist es aber der falsche Weg, ich komme in tiefen Schotter, kann nicht mehr steuern und lande wieder in der Wiese, muss wieder ausklicken. Björn wählt die Innenbahn und bleibt auf dem Rad, fährt an mir vorbei. Ich muss ein paar Meter schieben bis ich nach der Kurve wieder auf das Rad komme, noch gut 100 Meter bis zum Ziel.

Jetzt, wieder auf dem Rad, trete ich meinen ganzen Ärger darüber, dass ich nicht durchfahren konnte, in die Kurbeln und ziehe in hohem Tempo durch, habe Björn noch deutlich vor der Ziellinie erreicht, bremse dann aber etwas ab und wir fahren gleichzeitig über die Ziellinie.

Bei Zeitfahren eigentlich eine sinnlose Aktion, aber das musste einfach sein, wir haben uns die letzten zwei Stufen irgendwie gemeinsam da hochgekämpft, da gehört einfach ein solches Zielfoto dazu.

Also nicht geschafft durchzufahren, gefühlt etwas zu langsam gewesen, und nicht so richtig die 100% abrufen können auf Grund der Strecke, aber trotzdem geil!

Jetzt heißt es erst mal die herrliche Aussicht genießen. Pastaparty gibt es auch gleich oben, so dass wir eine Weile oben verbringen bis wir mit der Gondel wieder runterfahren nach Bruneck.

Einige Fahrer hat es heftig mit Defekten erwischt, unter anderem Andrej, der wohl sogar seine Felge beschädigt hat. Und ein Fahrer hat zwei Kettendefekte zu beklagen, so dass er die letzten Kilometer läuft und über anderthalb Stunden nach dem Vorletzten im Ziel eintrifft. Das ist Kampfgeist.

Ich hatte eindeutig das Gefühl noch zu fit zu sein im Ziel, da es auf Grund der Straße nicht möglich war alles zu geben, man war viel zu sehr mit Fahrtechnik beschäftigt. Das Wattmeter bestätigt das Gefühl, knapp unter 300 Watt ist eigentlich für so ein kurzes Zeitfahren etwas zu wenig, aber diese gesparten Körner kann ich morgen sicher sinnvoll investieren…

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