Pico Veleta Standardstrecke (lange Streckenführung)

Nachdem ich gestern mit der ungeklärten Alternative heute einen Regenerationstag zu machen oder den ersten Aufstieg zum Pico Veleta zu machen eingeschlafen bin, wache ich heute um halb sieben mit Halsschmerzen und verstopfter Nase auf. Jetzt hat mich die Erkältung endgültig richtig erwischt.

Nun gibt es wieder die gleichen zwei Möglichkeiten, entweder versuchen mich etwas auszukurieren, um dann vielleicht morgen mit weniger Beschwerden zu starten. Oder heute lieber schon mal hoch fahren, bevor es noch schlimmer wird und ich vielleicht gar nicht auf den Berg komme und die 2500 Kilometer umsonst gefahren bin.

Ein kurzer Blick auf das Pulsoximeter zeigt 49 94. Ruhepuls geht noch so, die SPO2 ist etwas niedrig, allerdings habe ich ja zwei jetzt zwei Nächte auf über 1100 Metern und eine auf ca. 700 Metern verbracht, da ist das nicht so ungewöhnlich.

Also entscheide ich mich für die zweite Variante und nach einem üppigen Frühstück sitze ich um halb neun auf dem Rad.

Da ich im gleichen Hotel wohne wie letztes Jahr gibt es dieses mal keine Probleme die Strecke zu finden. Ich entscheide mich für die Standardstrecke, beginnend ab dem Kreisel in Granada über die Ctra. de Sierra Nevada nach Pinos Genil, zunächst über die A-4026, dann über die A-395. Oben kann man noch wählen durch das Ski-Resort zu fahren oder auf der A-395 zu bleiben und die weit ausholende Schleife zu fahren. Das werde ich dann spontan entscheiden.

Das Wetter ist besser als die Vorhersagen, die paar Wolken sind ganz weit oben, sonst ist der Himmel blau. Besonders warm ist es allerdings noch nicht, so um die 13° C. Die Strecke fühlt sich sehr vertraut an. Es ist allerdings etwas verkehrsreicher als letztes Jahr.

Trotz allem fahre ich zunächst so als würde ich die Dreistundenmarke angreifen. Allerdings merke ich schon, dass es mir schwer fällt die gewünschte Leistung zu treten, die Gedanken an die blöde Erkältung verfliegen nicht schon nach dem ersten Kilometer wie vorgestern am Col de la Bonette, sondern jetzt scheint sie etwas tiefer zu sitzen und auch meine Beine zu beeinflussen.

Ich fahre so 300 Watt. Das werde ich kaum über drei Stunden halten können, aber jetzt ist es ja noch recht flach, und außer dem Verkehr und der ein oder anderen Ampel hält mich nichts ab mir schon mal etwas „Vorsprung“ rauszuarbeiten.

Hindurch durch Cenes de la Vega erreiche ich Pinos Genil und dort am Ortsausgang geht es endlich richtig bergauf. Eigentlich habe ich auf diesen Moment ein Jahr gewartet und mich sehr darauf gefreut, jetzt aber bin ich recht beschäftigt die unwilligen Signale meines Körpers zu lesen. Keine Spur von der Euphorie bei meiner ersten Auffahrt letztes Jahr.

Trotzdem nehme ich natürlich die Schönheit der Landschaft war. Auch die Beine funktionieren einigermaßen. Allerdings ist es auch hier schon durchaus anstrengend. Da man recht schnell an Höhe gewinnt bieten sich bald die ersten schönen Ausblicke. Aber bis zur 1000 Höhenmeter Marke zieht es sich doch mehr als gedacht.

Aber dann ist auch diese erreicht und schon bald darauf mündet die alte A-4026 in die neue A-395. Ab jetzt gibt es erst mal keine Serpentinen sondern sanfte Kurven auf einer gut ausgebauten, berghoch zweispurig geführten Straße, die einer großen Bundesstraße wie der B-49 mehr ähnelt als einer Passstraße in den Alpen.

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, die Temperatur liegt immer noch bei ca. 13° C, optimale Bedingungen für den Aufstieg. Auch die Beine treten brav ihre 300 Watt, nur der Kopf glüht, vielleicht doch leichtes Fieber. Egal, wenn es mir schlechter geht kann ich immer noch umdrehen und mich den Berg runterrollen lassen bis zum Hotel.

Dann sehe ich einen Mountainbiker vor mir, braun gebrannt, der gar nicht schlecht in die Pedale haut. Schöne Ablenkung. Als ich vorbeifahre grüßen wir uns, und der Eindruck täuschte wohl, der ist ganz schön am Kämpfen.

Auch hier auf der A-395 ist etwas mehr Verkehr als letztes Jahr, allerdings immer noch recht wenig, so dass das überhaupt kein Problem darstellt. Vielmehr mache ich mir etwas Gedanken um die Beine, die Steigung ist zwar recht moderat zwischen 6% und 8% aber auch wenn ich die 300 Watt noch trete fühlt sich das doch schon sehr anstrengend an.

Die Strecke ist ja noch sehr, sehr lange. Insgesamt um die 50 Kilometer, mittlerweile habe ich gerade mal gut 15 Kilometer geschafft. Schön ist, dass die Kilometerangaben auf den A-395 Schildern bis auf 400m genau auf die Strecke ab dem Kreisel in Granada passen. D.h. wenn da eine 16 steht, dann habe ich 15,6 Kilometer gefahren. Sehr praktisch.

So fahre ich weiter die mir gut bekannte, schöne Strecke, ab und zu mal ein Blick über die Landschaft, als vor mir ein anderer Rennradfahrer auftaucht. Ich arbeite mich zwar heran, trete dabei immer meine 300 Watt laut Anzeige SRM, aber der Abstand verringert sich nur ganz langsam.

Zwischendurch passieren wir den Abzweig nach Monachil, zu der Strecke also, die dafür verantwortlich ist, dass ich überhaupt dieses Jahr schon wieder hier bin.

Dann komme ich aber immer näher, bis es in eine kleine Zwischenabfahrt geht, auch dort hält der andere Rennradler seinen Tritt bei, ich fahre brav meine 300 Watt, obwohl es mir hier schwer fällt. Nein heute bin ich nicht so richtig in Form. Auch wenn ich noch die Leistung bringe, so fühlt es sich einfach sehr anstrengend an.

Im folgenden Anstieg hole ich ihn aber ein. Kurz vorher macht er mich noch auf einen Steinbock aufmerksam, der über uns gerade im Gras verschwindet. Beeindruckendes Tierchen.

Als ich überhole grüßen wir uns, aber leider kommt kein Gespräch zu Stande. Ich spreche kein Spanisch, er kein Englisch. Schade. Der Typ ist so Mitte, Ende Zwanzig, deutlich leichter als ich und hat ein deutlich kleineres Fahrrad. Mit anderen Worten er muss deutlich weniger Leistung treten für die gleiche Geschwindigkeit. Das könnte noch mal interessant werden. Der scheint schon was drauf zu haben, und es kann gut sein, dass ich hier gerade etwas überziehe, dann wird er mich vielleicht später wieder einholen. Mal schauen.

Und so dauert es ebenso recht lange bis ich mich etwas von ihm absetze. Langsam nur erarbeite ich mir einen größer werdenden Vorsprung. Eine schöne Ablenkung und Motivation um auch in der nächsten kleinen Zwischenabfahrt die Leistung zu halten.

Mittlerweile sind 22 Kilometer geschafft, also noch nicht mal die Hälfte, aber die Strecke ist gut zu fahren und zwischendurch scheine ich die Erkältung etwas abzuschütteln, so dass es jetzt ganz gut geht, der andere Rennradler ist nicht mehr zu sehen. Auch beim 24 Kilometer Schild fühle ich mich noch wohl, bin aber immer wieder erstaunt wie lange alleine dieser Abschnitt der Strecke ist. Ich befinde mich mittlerweile auf  1750 Metern Höhe.

Neben dem Blick nach vorne schaue ich natürlich immer mal wieder nach rechts über diese herrliche Landschaft. Die Bilder die sich bieten sind wirklich spektakulär, auch wenn ich sie nicht so aufnehmen kann wie letztes Jahr und auch die Euphorie noch immer ausbleibt.

Dann nach einer charakteristischen Linkskurve der erste Blick auf den Pico Veleta! Mit seinem dunklen Fels hebt er sich vom strahlend blauen Himmel ab. Schon ein besonderer Moment für mich.

Noch sind keine 30 Kilometer bewältigt, aber bis zum Ski-Resort werde ich diesen Blick jetzt immer wieder haben, und momentan funktionieren meine Beine eigentlich ganz gut. Ich habe nur etwas Schwierigkeiten mit der Kamera. Das Objektiv ist ständig beschlagen, obwohl ich die Kamera genauso transportiere wie am Col de la Bonette. Vielleicht liegt es an der Luft hier? Keine Ahnung, ich kann mich nur erinnern, dass das letztes Jahr genauso problematisch war.

Obwohl ich sehr ausgiebig gefrühstückt habe sollte ich natürlich trotzdem ordentlich Riegel und Gel zu mir nehmen, damit ich die 300 Watt halten kann, bis jetzt habe ich aber nur ein Gel und einen halben Riegel geschafft. Kurz vor dem Abzweig zum Ski-Resort zwänge ich aber noch ein weiteres Isostar Gel rein. (Da zehre ich immer noch von dem Sponsoring beim Peakbreak, da gab es die kiloweise).

Am Abzweig zum Ski-Resort entscheide ich mich dafür auf der A-395 zu bleiben. Die Standardstrecke führt eigentlich durch das Resort, und ist gut zwei Kilometer kürzer, dafür etwas steiler. Ich glaube zwar nicht wirklich, dass ich die Dreistundenmarke heute knacken kann, aber denke mir auf dem flachen Stück A-395 kann ich in meinem Zustand eher Tempo aufnehmen und meine Leistung über die Trittfrequenz steuern, als mit mehr Kraft die steilere aber kürzere Variante durch das Resort zu fahren.

Mittlerweile ist etwas Wind aufgekommen und nachdem ich auf das Resort zu etwas Gegenwind hatte, habe ich jetzt erst mal bei moderater Steigung um 3% leichten Rückenwind.

Nach gut 31 Kilometern steht die Uhr bei 1:48 h allerdings habe ich ja noch über 1000 Höhenmeter vor mir, das wird also wie erwartet eher knapp. Die Strecke zieht sich länger vom Pico Veleta wieder weg in Richtung Granada als ich gedacht habe, dafür ist sie zwischendurch fast eben, so dass ich über 30 km/h fahren kann.

Dann kommt endlich die lang gezogene große Serpentine mit dem fantastischen Ausblick nach links, auf bisher nicht sichtbare Landschaft. Allerdings bläst mir sofort recht heftiger Gegenwind entgegen. Ich passiere jetzt das Schild, das 2000 Meter Höhe anzeigt. Mir ist somit klar, dass ich keine Chance habe die Dreistundenmarke zu knacken. Der Wind der mir hier und natürlich dann auch weiter oben entgegenbläst ist zu stark, und vor allem bin ich heute zu schwach, jetzt sinkt die Leistung immer mal wieder in Richtung 260 Watt. Und ich fühle mich auch nicht gut. Trotzdem nehme ich die schöne Landschaft noch ein bisschen wahr.

Fast 36 Kilometer sind absolviert und der Pico Veleta zeigt sich immer noch vor strahlend blauem Himmel. Allerdings weiß ich natürlich, dass gegen Mittag hier gerne mal Wolken aufziehen und wenn die zu tief sind steht man oben und sieht praktisch nichts. Und noch habe ich deutlich über eine Stunde zu fahren, auf eine tolle Rundumsicht am Gipfel vertraue ich also noch nicht.

Es ist schon erstaunlich wie lange sich auch dieser Abschnitt noch zieht. Immer wieder eine neue Kurve und lange Strecke bis zur nächsten. Der Wind stellt sich mir heftig entgegen und ich nehme noch ein Gel, diesmal ein Sponser Gel mit Salz.

Während die Isostar Gels eher von fester Konsistenz sind, so dass man meist nur die Hälfte überhaupt aus der Tube herausbekommt, sind die Sponsergels eher wie dünnflüssiger Honig. So lässt es sich nicht vermeiden, dass die Handschuhe und Finger kleben. Und nach dem nächsten Foto auch der Fotoapparat. Der Lenker sowieso. Dieses Gel mit Salz scheint extra klebrig zu sein, es wirkt fast wie Sekundenkleber, so dass ab jetzt jedes Foto und jedes Umgreifen am Lenker nervt.

Dann aber endlich geht es vorbei an den „Apres-Ski“ Buden auf dem großen Parkplatz „Hoya de la Mora“. Und zwei der Buden haben auch geöffnet, so dass ich hier nachher einen Cafe con leche genießen kann.

Jetzt geht es aber erst mal auf den Schlußabschnitt, der sich ja noch über zehn Kilometer auf elend schlechtem Asphalt zieht.

Während auf dem letzten Abschnitt die Leistung schon etwas gesunken war, schwankt sie jetzt zwangsläufig recht stark. Der Belag ist über den Winter nicht besser geworden, im Gegenteil. Die aufgebrochenen Asphaltbereiche sind noch größer geworden, in manchen Kehren ist es eher grob geschottert als asphaltiert, was mit dem Rennrad ziemlich ätzend zu fahren ist. Aber noch kämpfe ich ganz brauchbar.

Dann scheint sich aber der Akku zu leeren, ich fühle mich etwas elend, die Halsschmerzen werden mir bewusst, mein Kopf glüht, die Beine fühlen sich etwas schlapp an. 250 Watt mehr geht im Moment nicht.

Der Belag bleibt schlecht, aber immerhin gibt es jetzt erst mal keine großen Aufbrüche und Schlaglöcher. Nachdem man die alte verlassene Sternwarte passiert hat schlängelt sich die Straße in dicht aufeinanderfolgenden Serpentinen in Richtung Pico Veleta.

Zum Glück ist die Steigung mit 6 bis 8 Prozent moderat. Denn jetzt muss ich gegen meinen Kopf ankämpfen, der irgendwas von „einfach mal kurz stehen bleiben, Pause machen, etwas erholen“ faselt. Es sind gar nicht die etwas schlappen Beine, sondern eher so ein allgemeines Schwächegefühl.

Ich schalte auf das 32er Ritzel und mache bei 230 Watt „Pause“. Raffe mich dann aber auf und schalte wieder hoch, so dass ich wenigstens die 270 Watt schaffe. Die Leistung schwankt dann sowieso, da die Straße weiterhin schlecht bleibt und vor allem der Gegenwind sich an manchen Stellen heftig entgegenstellt.

Von Dreistundenmarke ist keine Rede mehr. Ich hoffe einfach nur noch überhaupt durchzukommen.

Das man in dieser Höhe mittlerweile unglaubliche Ausblicke auf die umgebende Landschaft hat nehme ich trotz alledem wahr. Ich mache sogar Fotos, soweit funktioniere ich noch.

Dann geht es nach einer langen Gegenwindpassage aus dem mit gelblichen Gräsern bewachsenen Teil in den steinigen Abschnitt, der mich letztes Jahr an eine Mond- oder gar Marslandschaft erinnert hat.

Dieser Abschnitt wirkt auf mich diesmal zunächst nicht so beeindruckend, da ich zu sehr kämpfen muss. Der Gegenwind macht mich fertig, mir ist kalt, ich fühle mich schwach, kein Vergleich mit der Lockerheit mit der ich vorgestern am Col de la Bonette gefahren bin.

Aber dann nach einer weiteren Serpentine habe ich Rückenwind, rechts den dunklen Fels, es sieht aus als ob die Straße geradewegs in den Himmel führt, und links blickt man unendlich weit über die andalusische Landschaft. Das verfehlt seine Wirkung nicht, ich scheine meine Schwächephase zu überwinden. Sooo weit vom Ziel bin ich nicht mehr entfernt.

Immer wieder kann ich auf den Pico Veleta schauen, der jetzt schon recht nahe wirkt, aber noch etliche Höhenmeter entfernt ist. Dumm nur, dass ich genau dann auch heftigen kalten Gegenwind habe. Ich nutze mein Zwischenhoch um die Leistung wieder mehr in Richtung 300 Watt zu schrauben. Die brauche ich auch, damit ich gegen den Wind überhaupt vorwärts komme.

Es geht unter einem Sessellift hindurch, und ich erwarte eigentlich jetzt so langsam das Ziel, aber es zieht sich dahin, der Belag ist mittlerweile megaschlecht, der Wind stellt sich mir heftig entgegen, die Beine sind schlapp, mir ist kalt, ich bin genervt. Vor Wut brülle ich dem verdammten Wind irgendwas entgegen. Es interessiert ihn nicht die Bohne. Die Strecke zieht sich so lange wie der Jaufenpass beim Ötztaler Radmarathon. Hoffentlich halte ich durch.

Dann endlich der Blick auf die Schlussserpentinen. Auch dieser Abschnitt fühlt sich länger an, als ich ihn in Erinnerung habe, aber plötzlich hört der Wind auf zu blasen, und dann sehe ich auch schon das Ende der asphaltierten Strecke. Endlich. Ich stoppe hier die Zeit, fahre aber noch 150 Meter weiter bis zu den großen Felsbrocken, die ich schon letztes Jahr als Ziel für mich definiert habe.

Ab da kann man mit dem Rennrad nicht mehr sinnvoll fahren. Selbst vorher ist es schon grenzwertig.

Anyway, ich bin oben. Das war ein hartes Stück Arbeit. Die Zeit ist mit 3:10:31 h gar nicht mal so schlecht wie ich mich gefühlt habe. Aber unter drei Stunden ist für mich in dem Zustand nicht drin, selbst wenn ich durch das Ski-Resort fahre.

Ich ziehe die warmen Abfahrtsklamotten an, mache das erste Zielfoto und gehe dann zu Fuß die restlichen Höhenmeter bis zum Gipfel. Auch das zieht sich in den Radschuhen etwas,  aber schließlich bin ich oben. Und das bei klarem Himmel. Ein Traum! Und während mir auf dem Fußweg wieder heftiger kalter Wind entgegengeblasen hat, ist es hier oben am Gipfel komplett windstill. Faszinierend!

Auf dem Gipfel ist zunächst noch ein Pärchen, was gut passt, so können wir uns gegenseitig fotografieren. Dann bin ich ganz alleine.

Ich genieße das fantastische, atemberaubende Panorama, ruhe mich etwas aus, freue mich, dass ich jetzt nach einem Jahr wieder hier oben bin. Meine Genervtheit verschwindet. Ich bleibe so lange sitzen, bis mir trotz der Windstille zu kalt wird.

Dann mache ich mich auf den Abstieg, der in Radschuhen etwas heikel ist. Sofort bläst auch wieder heftiger kalter Wind entgegen. Aber insgesamt ist es viel wärmer als letztes Jahr.

Zurück an meinem Fahrrad angekommen geht es in den beschwerlichen ersten Teil der Abfahrt. Dadurch, dass der Streckenbelag sehr schlecht ist, an manchen Stellen eher geeignet für ein vollgefedertes Mountainbike, sind die ersten zehn Kilometer der Abfahrt eine harte Prüfung für Mensch und Material.

So fahre ich mit Geschwindigkeiten um 20 km/h, selten mal bis kapp über 30 km/h bergab. Primäres Ziel ist es einen Weg zu finden, der die Reifen und Laufräder nicht so malträtiert, gerade in den aufgebrochenen, grob geschotterten Stellen, und auch in den Abschnitten die mit großen Schlaglöchern übersät sind.

Die vielen fiesen Querfugen gehen eigentlich. Insgesamt schlägt sich das auf Komfort ausgelegte Specialized Roubaix SL3 ganz gut.

Aber irgendwann ist dann doch die Grenze erreicht, die Vibration am Lenker malträtiert die Hände, ich habe mühe mich zu konzentrieren, jetzt spüre ich das ich nicht fit bin, ich will eigentlich nur noch ins Bett und mich gesund schlafen.

Fotos mache ich keine mehr, nicht zuletzt da die Speicherkarte voll ist, und ich keine Lust habe das Löschen alter Bilder in dem fummeligen Menü der Kamera zu machen. (ja ja ich weiß, das sollte einem professionellen ITler eigentlich nicht passieren).

Und dann endlich ist es geschafft. Die Schranke ist erreicht. Jetzt kommt nur noch glatter schöner Asphalt. Aber erst mal gönne ich mir an den Buden auf dem Parkplatz Hoya de la Mora einen Hamburger und einen Cafe con leche. Schön in der Sonne sitzen, Blick auf den Pico Veleta, das befriedigende Gefühl es doch geschafft zu haben, obwohl ich etwas angeschlagen bin, kurzzeitig geht es mir sehr gut.

So mache ich eine Viertelstunde Pause und genieße dann den Rest der Abfahrt. Dieser Abschnitt gehört sicher zum allerschönsten was man mit dem Rennrad machen kann. Sanfte Kurven, unendlich viele Ausblicke die mit „grandios“ noch nicht wirklich ausreichend beschrieben sind, Gefälle um 6% manchmal etwas mehr, dazu angenehme Temperatur und Sonne. Einfach traumhaft. Da ich nicht fotografiere fahre ich durch, genieße die Szenerie aber in vollen Zügen.

An einer Stelle mit herrlichem Blick auf Güejar Sierra lege ich kurz die Abfahrtsklamotten ab, denn jetzt ist es richtig warm, fast 30° C, genieße etwas den Ausblick und fahre dann den Rest hinunter, genau die gleiche Strecke, die ich hochgefahren bin.

Auf dem flachen letzten Teil merke ich, dass jetzt aber genug ist, ich will nur noch ins Bett. Nochmal einmal schöpfe ich etwas Motivation aus zwei Rennradlern, auf die ich auffahre, und kann so sogar nochmal richtig Leistung abrufen, bin dann aber wirklich froh, als endlich das Hotel erreicht ist.

Duschen und dann erst mal anderthalb Stunden Siesta. Beim Einschlafen habe ich die Bilder und Eindrücke vom Gipfel im Kopf. Trotz allem ein toller Tag.

Morgen wird es wohl kaum was werden mit Radfahren, ich bin schon schlapp wenn ich nur die drei Stockwerke zu Fuß in mein Hotelzimmer laufe. Also Regenerationstag und gesund schlafen…

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