Prestartphase Oceanside – minus 4 Tage

Endlich mal eine bessere Nacht. Sieben Stunden geschlafen. Dann Frühstück fast wie zu Hause bei meinem Lieblingsbäcker, mit Vollkornbrot und Käse.

Heute fahre ich komplett zurück. Ich will am Dienstag beim härtesten Radrennen der Welt starten, und langsam muss ich mir das mal bewusst machen und meinen Körper darauf vorbereiten (der Kopf braucht nur die Stunde vor dem Start).

Während Oli sich mit den Autos beschäftigt und Einkäufe macht schreibe ich erst mal in Ruhe, dann lege ich mich wieder hin. Bin immer noch etwas müde. Das rechte Knie ist völlig ok, dem hat die Nacht zur Erholung gereicht, das linke will noch ein bisschen ruhen. Ich gebe ihm die Zeit.

So sitze ich erst mittags auf dem Rad. Diesmal nehme ich das Cannondale SuperSix Evo. Darauf sitze ich deutlich anders als auf dem SL4 Roubaix, aber auch sehr gut. Das ist eigentlich ziemlich praktisch, denn so kann ich mit einem Fahrradwechsel die Muskeln etwas unterschiedlich beanspruchen. Wobei das eher den Oberkörper betrifft, die Beine und Hüfte sind schon sehr ähnlich zu den Pedalen positioniert.

Wieder bläst der Wind ganz ordentlich vom Pazifik landeinwärts. Hoffentlich ist das am Dienstag genauso.

Ich fahre über den Coast Highway bis zur Auffahrt auf die 76 und dann auf den ersten Teil der RAAM Strecke. Der Verkehr ist ziemlich lebhaft, aber anfangs gibt es ja die sehr breite Bike Lane. Bis auf die Ab- und Auffahrten ist das also gut zu fahren. Allerdings auch eine Menge Ampeln.

So starte ich meine G2 Intervalle erst nach einer halben Stunde. Das linke Knie knackst diesmal nicht, fühlt sich noch nicht perfekt an, aber besser. Von der Power her ist es ok. Ich fühle mich jetzt nicht gerade als würde ich den Ötzi gewinnen können, aber prinzipiell ist die Form schon da und es ist ja nur lockeres Training, passt schon alles.

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Anfangs gibt es auf der 76 immer wieder Unterbrechungen durch Ampeln

 

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dann wird die Landschaft etwas hügeliger, die Straße aber bleibt breit mit einer guten Bike Lane

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die Hügel werden größer die Straße schmäler

Nachdem man aus Oceanside raus ist wird die 76 eine recht schmale Landstraße mir nur einer Spur pro Seite. Oft gibt es keinen Seitenstreifen, oder er ist gerade mal ein, zwei Reifenbreiten breit. Dazu kommt, dass die Fahrspuren hier in den USA, trotz der vielen großen und breiten Autos oft etwas schmäler sind als in Deutschland, d.h. es geht halt genau ein Auto drauf, und vielleicht gerade noch ein schmaler Radfahrer oder eben ein Truck ohne Radfahrer.

So lange der Seitenstreifen da ist, ist das ok, an den Stellen wo es keinen gibt, ist es von Vorteil für den Radfahrer, wenn sich nicht gerade zwei Trucks begegnen…

Aber die Fahrt macht Spaß, auch wenn es mir etwas zu kalt ist. Maximal 24° C zeigt der Radcomputer und dazu ein sehr frischer Wind. Jetzt mit Rückenwind geht das aber.

So fahre ich weiter landeinwärts, die Trucks machen es teils etwas spannend. Einmal überholt mich ein ziemlich langer Truck in einer Kurve ohne Seitenstreifen, wenn ich nicht auf den Milimeter genau an die Asphaltkante gefahren wäre und die Schulter eingezogen hätte, hätte er mich mit dem Ende des Anhängers berührt. Krass, ich muss mir kurz akustisch Luft machen.

Die Landschaft ist aber schon interessant. Neben der Straße werden Avocados angebaut, die schmecken sehr lecker wenn man sie mit Sushi Lachs in Reis einrollt. Vor allem sind die sehr Fett und haben ordentlich Kalorien, vielleicht eine gute Ernährungsalternative für’s RAAM. Aber mit Stäbchen auf dem Fahrrad, das ist vielleicht doch keine so gute Idee, zumindest nicht bei dem Straßenbelag hier.

Obwohl ich den vom März viel schlechter in Erinnerung hatte. Vielleicht habe ich mich tatsächlich dran gewöhnt.

Ich fahre bis zum Beginn des Indianerreservats. Dort steht ein großes Casino, das auch genauso gut in Las Vegas stehen könnte.

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Pala Casino und Resort

Auf dem Rückweg habe ich jetzt ganz gut Gegenwind. Dadurch ist es noch kälter, momentan ist mir aber mehr nach Hitze. Ich friere etwas. Ich freue mich auf die Wüste am Dienstag.

Auch auf dem Rückweg läuft es gut, über das Knie denke ich schon nicht mehr nach. Aber nocheinmal bläst mich ein Truck zur Seite, nur ist da kein Asphalt mehr und ich hoppele neben der Straße über groben Beton, bleibe aber auf dem Rad, alles ok.

Soweit ich mich erinnern kann war die 76 auf dem ersten Drittel der Strecke die einzige Straße auf der es wirklich eng zugeht und die gleichzeitig recht verkehrsreich ist. Das ist auch ganz gut so. Keine Ahnung wie sowas ausgeht wenn man todmüde auf dem Rad hängt.

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an den meisten Stellen ist die 76 gut zu fahren und man hat wie hier immer etwas Luft auf dem Seitenstreifen

Anyway, ich komme heil wieder in Oceanside an, überhole noch einen Radfahrer der aussieht wie ein brasilanischer RAAM Teilnehmer, aber für mehr als ein „Hi, how’re you doin‘?“ reicht es leider nicht, ich will mein Tempo fahren, er erholt sich wohl gerade von einem heftigen Intervall oder einer langen Tour.

Im Hotel angekommen mache ich mir erst mal eine Recovery Mahlzeit mit Brot, Putenbrust, Bananen, Milchreis und O-Saft. Dann lege ich mich einen Moment hin. Oli fährt los in Richtung LA um Marco abzuholen.

Ich habe das Gefühl ich müsste noch tausend Sachen erledigen, und das stimmt auch, aber ich hänge nur im Zimmer ab. Ich bin etwas müde und heute muss ich mich schonen. Ab morgen geht es richtig rund. Das Race Office öffnet, die Ernährungssoftware muss ich noch einrichten, dann holen wir das restliche Team vom Flughafen ab und ab Sonntag sind 25 Stunden des Tages verplant für offizielle Termine, Vorbereitung der Autos, Eintragen der Fahrer auf die Autos, erklären von Equipment und Ernährung, denn erst in Brawley konnte ich die letzten Kleinigkeiten bezüglich Essen und Trinken rausarbeiten.

Ich versuche zu schlafen, geht aber nicht, ich schalte das erste mal hier in Oceanside den Fernseher ein um mich etwas abzulenken. Zwischendurch telefoniere ich immer mal wieder mit Oli. Marco taucht irgendwie am vereinbarten Treffpunkt nicht auf. Ich checke nochmal online bei der Fluggesellschaft , und es ist nicht zu fassen, aber sein Flug wurde tatsächlich wegen eines medizinischen Notfalls nach Dallas umgleitet. Das gibt’s doch nicht.

Ich mache mir keine Sorgen, dass Marco der medizinische Notfall ist, einen Sarden haut so schnell nichts um, aber das verzögert die Ankunft natürlich erheblich und Oli und er werden erst irgendwann mitten in der Nacht ankommen.

Ich esse noch was und versuche zu schlafen, ich bin schon weggedöst, da meldet sich Oli, und teilt mir mit, dass Marco wohlbehalten eingetroffen ist, es ist jetzt halb eins in der Nacht. Die beiden haben zwar noch zwei Stunden Autofahrt vor sich, aber das ist doch mal eine gute Nachricht.

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