Prestartphase Oceanside – minus 5 Tage

Nach der gestrigen Nachtsession mit Deutschland schlafe ich nur mittel und werde erst um kurz nach 9 wach. Mehr als 4,5 Stunden darf ich mir ehrlicherweise nicht ins Schlafprotokoll eintragen. Schlecht für’s Knie, zu wenig Schlaf, Treppensteigen, Sachen schleppen und Autofahren sind die vier Dinge die es nicht leiden kann…

Frühstück gibt’s nur bis neun, das lasse ich heute mal. Ich maile noch die ganz wichtigen Sachen, mittlerweile bin ich aber grob 20 Emails im Rückstand. Das RAAM macht auf jeden Fall nicht einsam :) Dabei esse ich zwei trockene Toastbrote. Anschließend treffe ich mich mit Oli und wir fahren in die Stadt auf den Markt. Bis wir loskommen ist schon viertel nach zwölf, aber wir sind noch rechtzeitig da bevor der Markt schließt und ich finde, wie beschrieben, ziemlich am Ende rechts die nette Österreicherin bei der es „richtiges“ Brot gibt. Sehr sehr geil. Ich bin echt happy. Vielen Dank an Ina für den Tipp!

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Markt in Oceanside

 

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Brot macht glücklich!

Oli hatte es noch zum Frühstück im Hotel geschafft, ich hole mir hier einen Decaf Cappuccino das muss dann mal reichen. Wir fahren nochmal zurück ins Hotel, holen die Unterlagen für die WoMo Abholung und machen uns auf den Weg zur Roadbear Abholstation. Wieder nach LA gurken. Und nur die ersten Kilometer läuft der Verkehr gut, dann wird es zäh bis ganz zäh und schließlich stehen wir im Stau.

Immerhin sind wir zu zweit im Auto und dürfen die Carpool lane benutzen. Das bringt an manchen Stellen was, an manchen steht man da genauso wie auf den restlichen fünf, sechs oder auch nochmehr Spuren. Es stellt sich raus, dass das Roadbear Büro ganz auf der anderen Seite von LA also weit im Norden ist. Der Stau ist ätzend, mein linkes Knie fühlt sich nicht so gut an, mein rechtes grummelt, die mögen kein Autofahren und langsam addiert sich die Zeit im Auto doch zu einer erheblichen Summe. Zu Mittag gegessen haben wir auch nichts, Raststätten gibt es hier nicht.

Immerhin habe ich jetzt jemanden mit dem ich mich im Auto unterhalten kann. Ich bin etwas erstaunt wie wenig Oli von der Reise, von LA und den USA überhaupt beeindruckt ist. Das scheint ihn alles völlig kalt zu lassen. Wir unterhalten uns genauso wie wir es zu Hause in Giessen machen würden. Vielleicht eine Eigenschaft die wir in den nächsten Tagen nochmal gut gebrauchen können auf unserem Trip.

Nach gefühlt einem halben Tag im Auto kommen wir dann endlich beim Verleih an. Ein nettes Mädel aus Österreich empfängt uns deutschsprachig (im weitesten Sinne) und auch ihr Kollege spricht verdammt gut deutsch, ich bin unsicher ob er Deutscher ist, der schon ewig hier lebt und deshalb einen kleinen amerikanischen Touch in der Sprache hat, oder ob er ein Amerikaner ist, der mal in Deutschland gelebt hat und außergewöhnlich gut deutsch spricht.

Ist auch egal, wir bekommen unsere Unterlagen, das Eintragen der Zusatzfahrer ist überhaupt kein Problem, es gibt einen „freundlichen Hinweis“ und ein Agreement zum Unterschreiben, dass es unglaublich teuer wird wenn ich Aufkleber am Fahrzeug beschädige oder selbst welche aufbringe und beim Lösen nachher den Lack beschädige. Die wussten, dass wir das WoMo für das RAAM benötigen.

Dann gibt es noch eine kurze Einweisung in alles. Ich bin wirklich angenehm überrascht von der Ausstattung und vom Zustand. Es darf doch auch mal was gut funktionieren, sehr schön.

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Nach der Übernahme fahren wir erst mal was essen. Bei Ankunft hatte ich ein Ensure plus getrunken, jetzt, mittlerweile ist es 17 Uhr, essen wir beim Chinesen zu Mittag. Das Essen ist wirklich sehr gut. Frisches, gedünstetes Gemüse, ein bisschen Huhn und Reis, eine leckere Suppe, dabei auch noch draußen im Schatten sitzen. Passt.

Oli fährt das Wohnmobil, ich das designierte Followcar. So machen wir uns wieder auf den Rückweg. Die ersten Kilometer täuschen, schnell stehen wir wieder im Stau, stundenlang. Ist so wie Montagsmorgens Berufsverkehr nach Frankfurt mit Unfall auf der A5, nur mit mehr Spuren. Ätzend. Meine Knie rumoren. Ich merke, dass heute wieder kein guter Tag für meine Vorbereitung ist. Nicht richtig geschlafen, nicht regelmäßig und genug gegessen und das lange Autofahren ist Gift für die Knie. Ich muss was ändern.

Je länger die „Fahrt“ dauert, desto schlechter komme ich drauf. Weil das rechte Knie grummelt bremse ich zwischenzeitlich mit links, bei dem Stop and Go kein Problem. Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt. Andererseits wusste ich schon als ich die Entscheidung RAAM getroffen habe, dass dieser ganze Orgakram und die hektischen oder anstrengenden Tage in Oceanside vor dem Rennen dazugehören würden. Deshalb habe ich ja auch lange und intensiv überlegt bevor ich mich dafür entschieden habe. Aber das ich nicht regelmäßig schlafe und esse wenn ich hier bin, und das ich soviel Zeit im Auto verbringe, dass ich Knieprobleme bekomme hatte ich dann doch nicht so richtig auf dem Schirm.

Die Musik macht mir keinen Spaß, egal welcher Sender läuft, Ich bin müde und genervt. Oli hat etwas Probleme mit der Nachtsicht, denn mittlerweile ist es dunkel und er hat die passende Brille nicht dabei, wir fahren, obwohl es jetzt immerhin etwas läuft, und der Verkehr etwas fließt, teils nur 80 km/h. In finsterer Stimmung sitze ich hinter dem Steuer und hoffe das es jetzt einfach gleich vorbei ist. noch 111 Kilometer, noch 65 Kilometer, noch 35 Kilometer, zäh wie Kaugummi. Um ca. 21 Uhr sind wir endlich im Hotel.

Ich müsste jetzt eigentlich sofort schlafen, außerdem müsste ich eigentlich ins Gym und noch etwas trainieren, wir müssen aber auch noch einkaufen. Wir fahren erst mal ins Walmart, Olis trockener Humor baut mich wieder etwas auf. Die Knie schmerzen.

Im Hotelzimmer esse ich noch zwei richtige Brote mit Putenbrust und ein Joguhrt, dann lege ich mich schlafen. Alles andere ist jetzt egal, ich schreibe noch drei Mails und gut ist. Schlafen ist jetzt wichtiger als trainieren, ich muss meine Knie wieder hinkriegen. Ich muss mich mehr schonen. Aber was gemacht werden muss muss halt gemacht werden.

Die nächsten Tage werden sicher besser. Morgen wird Marco mit großer Wahrscheinlichkeit nachfliegen können, und Samstag kommt der Rest der Truppe. Außerdem habe ich morgen Radtraining auf dem Programm stehen, das ist gut. Viel besser als das blöde Autofahren. Ich hoffe nur, dass meine Knie das Ganze hier nicht zur Farce werden lassen und früh im Rennen oder gar schon vor dem Start Probleme machen.

 

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Löhr,
    ich verfolge Ihren Block in regelmäßigen Abständen. Ganz schön spannend. Was so alles beachtet und vorbereitet werden muss istschon ne Menge.
    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Ihre Knie bis zum Start wieder voll einsatzfähig sind und Sie so das Rennen gut beginnen und vorallem durchhalten können.

    Alles Gute für die nächten Tage.

    Gruß
    René Bourcarde

  2. Hi Guido, cool, dass es endlich soweit ist. Wir lesen ab nun täglich deinen Blog, denken ganz fest an dich und drücken alle Daumen….wenn einer es schafft, dann DU- wir jedenfalls glauben fest an dich!
    Liebe Grüße aus dem heißen Gießen
    Ute und Roger