RAAM 2017 Vorbereitung – Bikefitting

Heute stand ein wirklich wichtiger Termin für mich an. Nachdem ich beim RAAM 2014 schon so früh ein unangenehmes Problem mit dem linken Oberschenkel bekommen hatte und das bis zum Ende des Rennens mitschleppen musste, habe ich seitdem immer etwas mit meiner Sitzposition gekämpft.

Das lag vor allem daran, dass ich schief auf dem Sattel saß. Letztlich bin ich 2014 über 3900 Kilometer hauptsächlich mit einem Bein gefahren, damit ich das Rennen überhaupt beenden konnte.

Trotz Unterstützung durch die Villa Aktiv im Nachgang, ist es mir nicht gelungen das Problem wirklich zu beseitigen. Ich habe mit verschiedenen Sattelmodellen gearbeitet (ca. 15!), bei beiden Ultradistanzen letztes Jahr hatte ich sogar kurz vorher noch einen neuen Sattel draufgeschraubt, doch trotz erfolgreicher Rennen konnte ich das Problem nicht wirklich beseitigen.

Für das Race Across America musste ich das Problem nun aber nochmal intensiver angehen. Zum einen, da ich im Training nie wirklich ohne Probleme links treten konnte, zum anderen, da das RAAM einfach zwei Hausnummern größer ist als alles andere und man nie, nie, nie schon mit Problemen da hinein gehen sollte.

Mit meinen Bikefittings habe ich bis jetzt immer gute Erfahrungen gemacht, angefangen hatte ich im Radlabor, bin dann aber schnell zu CycleFit gewechselt. Das war schon außerordentlich gut. Sensationell war die Qualifikation für‘s RAAM beim Schweizer Radmarathon 2013. Noch nie war ich vorher mit Auflieger in „Zeitfahrposition“ gefahren, und doch hatte mich Britta so eingestellt, dass ich ohne auch nur den Hauch eines Problems die 720 Kilometer als Schnellster beenden konnte.

Auch für das RAAM 2014 hatten wir ausführlich an der Sitzposition für beide Räder gebastelt und die schien perfekt. Allerdings habe ich hier beim Cannondale wahrscheinlich einen Fehler beim Sattel gemacht und, aus welchem Grund auch immer, scheinen die Einlagen meine etwas schiefe Haltung begünstigt zu haben.

Da ich die Folgen dann nicht nur bei Olli und Körperkonzept behandeln ließ, sondern auch in der Villa Aktiv, habe ich überhaupt erst wahrgenommen, dass ich einen super Bikefitter direkt vor Ort habe. Trotzdem musste ich in der Folgezeit doch etwas leiden, denn meine Beine haben mir die Umstellung des Pedalsystems (ich wollte gerne auf ein pedalbasiertes Leistungsmesssystem umsteigen und musste deshalb auf Look Pedale wechseln) , sehr übel genommen. Bei den 24h von Kelheim habe ich mit Krämpfen und Schmerzen gekämpft. Immerhin hat es trotzdem zum 6. Platz gereicht.

Nachdem meine Beine dann die Umstellung akzeptiert hatten habe ich trotzdem nicht die „perfekte“ Sitzposition gefunden, vor allem weil ich nicht den richtigen Sattel finden konnte. Nachdem ich einen Tag vor dem Glocknerman ein neues Modell auf das Roubaix geschraubt habe und kurz vor dem Race Around Ireland wiederum auf ein anderes Fabrikat gewechselt bin, musste ich jetzt die Sache anders angehen.

Wahrscheinlich habe ich schon locker 2000,- Euro für Rennradsättel ausgegeben eher mehr, plus die ganzen Testsättel die ich ausprobiert habe. Es gab immer mal Modelle die für bestimmte Situationen funktioniert haben. Aber letztlich musste ich immer zu viele Kompromisse eingehen oder bestimmte Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen die auf der Ultradistanz letztlich ein DNF verursachen könnten. (Einen Radmarathon kann man ja im Prinzip mit einem Stück Holz durchstehen, aber schon da ist es einfach geil wenn man das Gefühl hat perfekt zu sitzen, letztlich macht einen das schneller und mehr Spaß macht es auch).

Zusammen mit dem Wunsch für‘s RAAM auch die Aerodynamik, unter Berücksichtigung des nötigen Komforts, zu optimieren führte mich mein Weg fast zwangsläufig nach Münster zu gebioMized.

Die arbeiten einerseits mit meinem Trainer Björn vom STAPS auf der Bahn im Bereich Aerodynamik zusammen, andererseits basiert das auf Grundlage der Sitzpositionsoptimierung mit den von gebioMized entwickelten Druckverteilungsmessungen.

Bikefitting funktioniert nur, wenn es von einem erfahrenen Bikefitter / einer erfahrenen Bikefitterin durchgeführt wird. Allerdings finde ich es wichtig, dass auch wirklich gute Tools das Ganze quantifizierbar und reproduzierbar machen. So arbeiten Britta und Thomas bei CycleFit mit dem Retülsystem und haben viele Jahre Erfahrung im Profi-, Amateur und Freizeitfahrer Bereich. Gigi und Burkhard arbeiten u.a. auch mit der Satteldruckmessung von gebioMized und bringen noch die Kompetenz aus der physiotherapeutischen Praxis ein, so dass man orthopädische und muskuläre Problem sehr kompetent angehen kann.

Und nun erhoffte ich mir von gebioMized eine Lösung des „Sattelproblems“. An Referenzen mangelt es dort sicher nicht, nicht nur durch die umfangreiche Erfahrung im Profibereich, sondern auch durch die Erfahrung mit Ultradistanzsportlern, wie Reto Schoch, dessen RAAM Teilnahmen ja sehr erfolgreich verliefen.

So war ich sehr gespannt was wir positionsmäßig für meine zwei RAAM Fahrräder, nämlich das Cannondale SuperSix Evo von 2012 und das Specialized Roubaix SL4 aus 2014, erarbeiten können.

Dabei hat sich die Druckmessung für mich als wirklich sehr nützliches Tool erwiesen. Ziemlich deutlich ließ sich meine immer noch sehr schiefe Position visualisieren. Im Zusammenspiel mit der Analyse der Beweglichkeit „am Mann“ und der Trittbewegung über Videoanalyse, sowie meiner „Sattelhistorie“ haben wir uns dann Sattelmodell für Sattelmodell vorgearbeitet. Dabei Sitzhöhe und Sattelneigung, sowie Sattelposition festgelegt.

Dann ging es an die Vorbereitung des Cockpits für die Aerodynamiktests auf der Bahn. D.h. Lenker und Aufliegerposition wurde ermittelt und auf der Bahn muss man dann im Feintuning schauen, dass man den besten Kompromiss aus Aerodynamik und dem für das Race Across America unbedingt benötigten Komfort findet.

So ging mehr als ein halber Arbeitstag drauf, und im Ergebnis habe ich an beiden Rädern eine Sitzposition gefunden, am Cannondale eine etwas „schärfere“, am Roubaix die weniger windschnittige aber etwas nackenschonendere – Stichwort Shermers Neck.

Auch konnten wir zwei Sattelmodelle identifizieren mit denen ich arbeiten kann. Jetzt gilt es die Labormessung auf der Straße zu verifizieren. Dazu habe ich ab Montag im Trainingslager auf Teneriffa Gelegenheit. Dazu habe ich noch Übungen für den Kampf gegen die Dysbalance bekommen, die ich nun in meinen Trainingsplan einbaue.

Insgesamt ein wirklich spannender Termin, die Arbeit mit Daniel Schade hat mir viel Spaß gemacht und ich bin sehr gespannt wie es sich auf der Straße anfühlt und wie schnell ich mich an den neuen Sattel und die neue Position gewöhnen werde.

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