Rhön Radmarathon, das Rennen

Die Überschrift klingt komisch nach dem gestrigen Post, stimmt aber trotzdem.

Nach 4 Stunden Schlaf ist die Nacht zu Ende. Um rechtzeitig am Start zu stehen muss ich um kurz nach vier Uhr nachts losfahren. Angeblich regnet es gerade in Fulda, aber den Wetterdiensten traue ich nur bedingt. Die sagen bis Mittag eigentlich brauchbares Wetter voraus, nämlich Bewölkung ohne Regen mit ab und zu durch die Wolken schauender Sonne. Das soll sich dann aber ändern in Gewitterstürme. Also muss ich schnell fahren um vor dem Unwetter im Ziel zu sein…

Auf dem Weg nach, und auch in Bimbach ist es dann zwar neblig aber trocken. Aber so früh morgens schon noch recht frisch. So trage ich Helmmütze, Armlinge, Knielinge und Regenschuhe mit dicken Strümpfen. (Falls ich zu langsam bin und in den Regen komme)

Die Organisation am Start ist ok, es gibt eine Startnummer zur Befestigung am Trikot, aber keine Startnummer für’s Fahrrad. (Wie die wohl nachher die Fotos von den Streckenfotografen zuordnen wollen? Denn Zeitnehmung gibt es ja wie gesagt keine, also auch keine Messpunkte zur Fotozuordnung wie z.B. bei Rund um den Finanzplatz.)

Na egal. Ich habe auf der Anfahrt jedenfalls beschlossen das Event so zu nehmen wie es ist, d.h. brav die Kontrollpunkte anzufahren und meine „Scorecard“ abzustempeln, wäre ja unfair im Vergleich mit den Anderen, wenn ich einfach durchfahre.

Zu meiner Überraschung gibt es dann trotz der offiziellen Angabe „Startfenster 6:00 – 6:30 Uhr“ einen richtigen Start. Sogar mit runterzählen zum Startschuss. Ich finde das in Anbetracht der fehlenden Zeitnehmung seltsam. Ich bin auch kein bisschen aufgeregt und fast etwas motivationslos, oder besser mir fehlt diese innere Anspannung die man für eine gute Leistung im Wettkampf benötigt, einfach weil ich es noch nicht als Wettkampf wahrnehme.

Dann geht es aber los, und alle theoretischen Überlegungen sind ohne Bedeutung. Ich stehe ungefähr in der Mitte des Starterfeldes und versuche gleich nach vorne zu fahren. Vom Start weg geht es erst mal berghoch und gleich kann man die unterschiedlichen Zielsetzungen der Fahrer am unterschiedlichen Tempo erkennen. Ich versuche nur soweit wie möglich nach vorne zu kommen, am besten in die Spitzengruppe.

Das heißt von Anfang an Vollgas, wie beim Rennen am 1. Mai. Nur war das ja ein Radrennen mit nur gut 100 Kilometer Länge und bis auf den Feldberg nicht so richtig vielen Höhenmetern. Aber ich ignoriere das einfach und dränge diesen Gedanken nach hinten.

Es finden sich immer wieder Gruppen zusammen, die sich durch das ständige auf und ab oft durcheinander mischen.  Manchmal geht es mir zu langsam und ich fahre nach vorne und versuche richtig Druck zu machen. Das Powermeter meldet oft über 400 Watt. Mein Trainer würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen..

Dann kristallisiert sich aber eine etwas größere Gruppe heraus, die recht homogen ist. Berghoch fahren die mir gar eine Spur zu schnell, aber ich bleibe natürlich dran um auf den flachen Abschnitten zu profitieren. Ich denke das sind klug investierte Körner. In den Abfahrten läuft es erstaunlich gut. Mein SL3 Roubaix läuft klasse. Irgendwie profitiere ich durch die Sicherheit, die ich auf dem Cannondale Supersix Evo in den Abfahrten gewonnen habe auch etwas auf dem Roubaix, obwohl das ja schwerfälliger durch die Kurven geht. Aber viel ist hier einfach Kopfsache und Selbstvertrauen.

Die Jungs hauen ganz schön rein. Von wegen Kaffeefahrt, hier wird gefahren wie bei einem Radrennen. An einer Umleitung durch den Wald haben wir auch das Alpecin Team erreicht, die waren wohl anfangs ziemlich vorne, unsere Gruppe bewegt sich aber etwas schneller, so dass wir wahrscheinlich nicht so weit von der Spitzengruppe weg sind.

Berghoch fährt mir die Gruppe immer noch zu schnell, ich muss meist 400 Watt und mehr raushauen um dranzubleiben, dafür lassen die gerne mal auf der Kuppe dann die Beine hängen. Halte ich für nicht so klug, gleichmäßig fahren wäre besser, aber wenn ich die Gruppe nicht verlieren will muss ich mich halt anpassen, denn in der Abfahrt und auf den flachen Abschnitten profitiert man sehr vom Windschatten.

Ich beteilige mich auch an der Führungsarbeit und merke nun schon erstmals die Anstrengung heftig. Trotzdem ergibt sich noch die ein oder andere Gelegenheit zwischendurch etwas zu Plaudern, aber immer nur kurz.

Nach einer Fahrt durch die Lagerhalle eines Getränkehändlers (oder Herstellers) haben wir die erste Kontroll- und Verpflegungsstelle erreicht. Das Stempeln geht flott, ich brauche weder Getränke noch mache ich Gebrauch von dem üppigen Angebot an Kuchen usw. Wir müssen recht weit vorne sein, denn es ist noch nichts angetastet.

Die Gruppe bleibt einigermaßen zusammen, jetzt geht es allerdings erstmal richtig steil berghoch. Schon von der Verpflegungsstelle weg gibt es einen ordentlich steilen Stich, dann kann man nochmal etwas Luft schnappen bevor es recht konstant weiter berghoch geht. Das Wetter ist mittlerweil super, blauer Himmel, die Sonne scheint, in den Tälern liegt noch etwas Nebel, sehr idyllisch.

Die Steigung zieht an und ich würde gerne ein Foto machen, verliere aber beim Fuchteln nach der Kamera die Stempelkarte. Zum Glück weist mich ein anderer Fahrer darauf hin. Also wieder fünfzig Meter zurückfahren, Karte aufheben und versuchen die Gruppe wieder einzuholen.

Am Berg muss ich jetzt mit 350 Watt, eher mehr, klettern um in der Gruppe drinzubleiben. Wobei sich diese doch etwas auseinanderzieht, denn die Steigung erreicht nun teils bis 16%. Ich fahre mit der 30er Kassette, da ich das Di2 Schaltwerk nicht rechtzeitig umbauen konnte und nach meinem Flandern Erlebnis kein Risiko mehr eingehen wollte. Damit komme ich gut dort hoch, aber kämpfen muss man schon, geht aber allen so.

Nach dem Steilstück geht es weiter berghoch in Richtung Wasserkuppe, auch wenn man zwischenzeitlich mal etwas verschnaufen kann bei 5%. Das Wetter ist jetzt wirklich klasse, und die Landschaft postkartentauglich. Für zwei, drei Fotos reichts, dann muss ich mich wieder auf’s Klettern konzentrieren. Aber schließlich ist die Wasserkuppe erreicht und es geht gleich hinunter in die Abfahrt. Wir sind jetzt eine Vierergruppe und ich versuche meinen mit 50-12 viel zu kurzen größten Gang durch Windschattenfahren auszugleichen, was auch ganz gut klappt. In den steilen Stücken hilft mir mein Gewicht und es rollt sehr gut.

Bis zum nächsten Kontrollpunkt bildet sich eine brauchbare Gruppe von ca. acht Fahrern, wir arbeiten eigentlich ganz gut zusammen, trotz Wasserkuppe haben wir immer noch einen 30er Schnitt. Allerings knallen die Jungs berghoch immer so rein, dass ich nach wie vor, 350 Watt oder auch mal 400 und mehr investieren muss um dranzubleiben. Wie das gut gehen soll ist mir schleierhaft.

Dann erreichen wir den zweiten Kontrollpunkt. Auch hier geht das Stempeln schnell, ich fülle meine Trinkflaschen mit Wasser auf. ISO oder sowas gibt es leider nicht, aber Tee und Bouillon. Ich genehmige mir hastig ein halbes Wurstbrot und nehme ein Stück Streuselkuchen in die Hand und fahre weiter. Ein anderer Fahrer der Gruppe ist so hundert Meter vor mir, und Kuchen mampfend arbeite ich mich an ihn ran. Die anderen werden sicher auch bald rankommen.

Ich habe bis jetzt versucht jede Stunde ein großes und ein kleines Gel zu essen, so dass ich auf ca. 80g KH pro Stunde komme. Aber es wird soviel Druck gemacht, dass es recht anstrengend ist zu essen. Eine Flasche hatte ich mit Sponser Long Energy gefüllt, die ist jetzt mit Wasser aufgefüllt, so dass das recht verdünnt ist. Also muss ich jetzt unbedingt dran denken die Gels zu essen.

Mittlerweile haben wir so ungefähr die 100 Kilometer Marke erreicht. Es geht gefühlt mehr bergauf als bergab. Die Anderen scheinen nicht nachzulassen. Ich aber schon. Die Gruppe verlieren will ich auf keinen Fall, aber es fällt mir immer schwerer die Leistung berghoch zu bringen. Ich muss kämpfen, ja ich muss mich quälen, die Anderen fahren wie Mopeds. Innerlich empfinde ich tiefen Groll gegen Marco dafür, dass er mich überredet hat die „extrem“ Variante zu fahren, mir hätte die „classic“ Variante gereicht, die hat nicht nur 36 Kilometer weniger, sondern vor allem über tausend Höhenmeter weniger.

Ich kämpfe aber weiter. Führe brav wenn ich dran bin und versuche berghoch nicht zu viel zu verlieren, an der Kuppe lassen die immer die Beine hängen und in der Abfahrt bin ich eigentlich schnell genug um ggf. wieder ranzufahren.

So schlage ich mich durch bis zur dritten Kontrollstelle. Ich fülle eine Flasche auf, trinke einen dreiviertel Liter Isogetränk und esse zwei Käsebrote, ein Stück Streuselkuchen und Apfelstückchen gibt es auch noch. Klasse. Das Buffet ist noch gut gefüllt. An welcher Position wir uns ungefähr befinden ist aber schwer zu sagen, muss aber doch einigermaßen vorne sein. Ich nehme mir eine Waffel mit auf die ersten Meter und schwinge mich wieder auf’s Rad. Die anderen pausieren noch, aber die werden mich schon wieder holen.

Jetzt kommt ein recht idyllischer Abschnitt. Ich nehme mir die Zeit für zwei, drei Fotos. Vor mir fahren zwei vereinzelte Fahrer und weiter vorne ist eine Gruppe mit ein paar Leuten. Die sind aber zu weit weg.  Den Einzelfahrer überhole ich, von hinten kommt aber irgendwie keiner nach. So fahre ich einige Kilometer alleine, dummerweise bei ordentlichem Gegenwind. Wir bewegen uns wohl auf der Höhenstraße, d.h. sehr schöne Ausblicke auf die umliegende Gegend, aber auch relativ starker Wind, natürlich von vorne…

Ich fahre berghoch, jetzt wo ich alleine bin, mit ca. 270 Watt. Ich bin muss immer noch kämpfen, mittlerweile ist mir viel zu warm, die Helmmütze habe ich während der Fahrt ausgezogen, die Knielinge aber auch nicht an den Verpflegungsstationen, das hätte zuviel Zeit gekostet. Die Armlinge muss ich eh anlassen weil mittlerweile die Sonne knallt und ich keine Sonnenschutzcreme auf den Armen habe, was blöd ist, denn ich muss die Haut noch schonen wegen der Sturzverletzung vom letzten Jahr. Deshalb freue ich mich wenn es mal ein Stück durch den Wald geht, wo es gleich empfindlich kühl ist.

Ein Duo kommt von hinten und ich schaffe es mich dranzuhängen. Auch die fahren berghoch mit Gewalt. Es geht also wieder los mit dem 350 Watt und mehr Gewatz. Den tiefsten Punkt habe ich wohl überwunden. Trotzdem sind die zwei eigentlich zu schnell, ich versuche nur dranzubleiben. Einer der beiden scheint eh die Lokomotive zu sein, die den anderen zieht, ich hängen noch einen SL3 Roubaix Waggon hinten dran…

Dumm nur, dass ich die beiden in einer Abfahrt verliere, ich bremse eine Kurve etwas früh an, die beiden brettern voll durch, die scheinen sich auszukennen. Ich komme nicht mehr ran, Mist. Wieder ein paar Kilometer alleine, bevor ich einen weiteren Fahrer auflese. Der hängt sich aber nur dran, führen mag er nicht. So bin ich jetzt die Lokomotive. Ich habe mich ja wieder etwas erholt. Dann geht es aber auch schon in eine Steigung die ich noch vom letzten Jahr kenne, als ich hier ein kleines Trainingslager mit den Triathleten vom Lahnländer gemacht habe.

Die ist genauso lang wie ich es in Erinnerung hatte. Nämlich zu lang. Wieder klettere ich so mit 270 Watt mein eigenes Tempo. An der letzten Verpflegungsstation hatte ich durch die kurze Pause einiges gut gemacht, jetzt holt mich der ein oder andere „Bekannte“ wieder ein. Ich versuche immer kurz mich dranzuhängen, aber die Power reicht nicht. Wo nehmen die Jungs denn nur die Kraft her? Wie können die jetzt noch 350 Watt berghoch treten?

Ich kämpfe weiter, und schließlich ist auch dieser verdammte Anstieg zu Ende,  es kommen ja nur noch hundert weitere, Rhön halt. Ein ganz anderer Charakter als z.B. die Ötzi Strecke. da hat man genau 4 Anstiege und 4 Abfahrten. Das ist das einzige was zählt, Kilometer interessieren da gar nicht. Hier schaue ich schon immer wieder mal auf den Kilometerzähler. Die zweihunderter Marke kommt näher, aber laaangsaam. Dafür geht es immer wieder bergauf, und wieder und wieder.

Nächste Kontrollstation, die vierte. Wieder zwei Käsebrote und zwei Stück Streuselkuchen (sehr lecker). Wieder eine Flasche mit Wasser aufgefüllt. Drei Becher Apfelschorle und einen Becher Iso getrunken. Dann schnell weiter.

Kurz fahre ich alleine, da fällt die Kette hinten runter. Hä? Nicht schon wieder irgendso ein Schaltungsproblem. Aber offensichtlich ist der Anschlag zum kleinen Ritzel etwas zu weit eingestellt. Kette wieder drauf, weiter egal.

Es findet sich eine Vierergruppe. Vielmehr eine Zweiergruppe und ein Einzelfahrer finden mich. Die fahren jetzt, auch nach sieben Stunden, immer noch mit 350 Watt berghoch (bzw. ich muss 350 Watt treten um mitzuhalten). An der Kuppe wie immer kurzes Beine hängenlassen. Ich kämpfe um dranzubleiben. Die Führungsarbeit macht hauptsächlich einer, ich führe so gut ich kann, aber selten. Der Typ fährt wie eine Lokomotive und fährt dann immer wieder nach vorne, ihm geht es wohl zu langsam.

Schließlich führt nur noch die Zweiergruppe, bzw. hauptsächlich die „Lokomotive“. Auf den flachen Strecken muss ich kämpfen um dranzubleiben. Ich habe schon immer mal beobachtet, dass Profiradfahrer ihre Zunge rausstrecken wenn sie sich quälen und fand, dass das albern aussieht. Jetzt mache ich das gleiche. Habe ich vorher noch nie gemacht. Aber ich muss mich wirklich quälen, denn ich will in der Vierergruppe bleiben, und es tut irgendwie gut. Komisch.

Jetzt geht es in eine weitere längere Steigung. Wir sind so bei knapp 200 Kilometern. Dann muss ich etwas abreißen lassen. Ich klettere mit ca. 300 Watt. Die Anderen sind nicht weit weg und quälen sich auch, und ich dachte schon das sind Maschinen. Der dritte Fahrer war am Berg vorgeprescht und lag jetzt ca. 20 Meter vor dem Duo und nochmal 10 Meter vor mir. Da springt ihm die Kette ab.

So bleiben nur wir drei übrig und es wird kurz flach, ich wäre fast wieder rangefahren, aber es geht wieder berghoch und die „Lokomotive“ ist jetzt recht weit weg, auch der andere Fahrer aus dem Duo setzt sich etwas ab, aber nicht ganz so weit. Die Strecke führt schön kurvig durch den Wald, dann flacht es ab, und geht schließlich bergab, wir holen noch einige Fahrer ein, die können aber auch von der 200er Strecke sein. Ich will gerade schon hadern, flach bzw. bergab und keine Gruppe, aber da kommt auch schon das Schild Kontrollpunkt 1000m.

Diesmal ist der Kontrollpunkt stark bevölkert. Denn der betrifft verschiedene Strecken. Stempeln geht trotzdem schnell. Brote gibt’s keine, Würstchen will ich keins, so fülle ich eine Flasche mit Apfelschorle und esse noch ein Stück Kuchen. Eine Waffel nehme ich mir noch mit für die ersten Meter. Die Lokomotive ist entweder schon weg oder sitzt da irgendwo, der zweite Fahrer müsste jetzt wieder hinter mir sein.

Es findet sich eine Gruppe mit Fahrern, die ich noch vom ersten Abschnitt des Rennens kenne. Mittlerweile funktionieren die Beine wieder super. Ich kann alles mitgehen was am Berg gemacht wird, in der Ebene muss ich recht wenig führen. Allerdings zähle ich schon die Kilometer herunter. Vor allen Dingen scheinen mir noch so viele Höhenmeter zu fehlen…

Ich schaue auch mal auf die Uhr um die Endzeit abzuschätzen. Also acht Stunden, das wird wohl kaum was werden, aber vielleicht wird’s noch was mit 8:30 h.

Wir sind kaum losgefahren, da kommt auch schon die nächste und letzte Kontrollstelle. Ich lasse meine Karte abstempeln und nehme noch ein Stück Streuselkuchen. Der Abstempler wundert sich „so, 238 Kilometerfahrer sind auch schon hier, ich glaub ihr seid die ersten“. Ich bin mir sicher, das nicht. Die Dame die den Kuchen betreut meint da wären schon welche gewesen. Soweit hinten können wir also nicht sein. Ich fahre weiter, und treffe nach hundert Metern auf einen jungen Fahrer, ebenfalls 238er Strecke. Ich hänge mich dran. Zuerst will er nur vorne fahren, schnell arbeiten wir aber zusammen und ein weiter Fahrer gesellt sich dazu. Ich bin mir nicht ganz sicher ob die beiden irgendwie zusammen gehören. Führungsarbeit machen zunächst nur der Junge und ich.

Wir arbeiten schließlich richtig gut zusammen. An den Anstiegen hauen die rein wie Sau, ich kann es immer noch nicht glauben, werden die anderen denn nie müde. Irgendwie habe ich das Gefühl die fahren in einer anderen Liga, aber letztlich bleibe ich doch immer dran. In der Ebene mache ich vorne richtig Druck, die Beine funktionieren auch bei mir noch…

Vor allem schaffen wir es uns an eine größere Gruppe ranzusaugen die einen halben Kilometer vor uns fuhr. Geil. Und dann die erste rote Ampel für heute an der wir stehen bleiben müssen. Da steht noch eine Gruppe. Da sind auch die, die ich während des Rennens mal verloren hatte. Eigentlich müssen wir ganz schön weit vorne sein. Ich habe mich auch selten so gequält.

Mittlerweile muss ich mich aber nicht mehr quälen, sondern wie schon so oft, ab 200 Kilometer werden die Beine besser und besser. Es hilft wohl auch der Gedanke, dass es bald vorbei ist.

Die jetzt recht große Gruppe ist eigentlich zu langsam, so ähnlich wie die letzen zehn Kilometer bei „Rund um den Finanzplatz“. Unsere Dreiergruppe war schneller. Das sehen die anderen beiden auch so und mit einem weiteren Fahrer mit giftgrünen Klamotten bildet sich eine Vierergruppe.

Wir geißeln was das Zeug hält. Mittlerweile übeholt man ständig Fahrer, da viele unterschiedliche Strecken diesen Schlussabschnitt gemeinsam nutzen. Das gibt einem das Gefühl total schnell zu sein und ständig nach vorne zu fahren, was natürlich nicht stimmt. Aber ein oder zwei 238er waren mindestens noch dabei.

Berghoch muss ich immer sehr kämpfen um dranzubleiben, mittlerweile trete ich aber wieder die gleiche Leistung wie ziemlich am Anfang, nur tut es mehr weh. Also um 400 Watt in den Anstiegen. Ich will halt an den beiden dranbleiben. Im Flachen fahre ich auch mal vorne, da wechseln wir uns ganz gut ab. Der giftgrüne Fahrer platzt irgendwann an einem Anstieg weg.

Dann kommen die letzen Kilometer und schließlich eine kleine Abfahrt, das Ortschild Bimbach, wir sind fast am Ziel. Am letzen Anstieg hatten mich die beiden doch noch abgehängt und in der Abfahrt bin ich nicht mehr ganz rangekommen. Dumm nur, dass die beiden an der letzten Linksabbiegerstelle, wo das Ziel schon ausgeschildert ist zunächst geradeaus fahren (das wäre doch normalerweise mein Part gewesen…). So bin ich doch wieder vor den beiden und fahre die letzten Meter alleine dem Ziel entgegen.

Dort erwartet mich, wie alle Fahrer, eine kleine La Ola Welle der Rhön Radmarathon eigenen Cheerleader. Sehr cool.

8:35 h zeigt der Radcomputer. Ich bin sehr zufrieden. Zwischendurch musste ich mich echt quälen, doch mein Groll über Marcos Idee ist natürlich längst der Zufriedenheit über die vollbrachte Leistung gewichen. Das war richtiges Racing, und das bei fast 4300 Höhenmetern (laut meinem Edge 800), nix Kaffeefahrt. Geil. Es wäre wirlich spannend zu erfahren welche Position letztlich dabei herausgesprungen ist. Schade, dass es keine Zeitmessung und keine Ergebnislisten gibt.

Anyway, ich hole mir mein Finisher T-Shirt, ziehe mich um und laufe noch etwas über den reichlich bevölkerten Zielbereich. Schaue mir an, was die Stände so zu bieten haben. Und nach dem Recovery Drink am Auto gönne ich mir noch eine fair bepreiste Erbsensuppe für den Geschmack.

4 Kommentare

  1. Feiner Bericht! Zu guter Letzt würde uns natürlich alle der Durchschnitts-Wattwert interessieren … wenn wir schon beim Thema sind ;)

    • Der Durchschnittswert liegt zwischen 240 und 270 Watt. Mein Garmin Edge 800 zeigt mir 273 Watt an und auf den kann ich mich normal verlassen, deshalb habe ich das auch erst mal in die Statistik so eingetragen, allerdings hat mir der PC7 von SRM nur 243 Watt angezeigt, bin noch nicht ganz sicher was da los ist, möglicherweise falsche Nullstelle im PC7, wenn ich es herausgefunden habe werde ich die Statistik entsprechend korrigieren.

  2. Netter Bericht. Bin auch den extremen gefahren, war in 8:31 im Ziel. Aber glaube niemals das ich so an die 400 Watt berghoch getreten hätte (TF Schnitt 79)

    • Die Werte schwanken natürlich immer stark, ich bin allerdings auch etwas schwer, was sich berghoch stark bemerkbar macht. Letztes Jahr beim Peakbreak fuhr ich neben einem weiteren Fahrer mit SRM im gleichen Tempo einen Pass hoch und seine Werte lagen zwischen 30 und 50 Watt niedriger. Der wog so 70 kg, ich hatte 7 oder 8 kg mehr. Seitdem träume ich davon den peakbreak dieses Jahr mit 74 kg zu fahren wenn mein Appetit es zulässt :)