Rund um den Feldberg

Nachdem ich nun drei Wochen lang doch ziemlich ausgeschaltet war und meine Versuche auf dem Rad eher mäßig verliefen, nicht von den Beinen her, aber vom Gefühl auf dem Rad und von der empfundenen Erschöpfung, gibt es heute einen echten Funktionstest. Den Radmarathon rund um den Feldberg.

Ich habe das ganze nicht so sehr als Rennen geplant, vielmehr als Motivationshilfe um endlich wieder in die Gänge zu kommen. Außerdem kann ich so sehen wieviel denn die Beine und die Ausdauer verloren haben. Außerdem fahre ich zusammen mit Marco und Nerman. Vor allem mit Marco habe ich ja jetzt schon einige Trainingskilometer zusammen zurückgelegt, so dass es sicher Spaß machen wird endlich auch mal so ein Event zusammen zu bestreiten.

205 Kilometer und 2800 Höhenmeter sind die offiziellen Angaben. Veranstaltet vom VC Frankfurt finden an diesem Tag einige RTFs statt, wobei die lange Strecke als Marathon ausgeschrieben ist. Deshalb bin ich bei der Anmeldung zunächst etwas enttäuscht, dass es keine Zeitnehmung gibt, und dass wir stattdessen an den Kontrollstationen eine Karte stempeln müssen. Außerdem gibt es ein Startfenster von einer Stunde und keinen Massenstart.

Aber vielleicht ist das auch ok, denn dann gehen mir nicht so leicht die Pferde durch und ich kann locker fahren, was sicherlich momentan klug wäre. Letztlich weiß ich ja nicht mal ob ich überhaupt durchkommen werde.

Der Start ist schon elend früh, ich bin um halb fünf aufgestanden, das Wetter ist zunächst mäßig, ganz leicht nieselt es. Für den Tag ist konstant leichter Regen und ab und zu Gewitter vorhergesagt. Aber schon auf den ersten Kilometern fühle ich mich richtig gut. Durch das Startfenster sind wir zunächst zu dritt alleine unterwegs, der Morgen hat gerade erst begonnen, noch sind kaum Autos unterwegs und wir fahren flach mit „vollen Tanks“ in Richtung Oberursel.

Die Strecke ist sehr gut markiert, trotzdem schaffen wir es uns geringfügig zu verfahren, kommen aber schnell wieder auf die richtige Strecke zurück.

Hinter Oberursel geht es gleich in Richtung Feldberg und folglich leicht berghoch. Noch vor dem ersten Anstieg trennt sich Nerman von uns, er ist dieses Jahr noch gar nicht recht berghoch gefahren und will lieber sein eigenes Tempo fahren. So sind wir noch zu zweit und kurbeln recht entspannt den Feldberg hinauf.

Einen großen Teil des ersten Teils der Strecke durch den Taunus kenne ich vom 1. Mai, als wir bei „Rund um den Finanzplatz“ dort mit Vollanschlag durchgeprescht sind. Kein Vergleich mit heute. Aber auch berghoch fühle ich mich gut. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und so wächst meine Zuversicht, dass ich mich nicht von Marco über die Anstiege schleppen lassen muss. Auch wenn das nach 180 Kilometern ja ganz anders aussehen kann.

Anyway, der erste Kontrollpunkt ist schnell erreicht. Ich schnappe mir eine Waffel, Getränke sind noch fast voll, dann die Karte abgestempelt und weiter geht’s.

Noch eine ganze Weile fahren wir durch den Taunus und die Strecke ist wirklich sehr schön. Dann geht es in Richtung Norden, bis wir schließlich das Weiltal erreichen. Dort ist, wie jedes Jahr am ersten Wochenende im August, der Weiltalradtag. Die Straße ist für Autos gesperrt und hunderte, ja tausende Radfahrer tummeln sich auf der Straße. Zum Glück sind wir recht früh dort, und es ist noch nicht viel los, so dass wir ohne Gedränge fahren können.

Sehr schön ist, dass die Leute an der Straße, oder in ihren Höfen kleine Stände aufgebaut haben und selbstgebackenen Kuchen und Würstchen usw. verkaufen. Als wir an einem großen Blech Steuselkuchen vorbeifahren, muss ich kurz umkehren. Marco trinkt einen Cafe für 0,50 EUR und auf die Frage was der Kuchen kostet bekomme  ich „schmeiß was in die Spardose“ zur Antwort.

Nach dem wir uns ein bisschen mit den freundlichen Gastgebern unterhalten haben (soll noch einer sagen die Mittelhessen wären muffelig), fahren wir dann endlich weiter.

So ganz kann ich mich noch nicht auf dieses lockere Radeln einstellen, Radmarathon heißt für mich auch die schnellstmögliche Zeit zu fahren. Aber ich gebe mir Mühe und mit dem Streuselkuchen, das war schon mal ein guter Ansatz…

Ein Grund warum auch keine so adrenalingeschwängerte Rennatmosphäre aufkommt ist die Tatsache, dass wir praktisch meist zu zweit fahren, selten mal, dass wir andere Teilnehmer auf der Strecke treffen, und wenn fahren die nicht unser Tempo.

Die Strecke ist einfach super. Auch im Weiltal, im Idsteiner Land und im Lahntal hat der Veranstalter sehr schöne, verkehrsarme Strecken mit meist gutem Straßenbelag gefunden. Zum Glück zeichnet der Garmin die Strecke ja auf, so dass ich einige davon in meine Trainingsrunden einbauen kann. Alleine dafür hat sich die Teilnahme schon gelohnt.

Wir sind noch keine hundert Kilometer gefahren, als wir in einer kleinen Abfahrt an eine enge Serpentine kommen. Wie eng die tatsächlich ist sieht man erst recht spät.Ich bremse scharf, Marco und zwei weitere Radler sind hinter mir. Und Marco realisiert eine Spur zu spät wie scharf die Kurve ist, hinter mir gibt es einen kurzen Aufschrei und er schießt knapp an mir vorbei und kann gerade noch durch geschickte Radbeherrschung den Sturz vermeiden.

Puh, das war knapp. Bis dahin hatte ich meine Verletzungen komplett vergessen, weil beim Radfahren nix weh tut, aber innerhalb so kurzer Zeit zweimal stürzen wäre sicher nicht so richtig prickelnd gewesen. Egal schnell abgehakt, ist ja nix passiert.

Offensichtlich braucht Marco etwas länger um es zu verdauen, denn zwischendurch ereilt ihn eine kleine Schwächephase, so dass wir an den nächsten zwei Kontrollstationen etwas länger pausieren. Das ist mir gerade recht, denn es gibt jetzt auch belegte Brote an den Stationen, und ich entwickle einen Hang zu Waffeln und Rosinenbrot.

An den Stationen merkt man auch, dass wir in einem Radrennen sind, denn dort trifft man dann doch ein paar weitere Radler.

Die Strecke bleibt weiterhin schön. Einige Teile der Strecke kenne ich jetzt recht gut, da wir uns bis auf zwanzig Kilometer Gießen nähern, und sozusagen durch unser Heimatrevier fahren.

Die letzten zwei Abschnitte fahren wir meist zu fünft, wobei wir zwar ungefähr gleich schnell fahren, aber nicht wirklich eine Gruppe aufmachen, sondern eher locker (oder auch weniger locker) unser Tempo radeln.

Insgesamt ist die Strecke auch im letzten Abschnitt noch sehr wellig, bzw. hügelig und mein Garmin zeigt deutlich über 3000 Höhenmeter. Die einzelnen Fahrer scheinen die Höhenmeter unterschiedlich gut zu vertragen, ein RTF Fahrer Pärchen ist nicht wirklich glücklich über die Höhenmeter und auch Marco hat als Rouleur erster Güte berghoch am Schluss ordentlich zu knabbern.

Abgehärtet durch den Peakbreak und Schweizer Radmarathon kann ich aber befriedigt feststellen, dass die drei Wochen komplette und vor allem abrupte Pause nicht alle Kletterfähigkeiten eliminiert haben. Gerade durch das eher lockere Tempo und die etwas niedrigeren Puls- bzw. Wattbereiche in den Anstiegen als gewöhnlich hoffe ich doch einen nützlichen Trainingsreiz im Hinblick auf den Ötztaler in knapp drei Wochen gesetzt zu haben.

Wie auch immer, nach knapp neuneinhalb Stunden sind die letzten Höhenmeter geschafft und wir rollen ins Ziel. Das Wetter hat gehalten, nur selten mal hat es etwas genieselt, Marco hat seinen ersten Radmarathon gefinished, und ich habe meine erste längere Distanz nach dem Sturz ganz gut rumgebracht. Vor allem hatten wir die meiste Zeit Spaß auf dem Rad – und lecker Streuselkuchen gab es auch…

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