Schauinsland und Feldberg

Samstag 10.07.2010

Ich überlege erst die Zeitfahrstrecke ein paar mal zu fahren, beschließe dann aber über Todtnau auf den Feldberg zu fahren und dann weiter zu sehen. Wenn ich schon mal hier bin, dann will ich auch auf den höchsten Berg des Schwarzwaldes fahren.

Um halb neun sitze ich erst auf dem Fahrrad, aber nach der kurzen Abfahrt zum Startpunkt der Zeitfahrstrecke geht es erst mal durch den Wald, so dass es noch angenehm kühl ist.

Im Gegensatz zu gestern sind recht viele Radler unterwegs. Interessanterweise ist dieser Abschnitt Sonntags für Motorradfahrer gesperrt und auch heute am Samstag sieht man keine. Es macht Spaß die Radler als bewegliche Ziele vor sich zu haben, und so vergehen die Kilometer etwas besser wie gestern. Da ich nur überhole und nicht überholt werde nehme ich mich etwas zurück, weil ich nicht überziehen will, trete dafür aber im unteren Abschnitt mit geringerer Leistung wie gestern.

Im mittleren Abschnitt geht es auch noch ganz gut, aber ich glaube nicht, dass ich die von der Leistungsdiagnostik prognostizierte Zeit erreichen kann. Gegen Ende des mittleren Teils sehe ich einen Radfahrer, dem ich mich nur recht langsam nähere, da er fast das gleiche Tempo geht wie ich. Er bemerkt mich als ich noch recht weit weg bin, will sich aber offensichtlich nicht überholen lassen, denn er hält immer etwas dagegen. Ich komme zwar trotzdem näher, aber es dauert recht lange.

Im letzten Abschnitt wird es deutlich flacher, das weiß ich noch von gestern. Ich versuche die „getretene Leistung“ beizubehalten und ordentlich hochzuschalten, dabei nähere ich mich dem anderen Radfahrer bis ans Hinterrad. Nachdem er sich so gewehrt hat, will ich den nicht noch ’nen Kilometer am Hinterrad haben, und so schalte ich hoch und trete nochmal 50Watt mehr und ziehe flott vorbei. Er grüßt zerknirscht zurück und findet es seinem Gesicht nach richtig scheiße. Ich weiß gar nicht warum, ich gehöre bestimmt nicht zu den schnellen, aber egal, sowas macht Spaß, weils immer Ablenkung und Motivation ist.

Es kommt eine Zeit von 0:48:47h heraus, dabei musste ich 257 Watt im Schnitt treten. Also wie ich da die prognostizierten 40 Minuten erreichen soll ist mir unklar, selbst wenn ich im Wettkampf dann noch etwas draufpacken kann.

Diesmal mach ich keine Pause, sondern fahre gleich weiter in Richtung Todtnau. Leider ist die Straße dort hinunter gesperrt, so dass ich auf halbem Wege nach Todtnauberg abbiege. Auch hier geht es ordentlich berghoch, gerne im zweistelligen Prozentbereich.

Um nach Todtnau zu gelangen fahre ich nachdem die Straße irgendwann zu Ende ist auf einen geschotterten Fahrrad- und Wanderweg. Schwerer Fehler! Die Strecke würde zwar mit dem Mountainbike Spaß machen, aber mit dem Carbonrennrad ist man hier mal richtig fehl am Platze…

Zunächst wird der Schotter immer gröber, dann wird es ein Waldweg mit Steinen und Wurzeln. Und zu allem Überfluss geht es ständig sanft bergab. Nach einer Viertelstunde tun mir die Hände weh vom Bremsen, rollen lassen ist keine Option. Ich versuche es innerlich als Fahrtechniktraining zu verbuchen, werde aber mit jedem Kilometer missmutiger, bis ich meinen Ärger herausfluche. Als es angeblich noch fünf Kilometer bis Todtnau sind kommt mir ein LKW und zwei PKWs entgegen, so dass ich auch noch richtig durch den Staub und Dreck fahren kann. Super! Nach acht Kilometern habe ich Straße erreicht, und muss noch vier Kilometer bis Todtnau fahren, soviel zu Beschilderung…

Im Todtnauer Pennymarkt werden die Flaschen gefüllt, und ich muss sagen Todtnau reiht sich in das bisherige Bild vom Schwarzwald ein. Ich revidiere meine Meinung über Heidegger, der war vielleicht doch ein Spießer und seine politische Ausrichtung in den 30ern kein Unfall.

Mir ist das Philosophische und das Politische im Moment aber völlig egal, sondern ich will Höhenmeter „fressen“. Von Todtnau geht es also hoch zum Feldberg. Dieser Anstieg soll einfacher sein wie die Fahrt hoch zum Schauinsland, aber ich mag die Steigungscharakteristik nicht so, denn hier fängt es eher flach an, und wird oben steiler.

Die Sonne brennt jetzt ganz ordentlich, und so ist auch dieser kleine Pass doch auch anstrengend. Und obwohl hier auf 13 Kilometer nur gut 550 Höhenmeter zu bewältigen sind, kann ich meine Leistung vom ersten Abschnitt heute morgen nicht bestätigen, sondern trete nur einen Schnitt von 208 Watt. Ich bin auch recht froh als ich auf der Passhöhe (heißt tatsächlich auch offiziell so) angekommen bin.

 Dort gibt es erst mal ordentlich Getränke und Spätzle, und zum Nachtisch Kaffee und Kuchen. Zum in der Sonne sitzen ist es allerdings zu heiß. So fahre ich nach einer Weile weiter, denn jetzt gilt es noch den Gipfel zu erklimmen. Den kann man nämlich mit dem Fahrrad erreichen. Zuerst geht es die gut ausgebaute Straße zum Hotel oben hinauf, und dann führt vom Autoparkplatze noch eine schmale geteerte Straße bis oben hin.

Ich hatte gelesen, die Straße sei sehr schlecht und sehr steil. Ich fand der Belag war noch besser wie auf meiner Hausstrecke (Schmelz) und die steilen Stücke (bis 21%) sind sehr kurz, also gut zu bewältigen. Außerdem war ich durch die Pause natürlich wieder gut erholt.

So konnte ich dann oben noch etwas die Aussicht genießen und sogar ein Zielfoto schießen (lassen).

Anschließend ging’s auf der andern Seite wieder runter in Richtung Titisee, um dann umzudrehen und die Steigung zur Feldbergpasshöhe von der anderen Seite zu befahren.

 Die ist nicht so fordernd, aber die Abfahrt in Richtung Todtnau macht dann richtig Spaß. Da die Strecke einen guten Belag hat, es wenig scharfe Kurfen gibt, und es oben steil genug ist, konnte ich selbst mit meinem antiaerodynamischen Hobel knapp 74km/h erreichen. Keine Sensation, macht aber wie gesagt tierisch Spaß. Und Abfahren muss ich natürlich für den Ötzi auch trainieren…

In Todtnau gibt es nochmal eine kleine Pause. Ich hoffe dabei, dass ich den gesperrten Straßenabschnitt mit dem Fahrrad doch fahren kann, denn sonst hätte ich ein ordentliches Problem und müsste über den Feldberg wieder zurück, und dann nochmal 50 Kilometer bis Freiburg und zurück zum Hotel.

Als ich die Straße erreiche ist sie komplett gesperrt und einige Dampfwaltzen glätten gerade den frischen Teer. Mist. Ich frage einen der Dampfwaltzenfahrer ob ich da drauf fahren dürfe. Er meint fahren nicht, das gäbe Riefen, aber laufen schon. Oje, den ganzen Berg hoch laufen??

Ich gehe ein paar Meter über den frischen Asphalt, als auch schon der entrüstete Vorarbeiter auf mich zukommt. Ich bedanke mich höflich für seine „Sicherheitstipps“ und nach kurzer Diskussion einigen wir uns, dass ich bis zur Teermaschine laufen und danach fahren kann. Die Straße ist dort abgeschliffen und für das Teeren vorbereitet, so dass ich durch eine zähe Masse radeln muss. Wäre ich der Materialfahrer, als der ein ehemaliger Göricke-Teamfahrer mich immer hinstellt, hätte ich mich an dieser Stelle mit dem Hubschrauber ausfliegen lassen.

Stattdessen bin ich froh, dass ich die Strecke fahren kann, auch wenn ich dem einen oder anderen LKW auf die Wiese ausweichen muss. Aber seine MTB Qualitäten hat mein Rennrad ja heute morgen schon unter Beweis gestellt!

Bis zum Parkplatz am Schauinsland sind es nochmal knapp 13 Kilometer, und so kann ich hier nochmal über 550 Höhenmeter sammeln. Hier weht allerdings überhaupt kein Wind, und ich habe das Gefühl in einem Glutofen zu fahren. Immerhin trete ich noch einen Schnitt von knapp 200 Watt. Die Apfelschorle an der Schauinsland Bahn sehne ich allerdings auf den letzten Kilometern doch sehr herbei.

Nach kurzer Pause geht es dann in die geile Abfahrt hinunter nach Bohrer (der Ort heißt wirklich so). Zwar kann ich die 70er Marke hier nicht mehr knacken, aber die Strecke ist einfach super zu fahren. Vor allem kann man hier auch Autos überholen, was manche überhaupt nicht mögen. Einer hat mir noch gefühlte fünf Minuten hinterher gehupt. Gerne hätte ich eine sachliche Diskussion mit dem Fahrzeugführer geführt, aber leider war er schon nach zwei Kurven abgehängt…

Zum Hotel muss ich nochmal einen ordentlichen 2 Kilometer langen Schlussanstieg bewältigen. Geht dann aber nach der entspannenden Abfahrt locker.

Durch das viele Trinken fällt es mir schwer, genug zu essen. Nach ca. 8 bis 9 Litern Flüssigkeit habe ich einfach nicht soviel Hunger. Aber für ein überteuertes Rehgulasch reichts dann abends doch noch.

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