Schauinslandkönig 2010

Sonntag 18.07.2010

Nachdem ich gestern schon tierisch Lust gehabt hätte ordentlich steilberghoch zu fahren, was aber natürlich nicht schlau gewesen wäre im Hinblick auf meine heutige Leistungsfähigkeit, muss ich mich auch heute erst mal zurücknehmen. Meine Startzeit ist erst so ca. 12:40 Uhr, d.h. bis dahin muss ich die Zeit irgendwie totschlagen.

Richtig lang schlafen kann ich zwar nicht, aber immerhin wache ich nicht praktisch mitten in der Nacht auf wie beim Glocknerkönig. Nach einem ausgiebigen Frühstück lege ich mich nochmal etwas hin. Mittagessen ist wohl unklug, also werde ich einen Energieriegel vorher beim Warmfahren essen.

Als Zielzeit habe ich mir 45 Minuten vorgenommen. Am Freitag bin ich ganz ordentliche 47 Minuten gefahren, und im Wettkampf sollte doch immer noch „was mehr gehen“. Mit den 45 Minuten sollte ich auch locker unter die besten 500 fahren können, was natürlich nach dem Glocknerkönig Ergebnis das Ziel ist. Allerdings ist der Schauinslandkönig wohl nicht so hochkarätig besetzt, sicher bin ich mir da aber nicht. (Die prognostizierte Zeit der Leistungsdiagnostik ist übrigens 41:30 Minuten).

Nach dem Auschecken im Hotel rolle ich gemütlich in Richtung Start. Es ist noch viel zu früh, und ich fahre mich eine halbe Stunde warm, immer Richtung Freiburg und zurück. Leider gibt es hier, wie bereits erwähnt, keine wirklich flachen Straßen, so dass das nicht ganz einfach ist. Einige haben eine Rolle dabei und fahren sich auf der warm, was natürlich optimal ist.

Nicht optimal ist allerdings die Organisation des Starts, so starten die Startnummern recht durcheinander, was auch daran liegt, dass man nicht sehen kann, welche Startnummer gerade startet, und es auch keine Ordner gibt, die das bisschen organisieren und auch keinen Moderator der sich da ein bisschen zuständig fühlt.

So kommt es, dass ich nach dem Warmfahren eine ganze Stunde im Startbereich stehe, bis es endlich losgeht. Allgemeiner Unmut der Starter wird mit Fachgesprächen untereinander überbrückt. Dass das mit dem Warmfahren dann wohl umsonst war, und auch dass der Energiegel bereits lange vor dem Start verpufft ist, und dass Skater es lieben Rennradler zu überholen (wird heute am Berg nicht passieren, jedenfalls mir nicht, eher fall ich tot vom Rad), und Rennradler es hassen von Skatern überholt zu werden usw.

Wie auch immer, irgendwann bin ich tatsächlich dran. Zuerst geht es auf die Waage vom Radlabor. Systemgewicht 90 Kilo. Ich habe nur eine halbe Trinkflasche vollgemacht und die Beleuchtung abmontiert, allerdings ist mein Fahrrad mit gut 10kg doch schwer, denn ich will ja anschließend noch weiter auf den Feldberg fahren, und da wollte ich auf Werkzeug, Schlauch und Luftpumpe nicht verzichten.

Da es ein Zeitfahren ist, starten alle Teilnehmer einzeln. Man steht auf einer kleinen Rampe, zwei Helfer halten einen fest, und mit eingeklickten Schuhen wartet man auf das Startsignal.

Das Warmfahren ist ja jetzt schon über eine Stunde her, und es geht gleich in den steilsten Abschnitt. Eigentlich suboptimal. Aber ich habe auch so die Schnauze voll vom warten, dass ich doch gleich ordentlich reintrete. Mein SRM Powermeter zeigt so um die 350 Watt. Kaum habe ich mir den vor mir startenden Mountainbiker geschnappt, da kommt auch schon ein Rennradler mit Kompressionsstrümpfen an mir vorbeigeschossen. Das kann doch nicht sein, dem gebe ich keine fünf Minuten und dann habe ich ihn wieder. 60er Trittfrequenz, größtes Ritzel 25 und wahrscheinlich nicht mal kompakt.

Ich fahre interessanterweise mit einer Trittfrequenz von meist über 90, was mir am steilen Berg dieses Jahr noch nicht oft gelungen ist. Liegt vielleicht an der „Aufregung“, jedenfalls ist das natürlich für mich optimal, so kann ich die Leistung immer gut über die Übersetzung und die Trittfrequenz kontrollieren.

Wie vorhergesehen, habe ich den Kompressionsstrumpfradler gerade wieder geschnappt, als ein anderer vorbeischießt. Der Tritt allerdings schön rund, und sowas um die 80. Aber in was für einem Gang, der Typ geht ab wie eine Rakete. Respekt! Nebenbei gibt es einige zu überholen, auch wenn hier die Fahrer eher vereinzelt auftreten, also fühlt es sich etwas anders an als am Glockner.

Durch die zwei Schnellen am Anfang, bleibe ich schon immer deutlich über 300 Watt und frage mich, ob ich nicht überziehe, aber es fühlt sich eigentlich ganz okay an. Schließlich darf man auch nicht zu lasch angehen, sonst verschenkt man wertvolle Zeit.

Die Tatsache, dass ich die Strecke schon kenne kommt mir sehr zu gute, so kann ich mich auf die steileren Abschnitte vorbereiten, und nehme die im Wiegetritt, und die anderen wie meist im Sitzen, und bleibe schön im Rhythmus. So kann ich doch den einen oder anderen aufsammeln. Bis Kilometer 6 ungefähr überholt mich auch keiner mehr.

Zwischendurch werden ordentlich Skater gesammelt… Irgendwo zwischen Kilometer 6 und 7 überholt mich ein Rennradler, der zwar flott vorbeizieht, aber dann nur wenig schneller ist wie ich. Ich versuche dranzubleiben. Er hatte zwar erst so 15 Meter Vorsprung, aber die kann ich über die nächsten zwei, drei Kilometer halten. Wir überholen einige andere Radler, dabei ist es interessant zu sehen, wie langsam man an die rankommt, selbst wenn man dann beim Überholen recht flott vorbeizieht.

Ich trete immer noch im Bereich um 300 Watt, mal etwas weniger, mal etwas mehr. Jetzt bei Kilometer 7 weiß ich, dass ich nicht einbrechen werde. Als es dann die letzten drei, vier Kilometer etwas flacher wird, versuche ich draufzuhalten. Ab und zu stehen ein paar Zuschauer am Straßenrand und feuern an. Auch wenn es nicht viele sind, so ist das doch sehr motivierend.

So ca. bei Kilometer 9 verliere ich etwas den Anschluss an den anderen Radler. Er setzt sicht zwar nur sehr langsam aber stetig ab. Dabei halte ich wirklich drauf, und versuche alles rauszuholen was geht. Dann sind es noch so ca. 1500 Meter und ich komme wieder etwas näher, aber nur laangsam.

Der Zielbereich ist jetzt sichtbar, bzw. die Kurve davor, ich kämpfe was geht, aber er ist wohl nicht mehr zu holen, egal, weiterkämpfen, zwischendurch hatte ich mal das Gefühl ich könnte vielleicht sogar die 40 Minuten Grenze knacken, aber das wird wohl knapp, egal weiterkämpfen, jetzt stehen auch ein paar mehr Leute an der Straße und feuern an, weiterkämpfen…

Da kommt plötzlich noch so eine Rakete an mir vorbeigeflogen. Mist! Den hatte ich gar nicht gesehen, ich versuche mich dranzuhängen für die letzten paar Meter, und dann ist auch schon die Ziellinie da. Der Sprecher sagt irgendwas von 42nochwas, den Rest habe ich nicht verstanden. Ich muss erst mal vom Rad und durchschnaufen. Fühlt sich gut an. Vielleicht wäre sogar noch ein Tick mehr gegangen, aber das war schon ganz ordentlich.

Jetzt schnappe ich mir erst mal zwei Drinks, die dort im Zielbereich gereicht werden, und dazu zwei Stück Kuchen. Die Kohlenhydrate diffundieren noch in der Hand direkt ins Blut.

Nach einem kurzen Schlendern über die paar Stände die im Zielbereich aufgebaut sind, mache ich mich hinunter Richtung Todtnau. Gestärkt durch den Kuchen, brauche ich auch kein Mittagessen, sondern will erst auf den Feldberg und dann auf dem Rückweg irgendwo „schön sitzen“.

In Todtnau angekommen geht’s gleich weiter Richtung Feldberg, und es geht trotz des Verausgabens vom Schauinslandkönig erstaunlich gut. Sogar besser als am Freitag. Ich beschließe aber nicht bis auf den Gipfel zu fahren, denn die 17% Steigung ganz oben will ich mir nicht antun, ich will ja Kraftausdauer trainieren und mir nicht wehtun…

Erstaunlich, dass ich es tatsächlich schaffe so vernünftig zu sein. Ich fahre über die Passhöhe, bis hoch zum Hotel, also dem höchsten „normal“ zu erreichenden Punkt und dann gleich wieder zurück. Die Abfahrt zurück nach Todtnau nehme ich dann eher locker, ist eh viel Verkehr, für knappe 74 km/h reichts dann aber doch.

In Todtnau esse ich nur was, weil ich denke dass es schlau wäre, aber das kleinste Übel ist Schnitzel mit Pommes (das zweitdümmste was man mit Kartoffeln machen kann…), und obwohl ich nicht sonderlich viel davon esse, merke ich auf der jetzt folgenden Auffahrt zurück Richtung Schauinsland doch wie mein Magen etwas rumort. Ich verbuche es als Leidenstraining für den Ötztaler…

Der Berg selbst geht allerdings auch erstaunlich gut, wie schon der Feldberg. Ob ich beim Schauinslandkönig nicht alles gegeben habe? Wie auch immer, als ich an der Abzweigung am Notschrei bin, fahre ich entgegen dem ursprünglichen Plan nicht runter nach Freiburg, sondern zurück zum Schauinsland, denn ich habe beschlossen das Abfahrverbot nicht mit dem riesen Umweg zu umgehen, sondern ich werde einfach mit der Schauinslandbahn runterfahren.

Als ich dort ankomme ist der Zielbereich allerdings schon abgebaut, so dass ich doch abfahren kann. Ich fahre die Strecke praktisch komplett allein. Zusammen mit der beginnenden Abendsonne und der Zufriedenheit über das Rennen ein schöner stimmungsvoller Moment.

Der Schlussanstieg zum Hotel geht dann auch noch, und so kann ich zufrieden auf über 2200 Höhenmeter zurückblicken.

Interessant ist die Auswertung der Schauinslandkönig Ergebnisse. Meine Zeit ist 42:17 Minuten, liegt also sehr nahe bei den prognostizierten 41:30 Minuten. Es hat damit für den 251. Gesamtplatz greicht, in meiner Altersklasse für den 42. Platz. Der Sieger ist übrigens 31:36 Minuten gefahren.

Die durchschnittlich getretene Leistung laut SRM liegt bei 297 Watt. Das ist schon ein ganz schöner Fortschritt gegenüber den 240 Watt vom ersten Versuch vor gut einer Woche. Und ich bin extrem gespannt, was die Radlabor Leute mir für eine Ötzi Zeit vorhersagen.

Geiles Wochenende! Jetzt ist aber Schluss mit Kinderbergen. Nächste Woche geht es endlich wieder in die Alpen!

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