Streckenerkundung ohne Rad

Einen weiteren Tag aussetzen, wieder schonen, etwas frustrierend ist das schon. So beschließe ich, da ich eh nicht schlafen kann mit dem Auto nach Güejar Sierra zu fahren.

Auf dem Weg dorthin komme ich am Abzweig nach Quentar vorbei. Mir ist letztes Jahr schon aufgefallen, und auch vorgestern war das so, dass dort immer recht viele Rennradler herunterkommen. In der Tat ist es so, dass eigentlich nur wenige Radfahrer die nach Granada rein oder raus fahren die Strecke in Richtung Sierra Nevada fahren, sondern die biegen alle hier ab oder kommen eben von dort.

Das macht mich natürlich neugierig, möglicherweise ein Geheimtipp?

So beschließe ich die Strecke mit dem Auto mal zu erkunden, vielleicht ergibt sich ja was für den Tag an dem ich endlich wieder auf dem Rad sitzen kann…

Was für eine gute Entscheidung. Zunächst geht es ca. fünf Kilometer eher flach bis wellig auf einer wunderschönen Strecke mit hervorragend gutem Straßenbelag. Dann kommen ein paar Serpentinen und es geht ordentlich berghoch für ca. zwei bis drei Kilometer, dann flacht es zunächst wieder ab, bevor es weiter berghoch geht.

Die Landschaft wird mit jedem Kilometer beeindruckender, es tun sich Ausblicke auf, die man nicht beschreiben kann, es geht dann an einem türkis schimmernden Stausee vorbei, und die Straße ist dabei von Streckenführung und Belag einfach sensationell. Ich werde regelrecht euphorisch.

Fast kein Verkehr, nur immer mal ein Hinweis für die Autofahrer, dass hier Radfahrer unterwegs sind. Was für eine Hammerstrecke. Die muss ich auf jeden Fall nochmal mit dem Rad fahren. Mit die schönste Radstrecke, die ich je gesehen habe.

Zwanzig Kilometer lang, dann hat man die Passhöhe des Los Blancares auf 1297 Metern Höhe erreicht.

Nun geht es weitere neun Kilometer bergab bis nach La Peza. Die Strecke ist wirklich atemberaubend schön, selbst mit dem Auto.

Diese Straße (GR-3201) mit ihren knapp 31 Kilometern Länge ist DIE Rennradstraße überhaupt. So zumindest mein Eindruck aus dem Auto. Ich kann es nicht erwarten das mit meinem Rad zu überprüfen.

La Peza ist, wie ich zunächst nicht bemerke, ein andalusisches Bergdorf. Ich merke es, als ich mich total verfahre und irgendwelche engen Gässchen fahre, durch die kaum ein Auto durchpasst, bis ich im Nirgendwo lande und selbst in den Serpentinen zurücksetzen muss, weil ich sonst nicht um die Ecken komme.

Irgendwie finde ich aber wieder zurück auf die Straße und an einer Tankstelle gibt es auch ein Café. Dort gönne ich mir zwei Café con leche und und zwei Tapas, was mich 4 (in Worten vier!) Euro kostet. Touristisch erschlossen ist hier gar nichts, außer mir sind hier nur ein paar Bauarbeiter die Siesta machen und ein Dorfpolizist.

Wahnsinn, diese Strecke müsste in jedem Rennradmagazin promotet werden – aber vielleicht auch nicht. So haben die „Locals“ hier ihr Traumrevier zum Trainieren.

Auch auf der Rückfahrt in Richtung Granada bin ich ob meiner Entdeckung noch ziemlich aufgedreht. Zwar spüre ich die nervige Erkältung, die „in den Knochen sitzt“, aber jetzt bin ich gierig auf noch mehr Radstrecke.

So beschließe ich eine weitere Aufstiegsvariante in Richtung Pico Veleta abzufahren. Und nachdem ich mir unten die Auffahrtmöglichkeiten auf die 395 genau angeschaut habe, um herauszufinden ab wo genau man die denn mit dem Rad befahren darf, fahre ich bis zum Abzweig Güejar Sierra auf der 395 nach oben und biege dann auf die 4025 ab.

Von dieser Strecke hatte ich zwar vermutet, dass sie auch nach oben führt, und sogar wo sie wieder auf die 395 trifft, aber ich hatte noch keine Gelegenheit das zu testen. Jetzt fahre ich die mit dem Auto ab, und die Vermutung bestätigt sich. Insgesamt etwas kürzer aber auch deutlich steiler als die Standardroute. Aber wunderschön.

Ich fahre dann ganz hoch bis zu den Buden „Hoya de la Mora“. Dort parke ich mein Auto, ziehe die Trekkingschuhe an, kaufe mir eine kleine Tafel Schokolade und gehe bergauf. Natürlich ist mein Impuls bis auf den Gipfel zu laufen, aber erstens ist es schon recht spät, und zweitens will ich mich ja schonen, so belasse ich es dabei bis zur alten verlassenen Sternwarte zu wandern, mir die etwas genauer anzuschauen, dann zum Denkmal rüberzulaufen und gehe nach ein paar Fotos wieder zurück.

Nach einem Tortilla Sandwich und einem weiteren Café con leche fahre ich die A-395 hinunter bis zum Abzweig Monachil. Jetzt muss ich mir die Sturzstelle vom letzten Jahr genau anschauen.

Auch mit dem Auto hat die fantastische Landschaft in der ich mich bis jetzt bewegt habe ihren Eindrücke hinterlassen. Vor allem die paar Wanderkilometer oben an der alten Sternwarte, immerhin rund 2500 Meter hoch. Höhe ist einfach durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Höhe…

Nun aber bin ich erst mal beeindruckt davon, wie anspruchsvoll und schwer die Strecke nach Monachil zu fahren ist. Letztes Jahr habe ich die eigentlich recht locker genommen. Dann komme ich an die Stelle wo es passiert ist.

Ich parke mein Auto und gehe den ganzen Teil ab. Die Stelle ist wirklich böse. Dabei sieht sie unglaublich harmlos aus. Deshalb war mein Eindruck nach dem Studium mit Google Streetview auch, dass ich mich total dämlich angestellt habe. Aber ganz so einfach ist die Sachlage nicht, denn genau dort wo es richtig steil mit ca. 18% bergab geht, fährt man mit dem Fahrrad durch drei wenig gekrümmte Kurven praktisch gerade aus, und nimmt so enorm Tempo auf, dann kommt eine Kurve, die von oben kommend völlig anders aussieht als sie tatsächlich zu fahren ist.

Genau das ist mir zum Verhängnis geworden. Wirklich fies. Ich gehe die Stelle mehrmals ab, mache etliche Fotos und Videoaufnahmen und versuche nachzuvollziehen was ich falsch gemacht habe, was recht einfach ist. Versuche aber auch herauszufinden ob ich den Sturz noch hätte verhindern können.

Ich glaube eher nicht, vielleicht hätte ich ihn um eine Kurve verschieben können, einhergehend mit dem Risiko auf der Gegenfahrbahn frontal mit einem evtl. entgegenkommenden Fahrzeug zusammenzustoßen. Da kam zwar letztlich keines, aber das konnte ich ja bei meiner Entscheidung maximal zu bremsen und die Kurve nicht zu versuchen nicht wissen.

Das Ganze hat mich natürlich sehr beschäftigt und ich bin froh, dass ich die Strecke erst nochmal mit dem Auto abgefahren bin, bevor ich nochmal mit dem Fahrrad da lang fahre. Denn auch im weiteren Verlauf muss ich sagen die Abfahrt hat es wirklich in sich, die ist schon recht gefährlich wenn man sie nicht wirklich gut kennt.

Ich hatte letztes Jahr tatsächlich die Idee, dass man hier nach dem zweiten 18% Stück vielleicht die 100 km/h mit dem Fahrrad erreichen kann, aber das ist totaler Quatsch, viel zu früh kommen dort enge und zumachende Kurven. Diese Abfahrt kann man wirklich nur mit Vorsicht fahren, den Spaß am Speed muss man sich woanders holen.

Aber landschaftlich ist diese Strecke genau so ein Hammer wie das was ich heute mittag gesehen habe. Mittlerweile bin ich von den ganzen Eindrücken so erschlagen, dass ich total müde bin. So fahre ich hinunter nach Granada ins Hotel, hole mir Lachs und O-Saft im Lidl nebenan und hoffe darauf, dass ich morgen wenigstens halbwegs fahren kann, wenn schon nicht auf den Pico Veleta, so doch wenigstens die neu entdeckte, etwas weniger heftige, Strecke über den Puerto de Los Blancares.

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