Tag 05 Lyndhurst-Salisbury-Stonehenge-Dorchester

Wetter: morgens bewölkt, teils sonnig 4 bis 8°, nachmittags meist sonnig 8-15°
Tageskilometer: 137
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 477
Tages-Fahrzeit :7:41 h
Gesamte Fahrzeit: 28:40 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,8km/h
Tageshöhenmeter: 1696
Gesamt Höhenmeter: 4622
Maximale Steigung 20%
Maximalpuls: 165
Durschnittliche Pulsfrequenz: 131

Mit dem Morgentee und einem Haferkeks geht’s los und um viertel nach sieben sitze ich auf dem Fahrrad. Es geht weiter durch den New Forrest, Das Wetter ist trocken, leicht bewölkt, aber die Wolken sind hoch und die Sonne deutet sich von Zeit zu Zeit an.

Der New Forrest ist erstens nicht neu, und zweitens kein reines Waldgebiet. Vielmehr bestehen größere Teile davon aus Moor und Heide. Es gibt einiges an Wild in diesem Gebiet, zu sehen bekomme ich neben den Fasanen vor allem die halbwilden Ponys die hier zu hauf am Straßenrand stehen und in aller Ruhe grasen.

Die Landschaft ist fantastisch, die Morgensonne taucht immer gerade im rechten Moment auf und taucht die Szenerie in spektakuläres Licht, und das Fahrrad läuft klasse. So schalte ich die Steigungen, die meist im einstelligen Bereich bleiben einfach weg.

So gegen neun erreiche ich Salisbury. Es ist Sonntagmorgen und friedliche Stille liegt über der Stadt und der Kathedrale, die majestätisch vor mir steht.

Ein mittelalterlich Bau, Gotik wie im Bilderbuch. Der Bau ist innen sehr hell, wie Gaudi in Barcelona haben auch hier die Baumeister die oberen Fenster schlicht weiß gehalten, was der Atmosphäre etwas freundliches gibt.


Interessant ist auch ein Brunnen, dessen extrem ruhige Wasseroberfläche auf den ersten Blick wie ein Spiegel aussieht.


Nach der Besichtigung der Kathedrale gibt’s Frühstück in der Stadt, bevor es weiter geht zum Old Sarum, die ursprünglich Stadt die für Salisbury aufgegeben wurde. Heute nur noch ein Hügel mit einer Burgruine. Aber ein fantastischer Platz mit Blick auf Salisbury.


Von hier geht es weiter Richtung Amesbury, das Ziel heißt Stonehenge. Das erste mal, dass ich nicht englische Touristen sehe. Ich bin überrascht, dass es nicht größer ist. Muss man auf jeden Fall gesehen haben, aber die touristische Erschließung ist nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich würde gerne hingehen und anpacken, aber man kann nur in recht weitem Abstand drumherum laufen. Der Platz ist ein typischer „höchster Punkt“, gibt’s in Waldgirmes auch, allerdings hat sich niemand die Mühe gemacht da tonnenschwere Steine hinzuschleppen.


Nach kurzer Stärkung geht’s von hier aus weiter wieder etwas Richtung Süden. Der sinnvolle Weg ist eine viel befahrene Schnellstraße. Ich habe mich mittlerweile ganz gut daran gewöhnt, umgekehrt ist das aber bei den anderen Verkehrsteilnehmern noch nicht immer der Fall. Manchmal fahren die Autos doch recht knapp an mir vorbei.
Die Rechnung, dass solche Straßen mit nur moderaten Steigungen und Gefällen gebaut werden, geht in fast jedem anderen Land auf, nicht aber in England. Hier wir einfach ein Schild hingestellt „12% slow lorries ahead“ und gut ist. Gerade wenn man sich im zweiten oder gar ersten Gang mit teilweise nur 8 km/h den Berg hochschleppt muss man doch recht aufpassen nicht mal nach rechts zu wanken wo gerade der SUV mit Anhänger vorbeirauscht.
Anyway, irgendwann erreiche ich die 350 wo etwas weniger Verkehr herrscht. Die vielen Steigungen und der Verkehr haben ganz schön geschlaucht, aber jetzt fahre ich Richtung Dorchester durch die eigentlich herrliche Landschaft von Dorset. Eigentlich deshalb, weil ich es zunächst nur teilweise genießen kann, da es ständig Rampe runter, Rampe rauf geht. Ich merke wie die Beine immer weniger „Körner“ haben, und das Tempo geht extrem runter. Während ich morgens noch mit einem Schnitt von über 18 die Steigungen hochgezogen bin, versuche ich jetzt nur noch irgendwie die nächste Steigung hochzukommen und auf der Abfahrt etwas zu regenerieren. Ich setze mir Brandford Forum als Ziel und will in Shaftesbury Pause machen. Die Landschaft ist hier wirklich klasse, so stell man sich das vor in Südengland, und so macht es trotz der Quälerei auch Spaß.


Irgendwann geht’s aber an die Substanz. Der flache Lahnradweg war wohl doch nicht die optimale Vorbereitung… Ich versuche es mit Isogetränk, Gel und Riegel, aber die Grenze scheint erreicht. Nachdem ich in Shaftesbury nicht sofort was finde, schleppe ich mich noch bis Fontmell Magna. Im Pub gibt’s erst mal zwei riesen Sandwiches und umgerechnet 4 Tassen Tee. Außerdem werden die Trinkflaschen aufgefüllt. Ich versuche die wohlige Müdigkeit etwas zu genießen und zu regenerieren.


Die haben auch B&B im Pub, aber mein Ziel Brandford Forum will ich schon noch erreichen. Gleich hinterm Pub geht’s mit einer fetten Steigung weiter.
Aber die Landschaft wird jetzt noch besser und nach und nach finden sich meine Beine mit den Steigungen ab. Nach einer viertel Stunde scheinen das Gel und die Sandwiches die Kohlehydratspeicher erreicht zu haben. Irgendwie finde ich tatsächlich einen Rhythmus, so dass die Abfahrten mir eher unangenehme Unterbrechung sind denn Erholung, einfach treten, das Rad läuft sowieso, die Beine auf einmal auch. In Brandford Forum angekommen, findet sich auch ein einladendes Hotel, aber ich beschließe weiterzufahren.


Die Sonne scheint, irgendwie geht’s auf einmal, da gilt „jede Rampe die ich heute fahre brauche ich morgen nicht zu fahren“. Und so fahre ich weiter, die Steigungen haben jeden Schrecken verloren, 12%? egal, geht im 3., wenn nicht halt im 2. 8%? egal, das ist die pure Entspannung, 14%? egal, dann halt im ersten und schön links bleiben…
Und so komme ich tatsächlich irgendwann in Dorchester an. Unterkunft ist auch kein Problem.


So langsam komme ich wohl doch in Schwung. Die Knie haben bis jetzt auch erstaunlich gut mitgemacht. Alles in allem ein sehr anstrengender aber klasse Tag.

Hier mal zur Veranschaulichung das Höhenprofil der heutigen Tour:

2 Kommentare

  1. Hi Guido,
    wie es aussieht hast du Spaß ;-)) Und einigermaßen schönes Wetter – aber bei uns scheint auch die Sonne aus allen Knopflöchern. Bezüglich des Frühstücks kann man geteilter Meinung sein… Da lobe ich mir doch Tapas ;-)). Lieben Gruß aus Gießen

  2. Lieber Guido,

    Du gehst leider fehl in Deiner Annahme. Auf dem Waldgirmeser „Höchsten Punkt“ HAT jemand tonnenschwere Steine geschleppt und aufgestellt. Im Zuge der Reparationszahlungen sind diese aber dann in England gelandet…

    Gruß

    Peter