Tag 19 Cardiff – Llandrindod Wells

Wetter: sonnig 13 bis 15°
Tageskilometer: 119
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 1546
Tages-Fahrzeit :6:31 h
Gesamte Fahrzeit: 89:58 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,2km/h
Tageshöhenmeter: 1709
Gesamt Höhenmeter: 20131
Maximale Steigung 18%
Maximalpuls: 173
Durschnittliche Pulsfrequenz: 136

Auch heute morgen ist es mit der Erkältung, Grippe oder was auch immer nicht wirklich besser. Aber noch eine Nacht dranhängen will ich auf keinen Fall. Ich schaue also noch gemütlich Formel 1 auf BBC und frühstücke dabei einen Energieriegel. Ich rede mir ein, dass der Körper dann noch etwas mehr Zeit hat gesund zu werden.

Dass das völliger Blödsinn ist merke ich schon als ich mein Fahrrad die paar Stufen die Treppe runtertrage. Danach sind die frischen Klamotten schon komplett durchgeschwitzt, so komme ich in den Walisischen Bergen keinen Kilometer weit.

Anyway, das Wetter ist sehr schön, blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Es geht so etwa 5 Kilometer die Stadt raus, völlig eben, kein Gegenwind und es fühlt sich an als würde ich steile Berge hochfahren. Völlig seltsam, wenn die Beine völlig locker treten, während der Rest schnauft und keucht, jeder Atemzug tut weh und nach kurzer Zeit beschließe ich, dass es keinen Zweck hat. Ich muss wohl oder übel hier irgendwo weitere Nächte nehmen und mir vom Arzt mal was richtiges verschreiben lassen, die 24 Stunden Nurse hat völlig versagt.


Kurz bevor es in die „Berge“ geht, kommt ein Best Western Schild und ich zögere kurz. Aber es ist Sonntag, und jetzt hier ein paar Tage verbringen? Ich fahr erst mal den Berg hoch, was sich als echte Aufgabe erweist. Nicht wegen dem Berg, sondern wegen meines Zustands, und so schiebe ich ungefähr 15m bis oben hin. Wenn ich so weiter krieche brauche ich drei Wochen um Wales zu durchqueren.
Den nächsten Berg nehme ich genauso langsam, mit einigen Pausen, aber immerhin ohne Schieben. Bis auf’s Atmen klappt es gut. Und so fahre ich einfach immer weiter.


In Südengland habe ich immer gehört „Oh mein Gott du fährst durch Wales? It’s very hilly…“ Blödsinn, hier sind die Hügel eher Berge, wenn auch kleine. Aber der gewaltige Unterschied ist, dass die Straßen hier durch die Täler zwischen den Bergen geführt werden. Und wenn es über die Berge geht, dann gibt es Serpentinen und lange, dafür aber machbare Steigungen.


Das ist eine wirklich angenehme Überraschung. So kann ich trotz allem die fantastische Landschaft in Wales genießen. Etwas spektakulärer als in Südengland, manchmal erinnert mich die Landschaft an die Vesterolen, manchmal an Landschaften wie man sie in amerikanischen Roadmovies gesehen hat.



Die Fahrt durch die Brecon Beacons, bzw. den Brecon Beacons Nationalpark ist einfach klasse. Von Brecon geht es weiter nach Builth Wells. Die Steigungen sind alle machbar, und die Beine sind gut. Irgendwann tut auch das Atmen nicht mehr weh, und so beschließe ich sogar noch weiter zu fahren bis Llandrindod Wells, ein Städtchen welches im 19. Jh. mal eine kurze Blütezeit als Spa hatte.










So kommen doch fast 120 Kilometer und 1700 Höhenmeter zusammen. Da ich mich noch etwas verfahren hatte, bin ich recht nahe an Hay on Wye vorbeigekommen, aber mir steht der Sinn nicht nach exzentrischen Kleinkönigen und Büchern. So lasse ich diesen Abstecher. Die Landschaft in Wales ist mir absolut genug. Und in Llandrindod Wells finde ich ein schönes und preiswertes B&B in einem Pub.

Hier höre ich auch erstmals Waliser einfach so walisisch sprechen, in Cardiff kam das überhaupt nicht vor und die Filme im Museum die in der Nationalsprache gezeigt wurden waren alle komplett leer. Ich bin immer noch nicht überzeugt, dass man wirklich alles zweisprachig gestalten muss, wenn doch jeder englisch versteht und spricht…

Auch das Englisch der Waliser muss man erst mal verstehen, je nach Alkoholisierungsgrad hört sich das auch wie walisisch an. :)

Die Leute sind hier etwas spröder wie in Cardiff, ich würde sagen die hälfte wirkt sehr freundlich, wie die Engländer in Cornwall, die andere Hälfte guckt immer erst mal etwas misstrauisch. Auch erlebe ich etwas, was ich in England schon ein paar mal hatte, dass Leute aus einem vorbeifahrenden Auto versuchen mich zu erschrecken. Ziemlich strange, was das soll kann ich nicht recht einordnen. Es ist jedenfalls keine typische Form des britischen Humors. Auch das Ziel eines Pumpgunwasserpistolenangriffs aus einem vorbeifahrenden Auto bin ich geworden. Da ich gerade langsam den Berg hoch geschlichen bin, war ich da natürlich ein leichtes Opfer. Die Jungs im Auto haben sich kaputtgelacht, mir blieb nur ein gefluchtes F… y…

Das sagt natürlich nichts über die Gastfreundschaft hier im Allgemeinen aus, aber Großbritannien ist nicht Skandinavien.

Anyway, nach dem Essen, übrigens meinem letzten Versuch hier ein Steak zu essen, man bekommt egal wie man es bestellt immer zähes Schuhleder auf den Teller, geht’s früh ins Bett. Von wegen auskurieren uns so.

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