Tag 20 Llandrindod Wells – Aberystwyth – Aberdovey

Wetter: sonnig 10 bis 15°
Tageskilometer: 114
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 1660
Tages-Fahrzeit :6:06 h
Gesamte Fahrzeit: 96:04 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,7km/h
Tageshöhenmeter: 1583
Gesamt Höhenmeter: 21714
Maximale Steigung 13%
Maximalpuls: 160
Durschnittliche Pulsfrequenz: 129

Nachdem das Frühstück heute etwas länger gedauert hat, da die Landlady darauf bestand jeden „Gang“ erst dann zuzubereiten, wenn ich mit den vorherigen aufgegessen hätte, damit alles frisch ist, fahre ich zunächst über die 4081 nach Rhayader. Mein Mindesttagesziel ist Aberystwhyth, hier muss ich einfach vorbeifahren, denn das ist immerhin der einzige Ort in Wales außer Cardiff, der mir schon immer geläufig ist.


Bei Rhayader muss ich eine Entscheidung treffen, große A-Straße (ähnlich wie Bundesstraße) oder kleines gelbes Teil (auf der Karte). Ich entscheide mich für die kleine gelbe, die zwar der direktere Weg zu sein scheint, aber auch mitten durch die auf die Karte gemalten Berge führt.
Wie sich rausstellt, heißt sie auch Mountainroad nach Aberystwyth. Egal, das verspricht doch einiges an schönen Aussichtspunkten und mittlerweile habe ich mein Vertrauen in die Vernunft der Straßenbauer wieder gefunden.


Es geht zunächst durch das Elan Valley. Und dazu fällt mir nur ein, das muss man sich auf jeden Fall anschauen.


Die Steigungen sind teils sehr sehr lange, aber immer machbar, die Strecke an sich ist fantastisch. Anscheinend auch sehr beliebt bei Oldtimerfahrern. Ich hätte aberdutzende Fotostopps machen können, genieße aber lieber die herrliche Landschaft und einen guten Rhythmus beim Fahren.



Wales ist wirklich ein sehenswertes Land, nicht ganz so spektakulär wie Norwegen, erinnert mich aber teilweise etwas daran. Auch vom Fahren her ähnlich, viele Höhenmeter aber alles irgendwie machbar.






Der erste Besichtigungspunkt ist die Devilsbridge. Hier wurde über einer schmalen tiefen Schlucht bereits im 12. Jh. eine Brücke gebaut. Später wurde eine weitere Brücke einfach obendrüber gebaut. Und als dann wiederum eine neue Brücke gebaut wurde, wurden die beiden alten nicht abgerissen, so dass dort drei Brücken übereinander gebaut sind.


Ursprünglich wollte ich von hier bis Aberystwyth mit einem kleinen Zug weiterfahren. In Wales ist zwar die normale Bahn nicht sonderlich gut ausgebaut, es gibt aber einige kleine private Strecken, rein touristische Panoramabahnen. Die schönste davon soll die von Aberystwyth zur Devilsbridge sein.
Das bestätigt mir auch die nette Lady am Kassenhäuschen der Brücke. Leider teilt sie mir auch mit, dass die Bahn heute nicht fährt, und dass die sowieso keine Fahrräder mitnimmt. Schade, aber wenn ich die Strecke weiterfahre, fahre ich ziemlich entlang dieser Bahnstrecke, also kriege ich das Gleiche zu sehen, muss halt nur selbst treten…

Nach einem netten Plausch mit der Kassenlady, zahle ich ein Pfund und kann die Schlucht hinuntersteigen um die Devilsbridge anzuschauen. Anschließend gönne ich mir noch Cream Tea im Hotel bei der Brücke, wo man draußen sitzen kann und die Wasserfälle hört, die unterhalb der Brücke ins kleine Tal stürzen. Sehen kann man sie leider nicht, dass wäre nochmal eine Wanderung von einer Stunde gewesen, die ich mir erspare.

In einem kleinen Geschäft im Ort fülle ich noch meine Wasservorräte auf, und komme dabei mit einem netten Herrn ins Gespräch, der wie sich herausstellt in Göttingen studiert hat. Wir unterhalten uns über Wales und er stimmt mir zu, dass Wales ein sehr schönes Land ist, aber „there’s nothing to make a living from“. Hm, Schafe? Ja Schafe aber sonst leider nichts. Als wir gerade in die Politik einsteigen und die aktuelle Finanzkrise diskutieren kommt ein Wanderer vorbei. Auf den ersten Blick hätte ich auf Alkoholiker getippt, da er doch recht ausgemergelt scheint.
Nach eigenen Angaben durchwandert er aber gerade alle vier Teile von Wales und macht das für Charity. Angeblich hat er schon eine halbe Million Pfund erwandert, und für jeden Tag den er wandert überweist jemand einen fünfstelligen Betrag an seine Charityorganisation.
Ob’s stimmt oder nicht, jedenfalls zeigt er uns auf einer Karte wo er schon lang gelaufen ist, und flucht über einen elenden Berg, den er vier Stunden hochgelaufen ist. Ups, genau da führt meine Route auch entlang.
Naja, der eine steigt in seinen Volvo Kombi, der andere wandert in den angrenzenden Pub und ich fahre weiter Richtung Aberystwyth.


Die weitere Route erweist sich nicht als weniger schön wie der bisherige Teil. Vielleicht sogar noch spektakulärer. Die Kamera wird leider ihrem hohen Preis nicht gerecht und macht keine guten Bilder, so dass ich mir nicht sicher bin ob die Landschaften so rüber kommen. Aber bei traumhaftem Wetter ist das hier wirklich fantastisch.



Und dann kann man von der Hügelkette auf der die Straße verläuft auch schon Aberystwyth sehen. Und als ich nach einer schönen Abfahrt in die Stadt runterkomme, bin ich wirklich überrascht.


Aberystwyth ist eines der schönsten Seebäder an der britischen Küste. Die Ruinen eines alten Castles sind ein kleiner Park, wo man vor Wind geschützt auf Bänken auf’s Meer und die Promenade schauen kann, oder in die andere Richtung auf einen großen Sandstrand. Ein nicht riesiges aber doch beeindruckendes Unigebäude, einige lebhafte Einkaufsstraßen, eine Zahnradbahn auf einen Aussichtshügel und nicht zuletzt eine schöne Uferpromenade mit breitem Sandstrand davor.




Hier kann man wirklich ein paar Tage verbringen. Mach ich aber nicht, sondern genieße das fantastische Wetter und die Ruhe, die der Ort ausstrahlt. Bei Steak Pie und Tee sonne ich etwas auf der Promenade, gondele noch etwas durch Städtchen und fahre dann weiter in Richtung Machynlleth.
Bei der Fahrt aus Aberystwyth versucht wieder mal ein Autofahrer mich zu erschrecken. Und zu meinem Erstaunen auch zwei Fußgänger. Völlig seltsam, so manche sind schon ein bisschen komisch hier.

Anyway, ich will diesmal gerne am Meer übernachten und versuche bis Tywyn weiterzufahren, habe aber bei Aberdovey dann genug.



Das Hotel im Ort ist fully booked und beim einzigen B&B, dass ich an der Straße zum Wasser hin finde, ist nur noch ein Zimmer frei. Eher eine Familysuite, aber der Preis ist so moderat, dass ich keine Sekunde zögere. Hohe Decken, lichtdurchflutet, Blick auf’s Meer, alles sauber und hübsch, Luxus pur.


Wales in der Nebensaison (hier geht’s erst so im Mai los) ist wirklich bezahlbar, auch eine angenehme Überraschung.

Kommentare sind deaktiviert.