Tag 26 Kilkenny – Cashel – Fermoy

Wetter: bewölkt, manchmal regen, morgens 10 bis 12° nachmittags 9°
Tageskilometer: 111
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 2104
Tages-Fahrzeit :6:07 h
Gesamte Fahrzeit: 118:29 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,2km/h
Tageshöhenmeter: 1015
Gesamt Höhenmeter: 26104
Maximale Steigung 13%
Maximalpuls: 161
Durschnittliche Pulsfrequenz: 131

Am Morgen nach dem Frühstück besuche ich noch das Castle in Kilkenny, da ich ja gestern 10 Minuten zu spät war. Leider darf man nicht fotografieren, aber erwähnenswert ist auf jeden Fall die Long Gallery ein 150 Meter langer Festsaal, dessen Decke etwas an die Stabkirchen in Norwegen erinnert. Auch die Küche ist beeindruckend dimensioniert. Wenn auch nicht so technisch raffiniert ausgestattet wie die des Royal Pavillion in Brighton.


Von Kilkenny geht es Richtung Cashel. Erst ein Stück N76 und dann über die 691. Die Straße ist ganz gut zu fahren, da nicht so viel Verkehr ist, allerdings ist sie teils sehr schlecht. So einen Kilometer ist mir das egal, aber wenn’s zehn und mehr Kilometer rüttelt, dann geht es einem doch etwas auf den Geist. Anyway, das Profil ist so wie ich mir das eigentlich in Südengland vorgestellt hat, recht wellig bzw. hügelig, nur ohne diese 20 Prozent Schocker zwischendrin.



So gegen zwei erreiche ich Cashel. Und der Rock of Cashel macht wirklich Eindruck. Der Baedeker meint die Ruinen vermitteln immer noch „Macht und Würde“. Ich finde das trifft es ganz gut.


Es gibt einen ganz interessanten Film zur Geschichte des Rock of Cashel zu sehen. Diesmal komme ich zufällig genau richtig zum Start. Die Lage des Rock ist fantastisch, man kann die ganze Landschaft ringsum überblicken, was in dieser Intensität ein erhebendes Gefühl vermittelt.



Die Ruinen selbst geben mir die Gelegenheit, nachdem ich in Barcelona eine bedeutende Kathedrale in der Entstehung beobachten konnte, hier eine bedeutende Kathedrale in ihrem Verfall zu sehen. Ein interessante Abwechslung zu den bisherigen Kathedralen.



Allerdings zieht es ordentlich durch Ruinen, so dass mir in den geschwitzten Klamotten ordentlich kalt wird. So gibt’s erst mal warme Suppe und heißen Tee. Das schöne auf dieser Tour ist, dass man alle paar Kilometer eine Übernachtungsmöglichkeit hat, so dass man immer spontan entscheiden kann wieviel Kilometer man noch machen will. Ich beschließe soweit Richtung Cork zu fahren wie möglich und muss dazu auf die N8. Scheint zunächst auch kein Problem zu sein, alles ausgeschildert.
Irgendwann werden die Schilder allerdings zu Hinweisen auf die M8. Das bedeutet Autobahn, was ich natürlich vermeiden muss. Auf meiner Karte gibt’s die gar nicht. Na das wird wohl irgendwie parallel verlaufen.
Tut’s aber nicht, so lande ich im Kreisel zur Autobahn. Sonst gibt’s keinen Weg, also denke ich mir egal, ein paar Kilometer die M8 und dann wird schon was kommen. Als ich auf die Autobahn auffahre bin ich völlig überrascht. Besser geht’s für Fahrradfahrer nicht. Ein riesiger, breiter, schön frisch geteerter Seitenstreifen, und vielleicht ein, zwei Autos pro Minute. So sicher war ich wohl noch auf keiner Straße hier in Irland (oder auch GB).
Allerdings dauert es genau eine Minute bis hinter mir kurz die Sirene aufheult und die Polizei mich anhält. Ein grinsende Polizistin steigt aus, was ich denn so vor hätte. Ich sage einigermaßen wahrheitsgemäß, dass ich dachte die N8 zu fahren und zeige auf meine Karte.
„This map is very old“ meint die freundliche Dame, und es wäre sehr gefährlich auf der Autobahn zu fahren und natürlich nicht erlaubt „you will get mangled“.
Meine Gedanken zur Sicherheit des Radfahrers auf der Autobahn behalte ich natürlich für mich.
Wo ich denn herkäme. Aus Germany sage ich, mit einem Ausdruck der sagen soll, woher soll ich da Ahnung von Autobahnen und deren Gefährlichkeit haben? Sie meint sie könne mein Fahrrad ja nicht von der Autobahn wegschaffen, so dass ich bis zur nächsten Ausfahrt fahren soll. Da es aber so gefährlich ist, würde die Polizei mich eskortieren.

So fahre ich auf frisch geteerter Straße, mit einem Poizeiauto hinter mir weiter. Es herrscht massiver Gegenwind, so dass ich trotz flachen Streckenprofils nicht viel schneller wie 18 km/h fahren kann. Und die beiden tuckern mit 18 km/h hinter mir her. Die nächste Ausfahrt kommt allerdings nicht nach drei und auch nicht nach fünf oder zehn Kilometern. Es dauert 15 Kilometer, und natürlich will ich vor den beiden Damen eine gute Figur mache, so dass ich durchziehe was geht. Zwischendurch böte sich Gelegenheit für ein zwei Fotostopps, aber ich glaube das wäre etwas unangemessen…
Nach 15 Kilometern ist also endlich die Abfahrt erreicht. Ich bleibe kurz stehen, die eine Polizistin meint ich müsste ja völlig am Ende sein, wo ich doch 15 Kilometer am Stück gefahren sei, die andere zeigt mir auf der Karte kurz wo ich lang fahren muss. Vorsichtshalber nimmt sie doch meine Personalien auf, wobei ich erzähle wo ich noch so hinwill usw. Unter anderem erwähne ich, dass die Iren bis jetzt alle gesagt haben Cork könnte ich mir sparen, da es eh nur eine langweilige Industriestadt sei. Da habe ich aber einen Nerv getroffen, denn wie sich herausstellt ist die Dame aus Cork. Ich glaube sie überlegt kurz mich umzutasern, erzählt mir dann aber doch welche Sehenswürdigkeiten ich mir dort unbedingt anschauen sollte und wie toll die Stadt sei, und ich muss ihr schließlich versprechen in Cork vorbeizufahren.

So fahre ich weiter, freundlich hupend verabschiedet sich die Polizei, und ich bin auf der richtigen N8.
Da es jetzt erst mal eher Richtung Westen geht lässt der Druck des Gegenwindes etwas nach. Hier ist eindeutig mehr Verkehr wie auf der Autobahn. Aber der Straßenbelag ist ok, und es gibt meist einen Seitenstreifen auf dem ich fahren kann, wenn auch nicht so breit wie auf der M8.


So fahre ich bis ungefähr Fermoy, die Landschaft sieht trotz des etwas düsteren Wetters klasse aus. Irgendwie vielleicht gerade wegen des Wetters.



Kurz vor Fermoy taucht links ein großes Restaurant (gut für Gruppen geeignet) auf und dazu das Schild B&B – Luxury Accomodation. Normalerweise schreckt mich das Luxury immer ein bisschen ab, da ich das Budget nicht zu sehr strapazieren will, diesmal beschließe ich allerdings zu schauen ob es ein freies Zimmer gibt, dann brauche ich in der Stadt nicht zu suchen.
Die Straße ist hier auf meiner Seite einspurig und auf der Gegenseite zweispurig. Verkehrsdichte wie auf der B49. Ich ordne mich rechts ein, aber auf der Gegenfahrbahn ist zuviel Verkehr, dass ich nicht rüberkomme. So fahre ich wieder nach links und will auf den Randstreifen um zu Fuß rüberzukommen.
Und dann liegen ziemlich genau 10 Zentimeter zwischen ‚ich schreibe diese Zeilen hier‘ und ‚ich schreibe nie wieder irgendwelche Zeilen‘. Die zwei Autos hinter mir hatten nämlich beschlossen über den Randstreifen an mir vorbei zu fahren, was ich weder gesehen habe, noch hatte ich damit gerechnet. Wie gesagt der erste war knapp, der fuhr so 80 bis 100, der zweite macht eine Vollbremsung und kommt rechtzeitig zum stehen.
Ich entschuldige mich kurz durch eine Geste, die anderen fahren weiter und ich schaffe es zu Fuß über die Straße zu kommen. Kein Adrelanin, gar nichts. Erst als ich mein Fahrrad vor der Unterkunft abstelle kommt es mir in den Kopf wie knapp das gerade war. Irgendwie fühlt man sich auf dem vollbepackten Reiserad so sicher wie im Auto, und verhält sich auch so, schließlich muss man sich im Straßenverkehr auch manchmal durchsetzen. Aber das ist natürlich ein Trugschluss, wenn dich ein Auto mit 80 erwischt bleibt nicht viel übrig vom guten Idworx Easy Rohler…

Anyway, es gibt Zimmer, luxury ist zwar etwas übertrieben, aber völlig Ok und der Preis ist zu meiner Überraschung sehr moderat. Das Fahrrad geht mit auf’s Zimmer, so dass ich endlich den schleichenden Platten in Ruhe flicken kann, den ich schon seit Dublin habe.

Im Restaurant bedient mich ein ungarischer Kellner, der schon vier Jahre hier lebt. Der ist völlig begeistert davon, dass ich aus Deutschland komme, denn seine Urgroßmutter kam aus Heilbronn. So gibt er mir tausend Tipps was ich mir noch anschauen solle, und nachdem ich berichtet habe, dass ich doch ordentlich Kalorien verbrenne, versorgt er mich mit extra großen Portionen.

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