Tag 34 Aran Islands – Clifden

Wetter: Regen 9 bis 12°
Tageskilometer: 73
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 2919
Tages-Fahrzeit :4:22 h
Gesamte Fahrzeit: 159:15 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,7 km/h
Tageshöhenmeter: 729
Gesamt Höhenmeter: 33408
Maximale Steigung 14%
Maximalpuls: 158
Durschnittliche Pulsfrequenz: 114

Heute gilt es die Insel zu erkunden. Da diese von überschaubarer Größe ist, ist das auch kein Riesenprojekt. Allerdings gibt es mit dem vielleicht spektakulärsten keltischen Steinfort ein echtes Highlight.

Es regnet und es ist sehr diesig, trotzdem fahre ich zunächst zum höchsten Punkt der Insel, einem ehemaligen Leuchtturm.



Dann geht es zur Hauptattraktion Dun Aonghasa. Der Weg dorthin ist im wahrsten Sinne des Wortes steinig, und es gilt einige hundert Meter zu Fuß zurückzulegen. Auf den durch den Regen klitschigen Steinen wären Wanderschuhe mit rutschfester Sohle angebracht. Meine Fahrradschuhe erfüllen nicht ganz diese Anforderung, aber durch den häufigen, böigen Seitenwind ist mein Gleichgewichtssinn ja mittlerweile geschult.



Das Steinfort ist beeindruckender wie vermutet. Nicht nur, dass die Anlage durch „Panzersperren“ aus Stein geschützt ist, und das doch einige Teile, trotz des hohen Alters, noch gut erhalten sind, sondern vor allem die Lage beeindruckt.




Zwar habe ich es theoretisch vorher schon gelesen und auf Bildern gesehen, dass das Fort halbkreisförmig an eine Klippe gebaut ist. Aber wenn man dann selbst darin steht, und die Verteidigung zur Meerseite besteht schlicht aus der Tatsache, dass die Klippen dort hundert oder zweihundert Meter weit abfallen… faszinierend. Fußballspielen würde hier sicherlich zu einem hohen Ballverbrauch pro Halbzeit führen.
Auch sonst ist es ein zugiger und feuchter Platz, und das war zur Zeit der Nutzung sicher kaum besser.



Auf dem Rückweg robbe ich mich mal bis an den Rand einer Klippe heran. Im stehen war mir das doch zu heikel. Es ist windig, die Steine klitschig und bei der Höhe ist es glaube ich auch mit meiner Schwindelfreiheit vorbei.

Dann geht es weiter auf dem Rundweg, vorbei an den „Gärten“, dem Versuch der kargen Landschaft mit Sand und Tang etwas fruchtbaren Boden abzuringen, und einer Bucht wo eine Robbenkolonie lebt. Man sieht das eine oder andere Tierchen, allerdings aus recht großer Entfernung, und bei dem Wetter liegen die auch nicht am Strand.



Mit der Fähre geht es anschließend zurück auf’s Festland.

Um mein Ziel Clifden zu erreichen muss ich zunächst nach Norden und dann etliche Kilometer gerade Richtung Westen. Nur kommt dort der Wind her, und zwar sehr heftig.



Ich teile es mir so ein, dass ich etwas Richtung Norden fahre, dann ungefähr die Hälfte der Strecke Richtung Westen, dann den Rest Richtung Norden und die letzen 20 Kilometer wieder nach Westen. So muss ich nicht an einem Stück ununterbrochen die ganze Distanz nach Westen bis Clifden bewältigen, sondern habe psychologisch hilfreich kleinere Gegenwindetappen.

Klingt schlau, nutzt aber nichts. Die unbändige Kraft des Windes zehrt an meinen Kräften, aber vor allem auch an meinen Nerven. Die erste Teilstrecke Westwärts ist schon der Hammer. Mit aller Gewalt trete ich gegen den Wind, komme aber kaum einen Meter voran. Selbst im kleinsten Gang, mit dem ich auch die 18 Prozent Steigungen Südenglands genommen habe, tritt es sich zäh als ob ich in einem Becken von widerlich zähem Schleim fahren müsste.
Ich erzähle mir zwar selbst, dass es einfach nur länger dauert, und die zehn Kilometer halt nicht nach einer halben sondern erst nach einer ganzen Stunde geschafft sind, aber der Kopf kann es einfach nicht verstehen, wieso sich „jemand“ mit aller Macht gegen mich stemmt.
Ich bekomme eine unglaubliche Wut. Egal weiter. Die Kilometer ziehen sich endlos, da es regnet und mir die Regentropfen ins Gesicht peitschen nehme ich von der karg wirkenden Landschaft nicht so viel wahr.


Als ich endlich das nächste, nordwärts gerichtete, Teilstück erreicht habe, entspannt sich der Gegendruck etwas, dafür ist es schwierig das Fahrrad auf der Straße zu halten. Es ist aber nicht soviel Verkehr, so dass ich einfach in der Mitte der Straße fahre und die Böen so gut abfangen kann.
Dann geht es aber wieder nach Westen. Noch zwanzig Kilometer. Dummerweise habe ich noch immer nichts zu mittag gegessen. Auf der Fähre gab es nichts, wegen des Seegangs nicht mal Tee, und auf der Strecke bisher auch nichts. Hier ist wirklich so ein bisschen Ende der Welt. Die Strecke die ich mir wegen des Windes ausgesucht hatte, bestand hauptsächlich aus kleinen Nebenstraßen, und da gibt’s in dieser Gegend außer vielleicht einem Haus oder einer Farm ab und zu nichts.

Jetzt fahre ich auf der N59 aber hier gibt’s auch nichts. Die ersten paar Kilometer gegen das Windmonster gehen gerade so, aber dann merke ich wie sich meine Laune merklich verschlechtert. Mittlerweile habe ich richtig Hunger, es geht keinen Meter voran, dauernd versucht einer dich festzuhalten, sich entgegenzustemmen, oder auch mal dich in den Graben zu drücken, der Regen peitscht ins Gesicht, die Straße ist schlecht, diese garstige Land geht mir einfach auf den Keks.
Und nicht nur das, ich werde stocksauer und extrem wütend. Dem Wind fluche ich immer mal wieder ein FY entgegen. Aber was nutzt es. Nach ungefähr acht Kilometern Geleiere bleibe ich stehen und schreie einfach so laut ich kann vor Wut und um die Anspannung raus zu lassen.

Noch nicht mal die Hälfte geschafft. Ich nehme diesen Widerstand des Windes persönlich. Genauso wie ich auch die Steigungen in Südengland persönlich genommen habe. Da habe ich mir immer gewünscht mir mal so einen dämlichen Straßenbauer zu krallen, der nix von Serpentinen weiß, Brücken nur kennt um Wasser zu überqueren, und wenn er die Wahl hat, die Straße nicht zwischen zwei Hügel hindurch führt, sondern über beide geradewegs drüber. Den Wind kann ich mir nicht krallen, sondern er führt einem nur die Ohnmacht gegen die Naturgewalten vor Augen. So bleibt die in mir vorhandene Wut ohnmächtig.

Der Hunger nervt mittlerweile. Es ist kein Hungerast, denn die Beine sind immer noch kampfbereit und fighten mit dem Wind, aber im Kopf ist gleich Schluss, dieses Geleier geht mir unheimlich auf die Nerven. Da kommt ein Schild „Cafe open“. In Norwegen hätte ich keinen Pfifferling drauf gegeben, aber hier konnte man sich eigentlich meist drauf verlassen, dass dann auch was kam. Es kommt auch was. Nämlich ein Farmhaus mit Hotel. Nur das Cafe sieht aus als wäre es zu. Durch ein unzufriedenes Grummeln bringe ich meine Enttäuschung über diesen Zustand zum Ausdruck, die Dame an der Rezeption meint es gäbe schon Tee, und evtl. auch noch einen Fruitcake. Egal was bitte her damit! Als ich in das leere Cafe gehe, das auch als Frühstücksraum dient, entdecke ich die Cereals die für das Buffet dort stehen. Ich frage ob ich nicht davon was haben könnte. Und da die Iren immer dann wenn das Land besonders garstig erscheint, besonders nett sind, ist das kein Problem. Sie fragt was ich denn davon haben möchte, und als ich es kurz erkläre meint sie nur sie würde dann wohl mal einen größere Teller holen…

So stärke ich mich mit einer großen Portion Muesli und Weetabix, dem Fruitcake der ein Guiness Cake ist und natürlich Tee.
Ich zwinge mich fast zwanzig Minuten Pause zu machen, und zusammen mit dem Essen, sowie dem netten Lächeln der Rezeptionistin führt das dazu, dass die Laune wieder drastisch besser wird und die seltsam sinnlose Wut auf den Wind verfliegt.

Durch meine bessere Stimmung gehen die letzten 10 Kilometer gegen den Wind auch noch. Ich wäre sogar noch weiter gefahren, aber bei dem Wetter die Sky Road zu fahren ist Blödsinn, da sieht man gar nichts und außerdem gibt es in Clifden reichlich Unterkunft. So kommen heute nur 75 Kilometer auf den „Tacho“. Allerdings war es eine der härtesten Etappen.


Ich kaufe noch was zu essen, und lege mich aber gleich ins Bett und schlafe auch ein. Irgendwann um zwei Uhr nachts wache ich auf, und da ich nicht mehr einschlafen kann nutze ich die Zeit um das Blog upzudaten. Morgens schlafe ich nochmal ein und frühstücke dementsprechend spät, mal sehen wie sich das auf’s Fahren auswirkt.

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