Tag 45 Glasgow – Lochgilphead

Wetter: bewölkt, meist trocken 10 bis 13°
Tageskilometer: 139
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 3878
Tages-Fahrzeit :6:12 h
Gesamte Fahrzeit: 204:09 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,4 km/h
Tageshöhenmeter: 1405
Gesamt Höhenmeter: 42527
Maximale Steigung 9%
Maximalpuls: 168
Durschnittliche Pulsfrequenz: 129

Meine Karte ist zu grob um einen Weg aus Glasgow heraus zu bestimmen, so fahre ich nach Kompass und frage die hilfsbereiten Schotten. Nach ca. zehn Kilometern ist die Stadtgrenze erreicht und ich fahre die 814 bis Helensburgh.

Letzter Blick auf Glasgow

Helensburgh

Hier gibt es das Hill House der Familie Blackie zu bestaunen. Das wurde vom schon erwähnten Mackintosh und seiner Frau komplett entworfen und gestaltet. Ein Gesamtkunstwerk, wie die Häuser die Gaudi in Barcelona gebaut hat.

Von außen ist das Mackintosh Haus recht schmucklos, wie auch schon das Gebäude, das er für die Glasgow School Of Art entworfen hat. Ganz im Gegensatz übrigens zum Rest der Villen die in diesem vornehmen Stadtteil von Helensburgh zu finden sind.


Als ich ankomme stelle ich zu meinem Entsetzen fest, dass nur nachmittags geöffnet ist. Ich müsste also noch fast zwei Stunden warten, um mir das Haus von innen anzusehen. Da ich Leute im Haus sehe gehe ich einfach rein, worauf mich eine freundliche Dame darauf hinweist, dass dies eine private Besichtigung sei, und ich bis halb zwei warten müsste. Ich erkläre, dass ich gerade mit dem Fahrrad den Berg hoch gestrampelt bin und nicht draußen in der Kälte zwei Stunden warten kann und will, und nicht nochmal runter in die Stadt fahren will usw. Aber es lässt sie kalt und sie will mich wegschicken. Ich bleibe aber hartnäckig und erklär‘ ihr das alles nochmal, bis sie schließlich die nächst höhere Instanz holt. Auch eine freundliche, aber noch bestimmtere Dame, die versucht mich hinauszukomplentieren. Nachdem ich auch hier nochmal alles versuche einigen wir uns darauf, dass ich zehn Pfund für den Heritage Fund gebe und mir das Haus anschauen darf. Das nenne ich mal eine praktische Lösung mit klassischer win-win Situation.

Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung den Umweg zu fahren und sich das Haus anzuschauen, denn hier war offensichtlich das Budget größer wie bei den Tearooms in Glasgow.
Ein komplett durchdesigntes Haus, wo jedes Zimmer ein Gesamtkunstwerk ist, ist schon beeindruckend. Je nach Talent oder Genie der Gestalter mal mehr mal weniger. Auch wenn ich das Design immer noch als etwas kühl empfinde, so macht die kunstvolle Schlichtheit doch für ein täglich benutztes Haus viel Sinn. Vor allem auch die von Mackintoshs Frau gestalteten Teile sind beeindruckend. Es gibt die Vermutung das Gustav Klimt ihre Arbeiten gesehen hat und davon beeinflusst war, was man gerne glaubt, wenn man sie sieht. Leider darf man keine Bilder vom Inneren des Hauses machen.

Nach dem Besuch des Hill House kämpfe ich mich ein paar Kilometer gegen den Ostwind auf die 82. Die führt direkt am Loch Lomond entlang, dem größten Binnensee Großbritanniens. Das etwas düstere Wetter passt sehr schön dazu. In Luss gibt es Mittagessen und ein paar schöne Fotos vom Loch Lomond.



Es geht weiter Richtung Norden und dann nach Westen auf die 83. Da ich nur an wenigen Stellen Gegenwind habe läuft es recht gut, so dass ich sogar noch die Chance habe Inveraray zu erreichen. Die Frage ist, wann schließt das Castle? Wenn es um fünf zu macht, ist die „last admission“ wahrscheinlich um vier oder halb fünf. Vier ist nicht zu schaffen, halb fünf aber vielleicht schon.

So gebe ich auf den teilweise langen Anstiegen (ein Teil der Strecke liegt schon im Gebiet der Grampian Mountains) und auf den kurzen Gegenwindpassagen alles, und mache auf den Rückenwindstrecken richtig Druck. Dank der herrlichen Landschaft und mit dem Ruhetag im Rücken geht das ganz gut. Das einzige was mich etwas aufhält sind die Fotostopps…




Tatsächlich erreiche ich Inveraray um zehn nach vier, und es stellt sich zu meiner Freude heraus, dass es Einlass bis fünf Uhr gibt. Das Castle hat sicherlich die prunkvollste Inneneinrichtung die ich bis jetzt in GB gesehen habe. Die Herzöge von Argyll, die bis heute hier residieren, sind offensichtlich ein bedeutendes Adelsgeschlecht. Gerne steht auch mal ein Geschenk von Queen Victoria in einem der Räume. Die Empfangshalle ist angeblich der höchste Raum in einem Haus in Schottland. Auch hier darf man leider von den Innenräumen keine Fotos machen.




Ich überlege kurz mir in Inveraray eine Unterkunft zu suchen, aber ich beschließe dann doch den günstigen Wind (bzw. dessen zu diesem Zeitpunkt teilweise völlige Abwesenheit) und das trockene Wetter für ein paar weitere Kilometer zu nutzen.




Bis sechs will ich ungefähr fahren, um zwanzig nach findet sich eine schöne Unterkunft, wo es auch noch was zu essen gibt. Perfekt.

3 Kommentare

  1. Hallo Guido,
    also wir freuen uns ob Deiner Fotostopps. Du bist nun in Gefilden, die mir (Jörg) neu sind. Wir sind Dir dankbar für die tollen Fotos und die umfangreichen Beschreibungen der Landscchaft und Deiner Erlebnisse.

    So long

    Andrea und Jörg

  2. Danke für die motivierenden Kommentare, ich freu‘ mich immer, wenn mein Geschreibsel tatsächlich jemand liest…

  3. Also, ich lese dein Geschreibsel auch ;-))