Tag 74 Claypole – Birmingham

Samstag 13.06.2009

Wetter: sonnig 15 bis 23°
Tageskilometer: 164
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 6422
Tages-Fahrzeit :7:32 h
Gesamte Fahrzeit: 320:24 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 21,5 km/h
Tageshöhenmeter: 1194
Gesamt Höhenmeter: 68662
Maximale Steigung 15%
Maximalpuls: 163
Durschnittliche Pulsfrequenz: 130

Die Fahrt von Claypole, bzw. Newark on Trent Richtung Nottingham ist eher unspektakulär. Zunächst recht flaches Straßenprofil auf einer normalen A-Road.

Nottingham selbst ist ebenso unspektakulär, hat allerdings die größte Sportstadiendichte, die ich bis jetzt gesehen habe. Nachdem ich in Englands ältestem Gasthaus mein zweites Frühstück genommen habe, besuche ich das Castle, das zwar nicht so interessant ist, aber einen schönen Ausblick über die umliegende Landschaft bietet.







Der Weg nach Birmingham führt mich zunächst an einem Kanal entlang, und nachdem ich wieder die Straße erreicht habe durch Donington Castle, bekannt durch die Monsters of Rock Konzerte der Achtziger. Nebenbei ist hier auch noch eine Formel 1 Rennstrecke.



Als ich kurz vor Donington Castle am Straßenrand stehe um eine Route nach Birmingham zu finden, die nicht auf einer Autobahn endet (was nicht ganz einfach ist, wie sich später herausstellt), hält ein Mopedfahrer an und fragt ob alles OK ist. Nachdem ich ihm versichert habe, das ich keine Panne habe erklärt er mir den Weg. Und meint dann, von seinem Haus wär’s am einfachsten zu finden, ob ich nicht auf einen Tee bei ihm Pause machen möchte.

Ja klar, warum nicht, also hechele ich hinter seinem Moped her, bergab keine Problem, auf der Geraden muss ich dazu mein ganzes Pulver verschießen, um dann an der 13% Steigung abreißen zu lassen…

Charley, hat wie sich herausstellt mal in Liverpool gelebt und gearbeitet. Da ich gerade erst dort war haben wir viel Gesprächsstoff, und er ist wirklich sehr nett. Er war sogar mal Nachbar von Henry Moore, dessen Skulpturen mich in der Tate in Liverpool beeindruckt haben.

Früher ist Charley auch den einen oder anderen Kilometer Fahrrad gefahren, Touren von teils 200 Meilen. Ich bin recht beeindruckt. Er zeigt mir noch sein Fahrrad, wir machen Fotos, und nachdem er mich mit Grapefruitsaft für die Weiterreise versorgt hat, mache ich mich wieder auf den Weg.

Von hier nochmal herzliche Grüße!

Trotz der guten Beschreibung von Charley, und den Schildern erweist es sich als schwieriger nach Birmingham reinzukommen wie bei allen anderen Städten zuvor. Sinnlose Schlenker, Zurückfahren, fragen, aber keiner hat eine Ahnung, immer wieder geht es Richtung Autobahn. Irgendwann reißt mir trotz herrlichem Wetter und idyllischer Landschaft der Geduldsfaden und ich beschließe dem Ganzen noch eine Chance zu geben und dann einfach auf die Autobahn zu fahren. Soweit kommt es aber nicht, denn schließlich finde ich einen Weg, nachdem ich noch die ein oder andere Steigung umsonst genommen habe. Aber so bin ich wenigstens nicht unterfordert auf dieser Etappe.



Auch als ich in Birmingham schon drin bin, geht das gleiche Spiel bei der Suche des Stadtzentrums los. So lerne ich einige Stadtviertel kennen, die man sicher auf der Stadtrundfahrt normalerweise auslässt. In einem davon, fühlt man sich eher wie in Marokko oder so, die Kleidung, die Sprache, nur die Häuser sind erzenglisch, was einen interessanten Kontrast erzeugt.

Schließlich ist auch diese letzte Hürde überwunden, und ich finde Unterkunft in einem Ibis. Der erste optische Eindruck den die Stadt hinterlässt ist wenig anheimelnd, auch nicht beeindruckend, trotz einiger hoher Gebäude. Ich würde sage Birmingham hat ungefähr den Charme von Frankfurt. (und der erschließt sich auch erst auf den dritten Blick)



Als ich ankomme ist Samstag, und es stellt sich heraus, dass mein Hotel mitten im Club steht. D.h nicht etwa in der Nähe des Viertels wo die Danceclubs sind, sondern mitten in einem architektonischen Gebilde, dass halbkreisförmig so ca. ein Dutzend Clubs beherbergt. Und was hier abgeht übersteigt alles was ich mir bis jetzt vorstellen konnte. Liverpool ist eine sehr lebhafte Stadt, mit viel Livemusik und Clubs und was auch immer, das Nachtleben Manchesters kommt etwas stylischer, urbaner daher, aber es gibt auch Alternativen, in Birmingham brennt Samstags schlicht der Baum.

Die Ruhe vor dem Sturm

Das die englischen Mädels unabhängig von der Figur bei der kürze ihrer Röcke, oder der Auswahl ihrer Glitzerklamotten keine Schmerzen kennen war mir bekannt, das Samstag alles gegeben wird kann ich verstehen, aber das, was sich hier abspielt muss man einfach selbst gesehen haben. Sowas gibt’s auch nicht auf „Malle“ oder „Lloret de Mar“ oder wie auch immer die Dinger heißen mögen.

Das da trotz Doppelfenster und extremer Müdigkeit an Schlafen nicht zu denken ist, ist klar. Dagegen ist das Domizil (für die „Wissenden“) ein Hort der Ruhe und Besinnlichkeit. Also beschließe ich spät noch eine Runde durch die Stadt zu drehen. Nachts sieht die Stadt etwas sympathischer aus, allerdings habe ich keinen Fotoapparat dabei. Ich nehme nicht Teil am Nachtleben, sondern schaue mir das Ganze fasziniert aus der Distanz an. Shoppingbereich und Nachtleben ist auch hier praktischerweise eins, so dass man sich als Besucher keine Gedanken machen muss, alles zentral.

Wie gesagt, die Stimmung ist unglaublich, ich gehe an einem Liveclub vorbei, in dem die drittschlechteste Band, die ich je gehört habe spielt, noch dazu mit dem zweitschlechtesten Sänger (der schlechteste wohnt im Zimmer nebenan, wie sich später herausstellt), es ist unglaublich, ich dachte erst es ist Comedy, aber die Leute sind so mit feiern beschäftigt, dass das überhaupt keinen interessiert.

Gegen halb vier wäre ich dann fast trotz des „Bum,Bum, Bum“ eingeschlafen, als mein Zimmernachbar beschließt umzuräumen, UB40 zu hören und laut mitzusingen. Ich glaube so wurden im Irak die Spione gefoltert.

Mein erster Eindruck von Birmingham ist also recht durchwachsen, mal sehen was der morgige (heutige…) Tag so bringt.

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