Tag 81 London – Dover – Rückfahrt nach Deutschland

Samstag 20.06.2009

Tageskilometer: ein paar wenige…

Nachdem ich dem Hotelpersonal insgesamt nicht mehr viel zugetraut habe, hatte ich mich gestern nochmal versichert, dass ich auch heute morgen früh Zugriff auf mein Fahrrad habe, denn der Zug geht um 7:33.

Gestern abend habe ich mich noch kurz darüber geärgert, dass ich mich ausgerechnet hier so geärgert habe, hätten die gar kein Internet gehabt, hätte ich mir das ganze Gewusel gespart, und es wäre auch gut gewesen. Das ging gestern abend noch weiter bis nach Mitternacht, aber das hier ist ein Blog über eine Fahrradreise und soll kein Hotelbashing werden. An einem gewissen Punkt einer langen Reise wird man auch leicht intolerant gegenüber den Fehlern anderer, so dass ich erst etwas Distanz gewinnen muss um das zu beurteilen.

In London reicht es das Fenster einen Spalt zu öffnen, und du kannst die ganze intensive Atmosphäre der Stadt spüren. Ich werde kurz unsicher, ob ich nicht doch noch ein paar Tage hier bleiben soll. Aber ich wollte mir ja gerade den „Rest“ von GB anschauen und eben nicht London, wo ich schon so oft war.

Der Abschluss ist aber trotz der jetzigen Hotelbesatzung perfekt. In „meinem“ Hotel, mit Blick auf die Victoriastation, dem Ziel einer 6900 Kilometer langen Reise, schlafe ich ein. Und ich schlafe gut wie lange nicht.

Am morgen entscheide ich, vorsichtshalber den 7:03 Zug zu nehmen, und das erweist sich als kluge Entscheidung. Denn, wer hätte es gedacht, keiner hat einen Schlüssel um den Raum zu öffnen wo mein Fahrrad drin steht. Die Minuten verrinnen und nachdem ich der Consierge zugeschaut habe, wie sie 50 Schlüssel durchprobiert hat, bringe ich um 7:08 (also fünf Minuten, nachdem mein Zug abgefahren ist) nochmal mein Misfallen zum Ausdruck und setze eine Frist bis 7:20 um mein Fahrrad zu befreien. Um 7:20 stelle ich die Consierge vor die Wahl, die Tür aufzubrechen oder ich mache es selbst.
Wir machen es letztlich gemeinsam. Dann schnell das Fahrrad hochgeschleppt, 7:28. Und nicht nur weil ich es so eilig habe, gebe ich der sehr hübschen Spanierin an der Rezeption die höchste aller Strafen. Ohne einen einzigen Blick auf sie zu werfen, bepacke ich mein Fahrrad direkt vor der Rezeption, schnappe meinen Rucksack, und gehe ohne ein Wort, also ob überhaupt niemand im Raum wäre.
Bis gestern konnte ich mir nicht mal vorstellen, dass ich sowas machen würde. Aber diese alberne Haufen hier holt alles aus einem Gast heraus…

Um 7:32 erreiche ich den Zug, ich steige zufällig auch in den richtigen Waggon, denn der Zug wird geteilt, und nun ist auch das aller, allerletzte Ziel dieser Reise erreicht. Nach zwei Stunden Zugfahrt, und den allerletzten Fahrradkilometern auf britischem Boden, vom Bahnhof bis zum Fähranleger, besteige ich die Fähre nach Calais.


Dover Castle


An Bord gönne ich mir in der Brasserie nochmal ein englisches Frühstück auf allerhöchstem Niveau. Dann noch ein letzter Blick auf die Kreidefelsen von Dover, der Rest ist Schlafen.


In Calais werde ich abgeholt, und so findet diese fantastische Reise ein erfolgreiches Ende!

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