Taktische Überlegungen zum Ötztaler Radmarathon

Jetzt wo ich mir doch eine anspruchsvolle Zeit als Ziel gesetzt habe, und nachdem ich schon gut in Sölden angekommen bin, kann ich mich ganz entspannt den Gedanken zur taktischen Herangehensweise an die kommende Aufgabe widmen.

Nachdem was ich von den bisherigen Teilnehmern aus Erzählungen kenne, und was man auch aus den Hinweisen der Veranstalter entnehmen kann, gilt es erst mal heil bis zum Kühtai zu kommen. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl, und weil es erst mal bergab bzw. flach durchs Ötztal geht, gibt es wohl immer Probleme mit Disziplinlosigkeiten und Massenstürze an heiklen Engstellen. D.h. am Anfang einerseits entspannt mitschwimmen, aber andererseits hochkonzentriert sein, um keinen Sturz zu verursachen oder auch Fehler anderer zu antizipieren. Wenn dich einer allerdings von hinten oder in der Kurve abräumt hast du keine Chance, ein bisschen Glück gehört also auch dazu.

Am Kühtai sortiert es sich zwar schon etwas, aber es ist wohl sehr sehr eng, so dass an steilen Stellen das ganze Feld auch schon mal zum Stillstand gekommen ist, dann hat man wirklich verloren, denn an den steilen Stellen kommt man bei der Verkehrsdichte nicht mehr aufs Rad, d.h. man muss eventuell ein Stück schieben. Das wäre für mich eine Katastrophe, aber darauf muss man vorbereitet sein, und es dann möglichst schnell abhaken. Die Abfahrt von Kühtai kenne ich nur aus YouTube Filmen, da sah es so aus, als ob sich das Feld dann schon etwas auseinandergezogen hat.

Die große Unbekannte für mich ist der Brenner. Die einen sagen such dir eine schnelle Gruppe, nur dann kannst du eine optimale Gesamtzeit fahren, die anderen sagen dort dürfe man auf keinen Fall überziehen, sonst wird der Rest zur puren Qual.

Da das Feld so groß ist, gehe ich davon aus, dass sich dort immer wieder Gruppen unterschiedlicher Geschwindigkeit finden werden, an denen man sich je nach eigener Form anschließen kann. Ich werde versuchen dort auf mein Wattmeter zu achten, und so die richtige Dosierung zu finden. Hoffentlich funktioniert das, obwohl ich dort noch nie gefahren bin.

Erst ab Sterzing gibt es wieder vertrautes Terrain für mich. Den Jaufen werde ich fahren wie ich mich fühle. Wenn die Beine gut sind werde ich dort versuchen schnell zu fahren und dann am Timmelsjoch einfach nur ums überleben kämpfen. Wenn der Brenner mich geschlaucht hat und ich Probleme bekomme, dann werde ich das relativ moderate Profil nutzen um in kleinen Gängen irgendwie zu regenerieren, egal wie lange das dauert. Entweder klappt es dann, und ich kann am Timmelsjoch wieder vernünftig fahren, oder ich muss gegen den Besenwagen fahren…

Das Essen ist so eine Sache. Es gibt zwar viele Labstationen, aber ich will kein Risiko eingehen und nehme nur meine eigenen Gels und Riegel. Der Franz Venier fährt das Ding zum Training in ca. achteinhalb Stunden und braucht dann sechs Gels und eine Wasserflasche, die er immer wieder befüllt. Na das wird für mich eng, ich habe pro Pass zwei Gels eingeplant, also acht, eine Flasche mit Wasser, eine mit Elektrolytgetränk, die ich an den Labstationen wieder befülle. Auf dem Jaufenpass werde ich an der Verpflegungsstation richtig was essen. So ist zumindest die Theorie. Wie es praktisch geht, schaun mer mal. Jedenfalls sehe ich erst mal aus wie der Michelinmann mit meinen ganzen Gels im Trikot.

Es gibt noch keine solide Wetterprognose für den Sonntag, aber ich werde wohl mein gewünschtes Fritz Walter Wetter bekommen. Für die Platzierung mag das hilfreich sein, für das Ziel 10 Stunden, das eigentlich Wichtige, ist es natürlich eher von Nachteil. Ideal wäre für mich kühl und trocken, aber es schaut eher nach Regen aus.

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