Timmelsjoch Ostrampe von St Leonhard

Samstag 19.09.2009 ab 6:40

Wie gehabt will ich früh fahren, um dem Verkehr zu entgehen. Allerdings ist es morgens jetzt noch länger dunkel, so dass ich erst um 6:40 Uhr auf dem Fahrrad sitze und das Rücklicht gute Dienste leistet. Denn auf den ersten Kilometern sind doch einige Autos unterwegs. Das Wetter ist trocken mit angenehmen Termperaturen um 15°. Also optimale Bedingungen.



Schon in St Leonhard geht es ordentlich bergauf, und schnell kommt ein erster heftiger Abschnitt mit Steigungen bis 13%. Die Straße schlängelt sich zunächst ohne Serpentinen am Hang stetig aufwärts. Die Steigung lässt dann wieder etwas nach und geht unter 10% zurück.



Früh kommen auch die ersten Tunnel, von denen es auf dieser Seite des Timmelsjochs einige gibt. Zum Teil über einen halben Kilometer lang, so dass Beleuchtung auf jeden Fall ratsam ist.


Irgendwann hinter dem Ort Moos kommen dann auch die ersten Serpentinen.


Die Straße insgesamt führt recht verschlungen an verschiedenen Berghängen entlang, und wechselt öfter die Richtung, was, vor allem bei diesem bewölkten Himmel, immer wieder überraschend ist, und deshalb zu angenehmer Abwechslung und Ablenkung führt.


Der Straßenbelag ist teils heftig von Frostschäden gezeichnet. Besonders angenehm ist aber, dass die steileren Stücke immer wieder von sanfteren Passagen abgelöst werden. Und immer wieder eröffnen sich fantastische Ausblicke auf das Passeier Tal, sofern die Wolken es zulassen.






Und schließlich kommt ein längeres Stück, das praktisch flach ist. Allerdings kann man von hier auf den letzten Abschnitt der Strecke schauen, der geprägt ist von ordentlich Steigung und Serpentinen.


Als ich diesen letzten Abschnitt nach Umkurven des Berges und Überqueren einer Brücke erreicht habe, stelle ich mir vor wie sich die Teilnehmer des Ötztaler Radmarathons fühlen müssen, die am Fuße des Timmelsjochs schon fast 200 Kilometer und fast 4000 Höhenmeter in den Beinen haben.



Ich finde es auch so anstrengend genug, bin aber offenbar ganz gut in Form, denn Leiden muss ich nicht (kämpfen aber schon…) Die Steigungen sind schon im zweistelligen Bereich, die Temperatur ist aber deutlich angenehmer wie vor zwei Wochen am Stilfser Joch, obwohl ich ja jetzt auch schon über 2000 Meter hoch bin. (Das Ziel liegt bei gut 2500 Metern Höhe).




Immer wieder bieten sich fantastische Ausblicke zurück auf die zurückgelegte Strecke und das Passeiertal.


Bäume gibt es hier oben keine mehr, jetzt dominiert der Fels das Bild. Dadurch kann man die Serpentinen unter und über einem sehr gut sehen. Für mich ist das immer Motivation, so kann man sich von Kehre zu Kehre kämpfen.



Die Passhöhe ist in eine Wolke eingehüllt, und nachdem der letzte Tunnel passiert ist, führen die letzten paar hundert Meter bei vergleichsweise geringer Steigung durch eher karge Landschaft. So komme ich überraschend flott oben an. 2:25 ist sicher eine gute mittlere Zeit.


Als ich das Foto am Passschild mache, hält ein Auto mit Leuten aus meiner neuen Heimatstadt. So dass das „Siegerfoto“ quasi von Nachbarn gemacht wurde.



Da ich noch keinen Hunger habe, und es auch nicht so richtig kuschelig ist hier oben, ziehe ich meine Abfahrtsklamotten an und mache mich auf in Richtung Sölden.


Kurz bevor ich mich in die Abfahrt stürzen kann, hält ein BMW mit Kölnern an Board um mir explizit Respekt zu zollen für meine Passauffahrt mit dem Fahrrad. Auch die Giessener hatten mir schon ihren Respekt bekundet. Ich nehme es dankend zur Kenntnis, und mir fällt auf, dass ich heute morgen der einzige Radfahrer war.


Die Abfahrt ist mit einem überraschend langen Gegenanstieg garniert. Insgesamt aber sehr gut zu fahren, da die Straße sehr breit und in gutem Zustand ist. Die Sonne scheint und es bieten sich herrliche Ausblicke auf das Oetztal und die umliegenden Berge.


So ist Sölden, der geplante Ziel- und Wendepunkt für heute, schnell erreicht.


Am Ortseingang ist die Auffahrt zur Söldener bzw. Oetztaler Gletscherstraße zu sehen. Der Blick auf die steile Rampe schon zu Beginn der Strecke ist beeindruckend. Aus gutem Grund hatte diese, vielleicht härteste Prüfung, die die Alpen für Radfahrer bereithalten, nie eine Rolle in meinen Überlegungen für nächste Ziele gespielt. (13 Kilometer mit 13 bis 14% ist mehr was für Masochisten)

Anyway, ich suche mir ein nettes Cafe, muss aber feststellen, dass ich noch immer keinen richtigen Hunger habe. Es ist auch erst 11 Uhr. Hm, ich überlege kurz ob ich weiter fahre bis Oetz, so dass ich für den Anstieg der Rückfahrt gut 50 Kilometer zusammenkriege. Aber die Straße ist weder steil noch besonders verkehrsarm, so dass ich diese Idee verwerfe.
Bei Topfenstrudel und Oetztaler Hauswurst (zugegeben eine gewagte Kombination) kommen mir dann ganz andere Gedanken.


Wenn ich schon mal hier bin könnte ich mal einen Kilometer in die Gletscherstraße reinfahren, um zu schauen wie sich das anfühlt. Neugierig macht mich das schon. Aber ich erinnere mich auch wie hart es ist die 12 Kilometer mit konstant 10 bis 12% am Großglockner zu fahren.

Nach etwas Ausruhen und immer wieder aufkeimenden „ich versuch vielleicht doch dieses Monster mal zu fahren“-Gedanken, tendiere ich zu 70% dazu drei Kilometer zu versuchen, um mich vielleicht für eine spätere Befahrung etwas heranzutasten.

Nachdem ich wieder auf dem Fahrrad sitze, und aufgebrochen bin mit dem Plan mindestens drei aber allerhöchsten fünf Kilometer zu probieren, verwerfe ich dann doch diesen Plan, denn ich muss ja noch über das Timmelsjoch wieder zurück. Und auch von der Söldener Seite ist das eine ordentliche Aufgabe, die man besser nicht mit 3000 Höhenmetern in den Beinen in Angriff nimmt.


Dumm nur, dass am Ortsausgang von Sölden ein Zeitnahmeautomat der Oetztaltrophy steht. Ich schaue mir das Gerät an, die Messstrecke geht bis zum Parkplatz am Rettenbachferner. Hm, ich ziehe mir mal eine Karte, nur so und beschließe dann doch die drei Kilometer zu probieren…

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