Tour de Kärnten Tag 3

Heute soll es heftig regnen. Als ich morgens aus dem Fenster schaue regnet es aber nur ganz leicht. Aber dafür ist es recht kühl. So ganz kann ich mich nicht auf die ideale Gaderobe festlegen, letztlich bleibt es bei kurzen Hosen, Armlingen und einer zusätzlichen Regenjacke, die ich als Weste gleich anziehe (die Armlinge dazu stecke ich ein für die Rückfahrt vom Zielort nach Ossiach).

Bis ich am Startgelände bin hat es dann sogar aufgehört zu regnen, mal schauen wie lange es trocken bleibt. Ich starte wieder aus Startblock 2, ein großer Nachteil ist das eigentlich nicht, wenn man stark genug fährt hat man schon die Chance nach der Rennfreigabe schnell aufzuschließen.

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Die neutralisierte Phase ist diesmal etwas entspannter, dafür ist sie recht lang. Die Startfreigabe folgt in einer recht schmalen Straße mit etwas Gegenverkehr, wo es gleich richtig berghoch geht. So muss man sich etwas sortieren, was die Steigung dann aber recht schnell erledigt.

Dass ich nicht in der Spitzengruppe bleiben kann ist klar, mir ist es nur wichtig nach diesem ersten Anstieg, der gar nicht so kurz ist, in einer Gruppe zu sein, denn dann geht es recht lange flach durch’s Tal an der Gurk entlang, da wäre Windschatten wichtig.

Nach einer Weile im Anstieg sind fast wieder die selben Leute um mich herum wie gestern. Der Anstieg fühlt sich besser an als die Steigungen gestern, der Körper hat sich etwas daran gewöhnt, aber Enthusiasmus kann ich für’s Klettern noch nicht entwickeln.

Als der Anstieg endlich vorbei ist, bin ich tatsächlich in einer Gruppe, die ist gar nicht mal so klein. Allerdings will sie nicht recht laufen. So muss man sinnloser Weise immer wieder heftig beschleunigen wenn die Führung wechselt, wobei nach kurzer Zeit vorne gekreiselt wird. Nur funktioniert das nicht so richtig, bzw. überhaupt nicht.

In der Führung versuche ich die anderen von einem normalen wechseln zu Überzeugen, aber irgendwie will es nur teilweise klappen. Vielleicht ist auch die Leistung zu unterschiedlich, denn immer wieder reißen Lücken auf. Ein Fahrer stürmt entnervt vorne weg und fährt alleine vor der Gruppe, was aber irgendwie ziemlich sinnlos ist.

Letztlich kommen wir als Gruppe aber in der Steigung zum Hochrindl, dem Dach der Tour mit gut 1600 Metern Höhe, an. Der Anstieg beginnt etwas später als im Streckenprofil angegeben, dafür ist er etwas steiler als im Briefing gestern abend angekündigt.

Hier zieht es sich dann recht schnell wieder auseinander. Oben brauche ich keine Gruppe, denn dann kommt eine, laut Briefing, sehr gefährliche Abfahrt, wenn da nicht so viele Fahrer um mich herum sind, ist das vielleicht gar nicht so schlecht.

Der Anstieg zieht sich schon etwas. Obwohl ich mich nicht so schlecht fühle, bin ich aber auch nicht so richtig schnell. Ich habe halt über Nacht auch nicht gerade drei Kilogramm abgenommen.

Gerne hätte ich ein paar Fotos gemacht, aber die Schulter ist seit gestern wieder etwas schlechter und ich kann mit der rechten Hand den Fotoapparat nicht aus dem Trikot kramen, vor allem weil auch die Regenjacke drüber ist.

Ich bin für meine Verhältnisse etwas warm angezogen, denn noch immer ist es trocken, auch wenn es nur gut 4° C warm ist.

Die Fahrer fahren jetzt weit auseinander gezogen, ich versuche aber die vor mir fahrenden zu erreichen. Einen hole ich auch ein, dann kommen aber zwei von hinten und überholen mich. Ich versuche mich dranzuhängen, dabei überholen wir noch einen weiteren Fahrer, dann muss ich aber reißen lassen.

Der den ich zuerst überholt hatte schließt sogar wieder auf. Aber jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zum Gipfel. Die Schneegrenze ist sogar etwas tiefer als die Passhöhe, aber zum Glück gibt es keinen Niederschlag, so dass das egal ist. Die Straßen sind teils sogar trocken, so dass sehr gute Bedingungen herrschen.

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An der Labstation schnappe ich mir einen Becher warmen Tee und haue den weg. Mit den Getränken aus den Flaschen sollte ich diesmal gut hinkommen. Auch wenn noch ein heftiger Schlussanstieg vor mir liegt.

Nun geht es in die angeblich so gefährliche Abfahrt. Zunächst fahre ich etwas zu vorsichtig, aber schnell stellt sich heraus, dass es eine ganz normale Abfahrt ist. Der Belag ist so mittel gut. Ich hole einen Fahrer ein und einer überholt mich.

Am Ende der Abfahrt fahre ich ganz allein. Ich hatte das Streckenprofil so interpretiert, dass es noch einen oder zwei Gegenanstiege gibt und sonst ordentlich bergab geht. Da wäre das Fahren ohne Gruppe egal.

Aber leider ist dem nicht so. Es geht doch recht lange ziemlich flach oder nur leicht bergab dahin. So 150 Meter vor mir ist eine vier oder fünf Mann starke Gruppe. Aber da komme ich nicht ran. Der Abstand bleibt lange gleich, dann entschwinden die langsam. Mist.

So fahre ich einige Kilometer alleine. Die Landschaft ist eigentlich recht idyllisch, aber eine Gruppe wäre mir lieber. Fotos kann ich eh keine machen, an der Labstation habe ich es mit großer Anstrengung hinbekommen, aber ich will die Schulter nicht nochmal provozieren.

Dann höre ich doch tatsächlich von hinten ein Keuchen. Es hat noch einer aufgeschlossen. Ich bleibe eine Weile in der Führung und will dann abgeben, aber er winkt ab, offensichtlich keine Power mehr. Kann ein Bluff sein, aber ich nehme es ihm ab, er lässt zweimal sogar im Flachen reißen, kommt dann aber wieder ran.

Dann kommt endlich die Abzweigung zum Schlussanstieg. Jetzt übernimmt er sogar ein paar mal die Führungsarbeit. Aber schnell kommen die letzten steilen Kilometer näher. Jetzt heißt es durchhalten. Wir verabschieden uns ich ich fahre mein Ding berghoch. Und zwar steil berghoch.

Die Ansage gestern war, der Schlussanstieg hat zwei Teile, der erste ist steil und der zweite sehr steil. Also für den ersten Teil stimmt es schon mal. Es geht mit 12% los, und immer wieder zeigt der Radcomputer 13, 14 oder 15%. Kaum gibt es mal Stellen an denen man sich für ein paar Meter etwas erholen kann.

Ächz! Vor meinem geistigen Auge erscheinen all die Butterdinkelcroissants, Schokoladentafeln und sonstiger Schrott den ich sinnlos gegessen habe ohne das mit Energieverbrauch auszugleichen. Zweimal hatte sich mein Essen und das Gewicht schon fast wieder normalisiert und dann sind mir lange Einheiten am Wochenende wegen Krankheit verloren gegangen. Und die Woche drauf hatte ich dann Heißhunger auf Essen, dass ich normalerweise gar nicht esse. Vielleicht immer noch eine Nachwirkung vom RAAM letztes Jahr, vielleicht aber auch nur mangelnde Disziplin.

Aber jetzt ist es zu spät, ich muss den Kram den Berg hoch schleppen – steil den Berg hoch schleppen… Auch im Wiegetritt schalte ich nicht mehr hoch, dafür ist es zu steil. Aber letztlich geht es, und noch immer fühle ich mich besser als gestern.

Zwei Teile kann ich in dem Anstieg nicht identifizieren, aber auch keinen ganzen Kilometer mit 16%, wie angesagt. Aber steil genug ist es trotzdem.

Ich fahre recht alleine im Anstieg, aber ziemlich oben komme ich endlich näher an einen Fahrer vor mir. Ich hoffe den noch zu knacken, aber wir passieren gerade die 1000 Meter Marke, das wird knapp. Andererseits ist ein Kilometer mit 12 bis 15% bergauf auch elend lang.

Da kommt doch einer von hinten. Er überholt mich, ich versuche dranzubleiben. Ein bisschen klappt es, aber der Abstand wird minimal größer. Allerdings sind wir jetzt beide schneller als der vor uns fahrende und überholen ihn relativ zügig, noch vor der 500 Meter Marke.

Ich versuche zu kämpfen und zu kontern, aber der Andere wehrt sich ordentlich, so muss ich ihn letztlich ziehen lassen, noch vor der 200 Meter Marke. Die letzten Meter muss ich wirklich kämpfen, selbst am Schluss ist das Biest von Anstieg noch richtig steil.

Dafür stehen im Ziel wieder ein paar Leute und feuern auf den letzten Metern an. Selbst Tourdirektor Bernd Neudert feuert jeden einzeln an.

Dann ist endlich die Ziellinie überquert. Das war mal schön anstrengend, ich denke mal den Maximalpuls habe ich heute erreicht…

Im Gasthaus oben gibt es Schweinsbraten mit Semmelknödel. Und obwohl ich Semmelknödel liebe, belasse ich es bei Bananen, Orangen und Melone. Trinke noch einen Liter Wasser und mache mich dann auf den Rückweg.

Mit den verschwitzten Klamotten in der warmen Gaststube und dann in die kalte Abfahrt ist nicht so gut, immerhin hat es hier nur 2° C.

Es geht zunächst die gleiche Strecke wieder zurück und dann über die Bundesstraße bis zur Nordspitze des Ossiacher Sees, und noch einen Teil der Zeitfahrstrecke vom ersten Tag zurück nach Ossiach.

Obwohl ich es eigentlich nicht so gut finde, dass die Zielorte soweit von Ossiach entfernt sind, so macht es diesmal erstaunlicherweise sogar Spaß die Beine auszufahren, und ich bin nach 50 Minuten im Hotel.

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