Trainingslager Lanzarote Tag 12

Morgens beim Aufwachen ist etwas anders als sonst. Ich bin noch etwas verschlafen, deshalb ist mir nicht gleich klar was es ist. Aber beim Gang zum Frühstück wird mir klar, dass ein Geräusch fehlt. Ein mittlerweile sehr vertrautes Geräusch, nämlich das Pfeifen, eher Brausen des Windes wenn er durch die offenen Gänge der Appartmentanlage fegt.

Es könnte heute also etwas angenehmer zu fahren sein als die letzten Tage. Zumindest wenn die Strecke nord oder nordöstlich führt.

Ich sitze erst um 9:30 Uhr auf dem Fahrrad. Gestern habe ich, etwas dämlich, gepokert und auf den Sonnenschutz für die Beine verzichtet. Dachte es sind ja nur viereinhalb Stunden und das Wetter „schlecht“. Dafür bezahle ich mit einem Sonnenbrand an den Waden und an der Oberschenkelvorderseite. Nicht allzu schlimm, aber immerhin sehe ich aus wie ein Engländer…

Aber schon im ersten Anstieg ist der Sonnenbrand vergessen und die ersten 130 Höhenmeter wandern auf‘s Konto. In Tahiche geht es gleich weiter auf die LZ-34 und in den Anstieg hinauf nach San Bartolome.

Zwar biege ich dann erst mal ab auf die LZ-30 in Richtung Süden, aber ich bleibe nicht allzu lange auf der Straße, sondern bei der ersten sich bietenden Gelegenheit fahre ich wieder westlich, berghoch, auf die LZ-503 in Richtung Conil. So kann ich auf meinem Weg nach Femes noch ein paar Höhenmeter nebenbei sammeln.

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Die Strecke hatte ich heuer noch nicht auf dem Programm und sie ist recht gut zu fahren. Der Straßenbelag ist gut, der Wind ist heute deutlich sanfter als die letzten Tage. Ich fahre bis zur T-Kreuzung mit der LZ-501 und biege rechts ab in Richtung Yaiza.

Nun fahre ich aber gleich wieder bergauf, verlasse Conil, durchquere Tegoyo und an der Kreuzung zur LZ-502 wechsle ich wieder die Richtung und fahre bis La Asomada.

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Gerne würde ich gleich wieder in den Berg hinein fahren, fürchte jedoch, dass es dort erst mal nur Stichstraßen gibt die mich nicht auf die LZ-30 zurückführen. Ich mache einen Versuch, werde auch gleich mit Höhenmetern und schöner Aussicht belohnt, aber nach einem Kilometer ist die Straße zu Ende und ich muss umdrehen.

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So komme ich wieder zurück auf die LZ-502 und fahre weiter bergab bis ich auf die LZ-2 treffe. Auf dieser bleibe ich dann, denn die führt mich jetzt schön hinauf bis Uga. Noch vor dem Ort biege ich allerdings am Kreisel mit den großen Plastikdromedaren ab hinauf in Richtung Femes.

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Auch von dieser Seite geht es erstmal ordentlich berghoch, aber alles noch im Rahmen, die Steigung kratzt nur kurz an zweistelligen Prozentwerten. Bei Las Casitas de Femes ist das Valle del Pozo erreicht, das eher wie eine Hochebene wirkt.

Nach Femes steigt die Straße nochmal etwas, aber nicht sehr stark. Dann geht es in die recht steile aber kurze Abfahrt hinunter bis zum Kreisel von Maciot. Dort biege ich ab und fahre wieder berghoch, bis kurz vor Las Brenas die Straße wieder abfällt und einen schönen Blick auf‘s Meer und die Küste freigibt.

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Unter der LZ-2 hindurch fahre ich dann an den Lainas de Janubio vorbei, eine Saline die ich mir 2013 bei recht stürmischem Wetter angeschaut hatte, und schließlich weiter an der Küste entlang. Hier führt die Straße wie die LZ-67 durch den „frischen“ Auswurf des letzten Vulkanausbruchs. Die entstandenen Klippen bieten dem Meer eine gute Angriffsfläche. Allerdings ist das Meer heute recht ruhig, so dass keine spektakuläre Gischt aufspritzt.

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Ich fahre bis zum Abzweig nach El Golfo, bleibe aber auf der LZ-703 und gelange so bis Yaiza. Dort fahre ich dann die kleine Parallelstraße zur LZ-2 bis ich wieder nach Las Brenas abbiegen kann.

Diesmal also in die andere Richtung. Die Steigung zieht sich schon etwas, aber dann ist endlich der höchste Punkt und damit die schöne Aussicht nach Fuerteventura erreicht. Nach kurzer Abfahrt geht es, diesmal die „böse“ Seite, wieder hinauf nach Femes.

Die 13 bis 17% sind auch diesmal nicht besser zu fahren, aber passt schon. Überraschend ist nur, dass, obwohl der Wind heute deutlich schwächer bläst als die Tage (so ca. 20 km/h), er mir diesmal durchaus lebhaft entgegenschlägt. Ich bin etwas überrascht. Als der Wind so stark geblasen hat war an diesem Anstieg fast Windstille, nun muss ich nicht nur gegen die Steigung sondern auch gegen den Wind fahren. Oben angekommen, geht es gleich weiter über die „Hochebene“, nur nicht ausrollen, sondern schön den „Druck“ halten.

Ich überlege ob ich ein Gel nehmen soll, habe aber noch keinen „Hunger“. Ich nehme trotzdem eins. Die Squeezy Gels schmecken strange, irgendwie sehr künstlich, aber ich mag den Geschmack (alle Geschmacksrichtungen schmecken gleich), nur lassen sie sich nicht recht öffnen. Was ziemlich blöd ist für ein Gel. Die Sollbruchstelle, die man aufreißt ist an der falschen Stelle und so kommt erst mal kein Gel. Man muss irgendwie nochmal mit den Zähnen wild in der Tube rumbeißen bis man an das klebrig süße Zeug drankommt. Naja, ich ärgere mich schon die ganze Woche darüber, aber bis jetzt habe ich immer etwas rausbekommen.

Ich fahre nach der Abfahrt hinunter nach Uga auf die LZ-30 bis zum Bauerndenkmal. Diesmal ist die Strecke trotz Gegenwind gut zu fahren. Denn der Gegenwind ist einfach nur normaler Gegenwind, nicht dieses ruppige Biest, das wild am Lenker reißt und einen in den Graben werfen will. So gelange ich auch viel schneller zum Denkmal als gedacht und biege dort in Richtung Küste ab um nochmal eine Schleife über Soo und Caleta de Famara zu fahren.

Die Temperatur ist trotz des weniger starken Windes und der geringen Bewölkung erstaunlich moderat. Selbst an den üblicherweise recht warmen Stellen der Strecke erreicht die Temperatur keine 20° C, oft liegt sie eher um 15° C.

So bin ich recht zuversichtlich, dass mein Wasservorrat reichen könnte, wenn auch knapp.

Die Fahrt von Soo bis Famara habe ich noch nie so sanft erlebt. Kein ohrenbetäubender Lärm, kein brutaler Gegendruck, einfach nur normaler Gegenwind, macht richtig Spaß, vor allem kann man schön im gewünschten Trainingsbereich bleiben.

Hinter Famara geht es dann berghoch. Irgendwie überkommt mich Hunger und ich will mir noch ein Gel geben. Wieder kämpfe ich mit der widerspenstigen Verpackung. Obwohl ich schon recht tief in die Tube reinbeiße reicht es wieder nicht, und es kommt nichts raus. Ärgerlich mache ich einen zweiten Versuch, dabei reiße ich die komplette Seite auf und die klebrige Soße tropft mir auf die Handschuhe, die Finger und das Rad.

Mit Mühe sauge ich aus der Tube was möglich ist, stopfe das völlig beschmierte und verklebte Ding in mein Trikot und muss nun mit der beschmierten Hand natürlich wieder Lenker und Schalthebel anpacken. Innerhalb einer Minute ist alles komplett versaut und das Zeug klebt wirklich wie die Pest. Also sorry Leute von Squeezy, wie gesagt ich mag den Geschmack, aber an so einer Verpackung gibt es wirklich nicht viel zu testen, das einzige was man testen muss ist, ob man an den verdammten Inhalt auch ohne Werkzeug dran kommt. Und genau das funktioniert nicht. Und nein ich nehme keine Schere mit beim Radfahren um so ein blödes Gel zu öffnen. Die Teile muss ich aussortieren, schlicht unbrauchbar.

Den ganzen Anstieg nervt mich das Geglibber und ich würde mich gerne mal mit den Ingenieuren vom Hersteller austauschen. Aber so geht die Zeit auch ganz gut rum. Mittlerweile arbeite ich mich den Anstieg nach Teguise hinauf.

Von dort fahre ich die LZ-10 in Richtung Haria, so wie ich es auch schon Dienstag gemacht habe. Also über Los Valles, vorbei am Windpark und der Radarstation bis zum höchsten Punkt kurz vor dem Aussichtsrestaurant. Da letztes mal der Kameraakku leer war kann ich nun das Knipsen der schönsten Stellen nachholen…

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Auch diesmal fahre ich nicht ganz hinunter bis Haria, sondern biege auf die LZ-207 in die Abfahrt über Tabayesco ein und muss sogar etwas reintreten um Tempo zu halten, da mir der Wind entgegen bläst. Unten angekommen biege ich dann auf die LZ-1 ein um die letzten Kilometer mit Rückenwind in Richtung Hotel zu fahren.

Mit der Zeit komme ich ziemlich genau hin, der Energieumsatz passt, die Höhenmeter ebenso, also ein ganz brauchbarer Trainingstag.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank übrigens für die schönen Fotos. Freut mich, dass Du mit dem Trainingstag – trotz klebriger Pampe – zufrieden warst.