Trainingslager Lanzarote Tag 6

Nach dem Ruhetag gestern könnte es sein, dass heute die Beine etwas schwerer sind als gewöhnlich, aber es war ja ein aktiver Ruhetag und so geht es zunächst ohne Probleme los.

Das Wetter sieht etwas finster aus. Der Wind bläst heftiger als die Tage zuvor, es ist etwas kühler und beim Losfahren bekomme ich einige Regentropfen ab. Allerdings regnet es hier eher selten richtig. Die Wolken können kaum richtig abregnen, sie werden einfach zu schnell über die Insel geweht. Kein Gebirge das hoch genug wäre sie aufzuhalten.

So werde ich auch nicht wirklich nass. Auf Grund der niedrigen Temperatur habe ich auf zusätzliches Wasser verzichtet, denn heute stehen nur viereinhalb Stunden mit EB Intervallen in der ersten Hälfte und G2 Intervallen in der zweiten Hälfte an, da sollten die zwei Liter Wasser am Rad reichen.

Zunächst fahre ich bis Tahiche, wie schon einige Male zuvor, biege dann aber nicht ab in Richtung Teguise, sondern fahre an dem wirklich spektakulären Haus von Manrique vorbei auf der LZ-34 in Richtung San Bartolome. Auch diese Strecke bin ich 2013 schon gefahren, hatte aber ganz vergessen, dass es hier ja nach kurzer Zeit erst mal richtig berghoch geht.

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Eine gute Gelegenheit das erste EB-Intevall einzustreuen. Ich trage Armlinge und bin jetzt ganz froh darum, da es doch sehr frisch ist und der Wind kühlt, trotz des Intervalls ist mir nicht zu warm. An einem Vulkankegel vorbei führt die Strecke nach San Bartolome.

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Dort gibt es sogar ein Fahrradgeschäft. Allzu viele gibt es davon nicht auf der Insel. Aus San Bartolome heraus geht es zwar etwas bergab, aber der Wind bläst von schräg vorne, so dass ich keine Probleme habe die Leistung im jeweils geforderten Bereich zu halten…

Ich fahre bis zum Monumento al Campesino, ein markanter Punkt den man schon von etwas weiter sehen kann. Dort fahre ich geradeaus in Richtung Küste, weiter bis Tiagua und immer schön gegen den Wind, bevor ich dann über La Vegueta in Richtung Mancha Blanca fahre, endlich mit der Unterstützung von hinten.

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In Mancha Blanca fahre ich dann erstmals für dieses Jahr auf die LZ-67, die durch den Timanfaya Nationalpark führt. Diese Straße ist, wie übrigens auch die LZ-30 durch die Weinfelder, explizit als Radfahrstraße ausgewiesen. Autos sollen hier nur 50 km/h fahren.

Der Belag ist sehr gut, die Landschaft sieht aus, als wäre der Vulkanausbruch gerade erst passiert, Rückenwind schiebt mich von hinten, sehr cool.

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Ganz habe ich die Länge der Strecke nicht mehr im Gefühl, so kommt es, dass ich zu spät mit dem EB-Intervall anfange und nach dem kleinen Anstieg hinter dem Abzweig zum Restaurant und Aussichtspunkt, bergab in Richtung Yaiza heftig gegen die Bremse fahren muss. Ich fluche etwas, denn die Abfahrt hätte ich gerne genossen, aber das Intervall will ich nicht abbrechen.

In Yaiza fahre ich dann bergauf und über Uga auf die LZ-30. Die führt durch La Geria und das Hauptweinanbaugebiet der Insel. Hier werden die Weinreben, die auf dem Boden liegen und nicht nach oben wachsen in Kuhlen, die mit kleinen Mäuerchen zusätzlichen Windschutz bekommen, in der Feuchtigkeit anziehenden Vulkanerde angebaut. Dadurch ist es auch auf der eigentlich recht trockenen Insel möglich Weinanbau zu betreiben, Sonne gibt‘s hier eh ja genug.

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Diese Mischung aus wilder Vulkanlandschaft und Kulturlandschaft ist durchaus reizvoll. Allerdings muss ich, da ich nun wieder in Richtung Norden fahre, ordentlich gegen den Wind kämpfen.

So ackere ich mich vorwärts bis zum Monument für den Bauern, wo ich heute ja schon mal vorbeigekommen bin, und da ich mittlerweile in der dritten Stunde fahre setze ich das erste G2 Intervall an. Der Wind bläst mir jetzt recht frontal entgegen, dabei ist er ziemlich böig. Er reißt an meinem Lenker, die Fahrt ist wirklich unruhig, und er wirkt dadurch regelrecht aggressiv. Irgendwie stößt das eine Gegenreaktion in mir an, will heißen wenn du blöder Wind an meinem Lenker zerrst, dann bin ich aber auch aggressiv zu dir.

Sinnlose Reaktion, aber mittlerweile stecke ich das ganz gut weg. Es gab Zeiten wo ich den Wind angeflucht habe, das spare ich mir mittlerweile.

Nach einigen unruhigen, durchaus anstrengenden Kilometern kann ich kurz vor Teguise in Richtung Famara abbiegen. Und obwohl ich hier jetzt ebenfalls unangenehmen Kampf gegen den Wind erwartet habe, geht es eigentlich. So kann ich, zwar mit ergometerartigem konstantem Widerstand, aber doch mit genug Lockerheit im G1-Bereich auf dem Auflieger in Richtung Meer fahren.

Ein Rennradler nimmt sich meinen Windschatten und lässt sich von mir bis Caleta de Famara ziehen. Dort ist das Meer heute recht aufgewühlt und es gibt eine ganz ordentliche Brandung.

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Dann geht es wie gehabt mit Rückenwind bergauf in Richtung Soo. Ich genieße die plötzlich eintretende Ruhe und das lockere Treten mit der Windunterstützung. Da ich noch ein Intervall auf dem Plan habe, fahre ich die „La Santa Runde“, ähnlich wie schon am zweiten Tag, über La Santa, Tinajo, Mancha Blanca über die LZ-56 bis zur T-Kreuzung mit der LZ-30.

Erstaunlicher Weise geht auch das letzte Intervall genauso gut wie das erste. Gel brauche ich heute keines, der Wasservorrat reicht auch. Allerdings ist es jetzt das erste mal etwas wärmer für heute und ich überlege kurz ob ich die Armlinge ausziehen soll, aber mitten im Intervall konzentriere ich mich lieber darauf einigermaßen konstant im vorgegebenen Leistungsbereich zu treten. Wenn es auf der LZ-30 wieder gegen den Wind geht, ist es eh wieder kühl.

Genau so kommt es auch. Der Wind ist nun allerdings etwas weniger böig, was ein gleichmäßigeres Fahren möglich macht. Zum dritten mal für heute bekomme ich ein paar Tropfen ab, aber eben nur „lanzarotischer“ Regen, kaum erwähnenswert.

Vor Teguise beschließe ich aus Neugier die kleine Nebenstrecke LZ-408 nach Nazaret zu nehmen, eine der schlechtesten Straßen die ich 2013 auf Lanzarote gefahren bin. Mal schauen ob die inzwischen einen vernünftigen Belag bekommen hat. Ich biege allerdings nicht direkt ab, sondern fahre bis zum Kreisel vor Teguise und kehre dann um, um noch mal ein paar Kilometer mit Rückenwind zu genießen.

Ich brauche keine zwanzig Sekunden um festzustellen, dass die LZ-408 nicht erneuert wurde. Und sie ist noch viel schlechter als ich sie in Erinnerung hatte. Für ein Rennrad wirklich grenzwertig. Es schüttelt mich ordentlich durch. Immerhin weiß ich nun, dass die Strecke nach wie vor keine Alternative ist, und ich das nächste mal besser den Anstieg nach Teguise fahre statt diese flache aber elende Straße.

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Aber auch die ruppigsten Strecken gehen zu Ende und so kann ich den Rest der mittlerweile sehr vertrauten Strecke zurück ins Hotel noch genießen. Mit der Zeit komme ich recht genau hin und auch der Energieumsatz passt. Ein guter Trainingstag.

Nach dem Regenerationsdrink, ein paar Reiswaffeln und dem obligatorischen Regenerationsschlaf fahre ich abends nochmal zum Yachthafen Marina del Puerto Calero. Hier muss ein Lämmchen dran glauben um meine Nährstoffspeicher für morgen wieder auf zuladen.

Ein Kommentar

  1. Gegen den Wind anfluchen – jupp, das wäre mein Ding. Geht mir ja schon beim Autofahren so – Ungeduld ist meine Stärke – zum Glück hört das ja keiner, wenn ich im Auto fluche, aber auf dem Rad – ne, ne, das lasse ich lieber, bin schließlich kein öffentliches Ärgernis.
    Die Strasse sah ja echt übelst aus, dass das die Reifen überhaupt mitmachen.
    Und das Lämmchen… bin zwar kein Veganer, aber da „blutet“ mir das Herz ob Deiner „brutalen“ Ausdrucksweise :-( , na ja, ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber ich sehe das gleich irgendwie bildlich vor mir – Du mit dem Hackebeil und das arme Lämmchen ;-) :D