Trainingslager Teneriffa 2017 – Tag 8

Entgegen dem Trainingsplan folgt heute nicht noch so eine „Königsetappe“. Erstens war die von gestern deutlich heftiger als geplant und zweitens will ich Katrin nachher zum Flughafen fahren, die muss nämlich leider schon nach Hause.

Ich ziehe die letzte Etappe des Blocks vor und plane nur ca. vier Stunden. Kommt mir sehr entgegen da ich mich auch nicht besonders locker fühle. Die Sitzfläche schmerzt auf beiden Seiten, die Beine fühlen sich schwer an und das Wetter sieht zwar regnerisch aus ist es aber nicht, im Gegenteil es ist ein ganzes Stück wärmer als die Tage zuvor.

Da ich eigentlich ein eher flaches, leicht welliges Profil bräuchte müsste ich mal kurz die Insel wechseln. Lanzarote oder Fuerteventura wären jetzt genau richtig. Geht natürlich nicht, also schaue ich mal was sich so ergibt. Der erste Hügel (und der erste Stau) ist schon auf dem Weg nach Los Christianos zu meistern.

Die Beine gehen jetzt nicht sensationell, aber eigentlich funktioniert es berghoch einigermaßen brauchbar. Ich habe zweieinhalb Liter Wasser und zwei Gels dabei. Muss für so eine kurze Etappe reichen. Das Flaschenproblem löse ich heute abend.

In Los Christanos fahre ich dann auf die TF-51 in Richtung Teide, wohin sonst…

Da ich noch nicht so recht Lust auf die kurvige TF-28 habe, beschließe ich einfach, bis Vilaflor bergauf zu fahren und dann über die TF-21 wieder abwärts, je nachdem wieviel Zeit vergangen ist, kann ich ja dann immer noch die 28 in Richtung nordost fahren.

Das konstante Bergauffahren tut eigentlich ganz gut. Ich bemühe mich vom Kopf her zwar niedriges G2 zu fahren, die Beine möchten anfangs aber lieber wie die Tage zuvor G2 fahren. Na wegen mir. Nur in den flacheren Abschnitten versuche ich eher nur hohes G1 zu fahren, ich will mich ja heute ein bisschen erholen.

Ich mache kaum Fotos und denke so vor mich hin. Die Sitzfläche hat sich etwas beruhigt. Die wird halt gerade in den Abfahrten sehr malträtiert, da es auf Teneriffa doch einiges an schlechter Straße mit relativ hoher Geschwindigkeit zu bewältigen gilt.

Heute herrscht wirklich sehr viel Verkehr. Schon auf der TF-66 zum Start hat es sich gestaut, und es dauert fast bis Arona bevor der Verkehr nachlässt. Dort geht es vorbei an einer Spontanbaustelle. Ich mag es sehr wenn die Straße frisch asphaltiert wird, am liebsten natürlich auf der Abfahrtsseite…

Es sind doch einige Kilometer bis Vilaflor zu fahren. Die Beine gehen einigermaßen, ich fahre etwas verhaltener als die Tage zuvor, aber so zwei Kilometer vor dem Ort überlege ich kurz ob ich nicht durchziehen soll bis zum Teide, ich finde sowieso keine flache Strecke und dann komme ich ungefähr bei viereinhalb Stunden raus wenn ich direkt wieder runter fahre.

Aber ich fürchte dann doch, etwas zu überziehen, und fahre in Vilaflor wie geplant wieder abwärts über die TF-21 in Richtung Granadilla. Auch jetzt mache ich kaum Fotos, kann die Abfahrt aber nicht so genießen, da sich die Sitzfläche doch wieder etwas bemerkbar macht, außerdem wird es recht warm.

Es kommen mir Scharen von Rennradfahrern entgegen, diese Route scheint für die Auffahrt sehr beliebt zu sein. In einer Kurve hat ein entgegenkommender Autofahrer die Geduld verloren und überholt eine Gruppe Radfahrer, mir bleibt gerade noch eine Lenkerbreite Platz. Da ich natürlich in der Kurve liege und somit breiter bin als ein Lenker wird es ganz schön knapp, ich kann den Luftzug vom Auto spüren… Geht aber alles gut.

Die Abfahrt zieht sich etwas, aber dann bin ich in Granadilla angekommen und fahre die TF-28 erstmal in Richtung nordost, denn es sind gerade mal zweieinhalb Stunden um. Es herrscht sehr lebhafter Verkehr im Ort und jetzt wird es unangenehm warm. Ich überhole einen Jungen auf dem Trekkingrad, der kontert aber an den Autos vorbei und zieht mich im Ort erst mal ab. Als es aus Granadilla heraus geht brauche ich einen Moment bis ich ihn eingeholt habe. Bin wohl nicht so recht in Form heute.

Die Hitze nervt mich etwas, mehr aber noch die jetzt wirklich schlechte Straße. Fiese Querfugen, rauher, aufgerissener Asphalt, Schlaglöcher, die Straße ist noch deutlich schlechter als vor drei Jahren. Ich verliere etwas die Lust, vor allem da ich die Sitzfläche wieder spüre. Ich fahre ein paar Kilometer und beschließe dann umzukehren.

Es ist jetzt über 28° C, die Sonne knallt, die Straße lädt nicht gerade zum Fliegen ein, eigentlich könnte ich jetzt auch gut aufhören und irgendwo einen Cafe trinken. Ich reiße mich aber nochmal zusammen und bringe die Kilometer bis Granadilla hinter mich. Im Ort verfahre ich mich aber und bin schon auf dem Weg bergab als ich es bemerke. Also drehen und wieder ein Stück hochkurbeln.

Die großen Trinkflaschen habe ich ausgetrunken, die kleine Flasche ist noch halb voll. Gerade als ich nachrechne ob die Getränke reichen und ich wieder auf die richtige Strecke abbiege sehe ich ein Sportgeschäft. Ich halte kurz an, springe rein – und siehe da, es gibt immerhin 0,75er Flaschen und die passen sogar in die Halter. Auch wenn sie etwas teure zehn Euro das Stück kosten nehme ich zwei und schwinge mich wieder auf‘s Rad. So hat sich das Verfahren doch gelohnt…

Die vier Kilometer bis San Miguel gehen trotz mäßigem Belag ganz gut, ich biege dort aber nicht ab, sondern fahre weiter bis Valle de San Lorenzo und auch dort noch nicht bergab, sondern weiter in Richtung Los Christianos. Den einen Hügel zurück an die Costa del Silencio möchte ich schon noch mitnehmen. Die Sitzfläche hält gerade Ruhe, ich überlege nur ob ich das zweite Gel noch nehme, beschließe aber das für morgen aufzusparen, ist nämlich mein letztes.

Bis La Camella läuft es dann ganz gut, auch in der folgenden Abfahrt kann ich noch etwas mittreten und auch wenn das Wasser jetzt aufgebraucht ist, komme ich noch gut über den Berg, der mich an der Autobahn entlang auf die TF-66 bringt.

Den Schlussabschnitt fahre ich dann zwar auch im Auflieger wie gestern aber nur im mittleren G1 Bereich, also nicht so richtig fliegen heute… So spare ich allerdings noch ein paar Körner für morgen. Heute Abend werde ich essen ohne Ende und morgen dann eine weitere Königsetappe in Angriff nehmen. Mal schauen ob sich Beine und Gesäß bis dahin erholt haben.

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