Trainingslager USA Tag 16

Letzter Trainingstag heute. Auf dem Auto liegt noch etwas Schnee von gestern abend, es ist sehr kalt. Ursprünglich wollten wir am letzten Tag zu zweit noch etwas fahren. Aber Marco ist es definitiv zu kalt.

Mir auch, aber ich fahre trotzdem. Wenn man erst mal auf dem Rad sitzt wird das schon, außerdem scheint aus der Richtung in die ich fahren werde die Sonne. Glaub‘ ich jedenfalls.

Das Motel in dem wir übernachten ist so wie die Stadt. Nichts lädt einen hier zum verweilen ein, man will nur weg. Es gibt auch kein Frühstück. Deshalb fahren wir erst mal die Main Street in Trinidad entlang und suchen ein Cafe oder ähnliches.

Vieles hat geschlossen, aber nicht etwa weil heute Sonntag ist, sondern weil es für immer geschlossen ist. Die Stadt sieht aus als würde sie sterben. Sehr deprimierend. Aber wir finden doch noch was. Nämlich das Trinidad Diner. Offensichtlich von einem Mexikaner betrieben scheint es nicht nur einziger Anlaufpunkt für die Leute vor Ort, sondern auch eine Art Kultrestaurant mit dem besten Pie Colorados zu sein.

Das Frühstück ist wirklich ok, und preislich sehr fair. Es schneit heute nicht, aber es ist unter Null Grad, es kostet mich schon etwas Überwindung heute nochmal auf das Rad zu steigen, zumal ich gestern so platt war. Aber ich bin ja hier zum Trainieren, also den einen Tag ziehen wir noch durch. Auch wenn Marco schon erste Verschleißerscheinungen zeigt.

Wir packen das Rad aus dem Auto und ich will gerade losfahren, da muss ich feststellen, das die Kette neben dem kleinen Blatt liegt. Also erst nochmal die Handschuhe ölig gemacht, dann geht es aber wirklich los.

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Das Schaltwerk macht erst mal überhaupt keinen Mucks mehr. Ich habe zwei Gänge zur Verfügung, 34-11 und 50-11. Aber das ärgert mich heute überhaupt nicht. Fahre ich eben mit den beiden Gängen. Es hilft dabei sehr, dass ich erst mal etwas Rückenwind habe, und die Strecke nur sanfte Wellen hat, so dass ich irgendwie hinkomme.

Es ist auf dem Fahrrad erst mal gar nicht sooo kalt. Obwohl es 3° C unter Null ist, fühlt es sich nicht so an. Die Sonne scheint und die Luftfeuchtigkeit ist wieder gering. Es macht Spaß zu fahren, die Beine funktionieren gut, und es freut mich, dass ich mich nicht habe hängen lassen und nochmal auf’s Fahrrad gestiegen bin.

Es geht immer geradeaus durch die High Plains. Landschaftliche Abwechslung wird es ab hier erst mal nicht mehr geben. Der Straßenbelag ist zunächst ok. Die Strecke ist trocken, um Glatteis muss ich mich also nicht sorgen.

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Wir fahren auf der 160 in Richtung Kim, der 21. Timestation. Es herrscht fast gar kein Verkehr. Nach einer halben Stunde gelingt es mir ein weiteres Ritzel zu schalten, jetzt habe ich schon vier Gänge, ist auch besser so, denn nun zweigt die 160 rechts von der 350 ab und der Wind kommt von schräg vorne. Noch sind die Wellen sanft, so dass ich es mit Aufrichten, Bremsgriffhaltung oder Aeroposition schaffe die Leistung zu dosieren, in den kleinen Anstiegen fahre ich im Wiegetritt, dann passt das ganz gut.

Die Kilometer fliegen gut dahin, auch mental bin ich gut drauf, natürlich auch, weil ich weiß, dass das der letzte Trainingstag ist.

Zwischendurch ist die Straße am Rand etwas feucht, aber nicht vereist. Aus den minus drei sind jetzt plus drei Grad geworden. Der Himmel wird immer blauer, die Sonne beginnt langsam zu wärmen. Der Wind bläst immer noch von der Seite oder von schräg vorne.

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Der Straßenbelag wird nun etwas schlechter, Querfugen ab und zu, und sehr rauher Asphalt. Aber ehrlich gesagt gefällt mir das sogar. Nicht das ich masochistisch veranlagt wäre, aber für den letzten Tag passt das nochmal ganz gut. Und wenn man frisch und ausgeruht ist, dann macht das nicht so viel aus. Beim RAAM ist es eher die Dauer der man dieser Belastung ausgesetzt ist, und natürlich die erschöpfte Muskulatur bzw. Hilfsmuskulatur, die die Vibrationen und Schläge nicht mehr abfangen kann.

Da es so kalt ist trinke ich recht wenig. Nach einer knappen Stunde hat die Schaltung erst mal alle Gänge freigegeben, ich kann nur noch nicht selbst entscheiden welchen Gang genau ich fahren kann.

Die Wellen werden jetzt größer und die Anstiege bzw. Gefälle länger. Die Landschaft ändert sich ansonsten kaum. Weideland und sonst nichts.

Nach einiger Zeig fahren wir auf einen Berg zu, und die Straße muss um diesen herum um Kim zu erreichen. Ich hoffe links rum, denn das bedeutet Rückenwind, rechts rum wäre blöd. Aber ich habe Glück, es geht in einer Kurve nach links und nun habe ich wieder gute Windunterstützung.

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Auch die ist auf Grund der weiteren Straßenführung irgendwann weg, aber es läuft noch immer gut. Ich bin nun eindreiviertel Stunden unterwegs, bis Kim werde ich auf jeden Fall fahren. Dort ist dann Schluss und wir fahren mit dem Auto nach Denver.

Die Schaltung funktioniert immer besser und nach gut zwei Stunden kann ich fast alles schalten und bekomme, nach etwas hin und her, jeden gewünschten Gang. Sehr gut. So kann ich fast ganz normal fahren und die letzten Kilometer nochmal genießen.

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Es zieht sich zwar noch etwas bis zur TS, aber trotzdem funktionieren die Beine gut. Und irgendwann sind es nur noch 10 Kilometer. Sehr cool, die letzten Kilometer, Trainingsplan ganz gut umgesetzt und die Strecke bis zur TS21 abgefahren. Sehr zufriedenstellend. Auch dieser letzte Abschnitt war nochmal wichtig, denn er vermittelt einen guten Eindruck von dem was mich nach den Rocky Mountains erwartet, nämlich die High Plains und die Great Plains. Eine immer gleich erscheinende Landschaft die wenig markante Punkte bietet.

Noch einmal geht es um eine Kurve, die hier sogar mit Blinklicht angezeigt wird, damit die Autofahrer nach dem vielen Geradeausfahren aufwachen. Nun habe ich vollen Rückenwind und kann die letzte Meile easy dem Ziel entgegenrollen.

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Das war doch ein sehr schöner Abschluss. Das letzte Ensure ist aufgebraucht, jetzt nur noch raus aus den Fahrradklamotten ins warme Auto.

Wir fahren noch vier Stunden durch die recht gleichförmige Landschaft. Weiden und ab und zu mal Felder, kaum Besiedlung. Beeindruckend, aber auch seltsam.

Dann haben wir unser Ziel Denver erreicht. Heute haben wir wieder ein vernünftiges Zimmer. Nach etwas frisch machen, geht es nach Downtown Denver. Es ist sogar etwas los und wir entdecken einige gute Lokale und Locations. Letztlich bleibt es aber bei einem, recht leckeren, Essen, und kurzem Gang durch die wichtigsten Straßen, denn wir sind beide ziemlich müde. Morgen gucken wir und das nochmal bei Tageslicht an und dann geht es in den Flieger nach Hause. Endlich wieder auf der Rolle fahren…

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