Trainingslager USA Tag 3

Für heute stehen eigentlich nur drei Stunden auf dem Trainingsplan, allerdings etwas intensiver. und mit einem kleinen Ernährungstest. Aber wie ich das genau umsetze weiß ich noch nicht.

Marco fährt mich erst mal zu der Stelle an der wir gestern umgekehrt sind, von da fahre ich weiter in Richtung Lake Henshaw, der ersten Time Station (TS). Dabei werde ich von Marco per Leapfrog Support (so heißt beim RAAM die Versorgung vom Straßenrand mit stehendem Auto) versorgt.

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Ich fahre also weiter auf der 76 in Richtung Ost bzw. Südost. Der Verkehr ist zunächst noch durchaus lebhaft, aber schwächer als gestern. Ich habe die GoPro an den Aero Aufsatz montiert, alledings hatte ich vor dem Abflug nicht die geringste Zeit mich mit dem Ding zu beschäftigen, so dass ich die Fernbedienung erst mal im Hotel gelassen habe und einfach anschalte, auf Aufnahme drücke und gut ist, das sollte ja wohl so funktionieren.

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Highway 76

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Multimedia Cockpit, Fausto Coppi würde sich im Grabe umdrehen…

Nach dem schmalen, einspurigen Abschnitt wird die Straße dann wieder breiter. Dabei geht es insgesamt immer leicht berghoch. Auch gibt es ab und zu wieder einen, teils sogar breiten, Seitenstreifen.

So ca. 24 Meilen vor Lake Henshaw kommt die erste richtige Steigung, mit Steigungen um 7%. Man kommt zwar irgendwie oben an, aber letztlich steigt die Straße weiter hin leicht an, meist so bei knapp 3%. Dabei fährt man durch Apfelsinenplantagen und große Blumen und Baumplantagen.

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Die Landschaft ist sehr schön, das Wetter ist sehr gut, es ist jetzt schon recht warm. Und obwohl ich immer schön auf der 76 bleibe, spielt der Garmin kurz verrückt und erzählt mir ich solle rechts in die Sonstwasstraße einbiegen, dabei geht es da in den Wald. Irgendwann fängt sich das Ding aber wieder, rechnet kurz nach und stimmt mir dann zu, dass ich auf der richtigen Route bin.

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Als ich das Trainingslager geplant habe, hatte ich mir keine Gedanken über die zu erwartende Landschaft oder die USA im allgemeinen gemacht, mir ging es nur um Streckenbesichtigung und Training. Dass ich jetzt hier fast sowas wie Radreisenfeeling bekomme und wirklich neue fantastische Eindrücke, das ist ein echter Bonus den ich genießen kann.

Die Strecke bekommt nun einen etwas anderen Charakter und schöne große Bäume spenden manchmal etwas Schatten. Der Verkehr nimmt immer mehr ab.

Die Strecke flacht ab, wobei das Profil immer wellig bleibt, man kann also nicht einfach so dahinsegeln. Da ich die GoPro am Aeroaufsatz befestigt habe ist das erst mal unbequem, so dass ich eigentlich immer in Bremsgriffhaltung fahre. Für das Training ist der zusätzliche Luftwiderstand ja eher willkommen…

Die Asphaltqualität schwankt. Auch gibt es mal einen Seitenstreifen den man befahren kann und mal nicht. Man muss immer aufmerksam bleiben, da die Änderungen eher unsystematisch und unregelmäßig erfolgen. Im Großen und Ganzen verbessert sich aber die Qualität des Belages.

Dann haben wir Lake Henshaw erreicht. Kein Ort, sondern ein Campingplatz und ein See. Deshalb hat das Auto Navi den Ort auch nicht gekannt.

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Lake Henshaw

Nach ca. 4 Meilen biegen wir in Richtung Norden auf die 79 ab. Jetzt gibt es erst mal schönen Rückenwind. Auch hier kaum Verkehr, so kann ich mit der GoPro ein paar Aufnahmen machen.

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Weitere 4 Meilen weiter geht es dann wieder in Richtung Osten auf die S2. Ab hier wird es immer sandiger am Straßenrand. Außerdem gibt es etwas Gegenwind und es geht berghoch, meist aber eher moderat.

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Wieder ca. 4 Meilen und wir biegen ab auf die S22. Auf dieser Straße bleiben wir jetzt bis Borrego Springs. Marco versorgt mich zwischendurch mit Trinkflaschen und für zwei Minuten mit cooler Bluesrockmusik. So könnte es sich auch beim RAAM anfühlen.

Ich bin nicht gerade top in Form, aber irgendwie ist es gut hier mal gefahren zu sein, letztlich sind das hier auch nur normale Straßen mit ein paar Autofahrern drauf, vielleicht gelingt es mir den übergroßen Respekt vor dem RAAM etwas abzulegen.

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Sehr amerikanische Landschaft

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Die Strecke geht nun recht beständig mit ca. 3% bergauf. Das kommt mir momentan recht flach vor, nachdem ich ja einige Zeit mit 7-8% berghoch gefahren bin. Im Rennen würde ich hier natürlich auf den Aerobars fahren, so fahre ich eher aufrecht und gucke mir auch ein bisschen die Landschaft an.

Schließlich ist der höchste Punkt erreicht. Ab hier geht es nun im „Glass Elevator“ über 17 Meilen ca. 1000 Hm bergab. Aus den Beschreibungen der anderen Fahrer und von Fred und Rick kenne ich diese Abfahrt schon, aber es jetzt selbst zu fahren ist sehr geil. Das Gefälle ist eher moderat um 7-8%, manchmal etwas weniger, die Kurven sind bis auf zwei drei Ausnahmen recht weit, so dass man praktisch ohne zu bremsen da runter segeln könnte.

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Noch ganz oben, im Hintergrund die Anza-Borrego Wüste

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Das Gefälle in der Abfahrt ist meist moderat, bis ca. 8%

Allerdings ist es recht windig, und an manchen Stellen peitscht der Wind unerwartet von der Seite, so dass es etwas am Fahrrad reißt. Mit hochprofiligen Aerofelgen muss man sicherlich etwas aufpassen.

Die Aussicht auf die Weite der unten liegenden Anza-Borrego Desert ist beeindruckend. Und auch wenn es erst März ist, nach ca. 14 Meilen der Abfahrt taucht man in die trockene Hitze (ok, zu dieser Jahreszeit Wärme) der Wüste ein. Das Thermometer steigt auf 33° C.

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Fantastischer Blick über die Wüstenlandschaft

Unten angekommen geht die Fahrt durch Borrego Springs, eine ranchartige Hotelanlage, eine Urbanisation, ein Campingplatz für historische Camper, eine Mall, alles an einer langen Straße in großen Abständen, das scheint der ganze Ort zu sein.

An einem großen Kreisel am Ende vepasse ich die Ausfahrt auf die S3, biege eins zu spät ab und bringe damit den Garmin Radcomputer komplett aus dem Tritt. Zwar merke ich meinen Fehler und fahre wieder zurück in Kreisel und dann richtig ab, aber das Ding hat schon angefangen zu rechnen und kommt nicht mehr auf die Beine. Immer wieder meint er ich solle doch die nächste rechts abbiegen, obwohl ich jetzt auf der richtigen Strecke bin. Auch aus- und einschalten hilft nicht, Garmin und Software, das geht einfach nicht zusammen.

Irgendwann bin ich dann wirklich verunsichert, und frage an einer Kreuzung, bzw. ich fahre etwas suchend herum und ich werde angesprochen ob ich Hilfe brauche. Der nette man will mich über die falsche Strecke auf die 78 schicken, ich weiß zwar welche Richtung falsch ist, aber welche richtig ist kann ich leider nicht so richtig feststellen, zumal der Garmin mit ganz eigenen Ideen nervt.

Aber ich bin eigentlich eh genug gefahren für heute. Und Marco ruft an, dass er wegen eines Unfalls einen Umweg fahren musste, so verabreden wir uns in Borrego Springs und fahren dann mit dem Auto wieder zurück nach Oceanside. Morgen werden wir an dieser Stelle weiterfahren.

Abends genießen wir noch etwas den Sonnenuntergang über dem Pazifik, und das Treiben am Strand und im Wasser. Nach einem amerikanischen Essen im Pier Restaurant teste ich einen der vielen Barbershops. Die schneiden normalerweise Miltärfrisuren für die Soldaten der hiesigen Militärbasis, aber die nette Dame kriegt auch eine weniger miltärische Frisur ganz gut hin…

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Oceanside

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Im Barbershop

 

 

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