Trainingslager USA Tag 4

Heute verabschieden wir uns von Oceanside. Wir wollen möglichst schnell nach Borrego Springs, wo der gestrige „Fahrradarbeitstag“ geendet hat, darum lassen wir das Navi die schnellste Route aussuchen und fahren nicht nochmals auf der original RAAM Route.

Da wir es noch einiges zu organisieren gab, und wir noch packen und auschecken müssen fahren wir erst viertel vor elf los. Die Autostrecke zieht sich dann doch sehr, andererseits ist die Landschaft fantastisch, also nicht so schlimm, auch wenn ich natürlich heiß darauf bin, endlich auf dem Fahrrad zu sitzen.

Heute stehen aber nur ca. 4 Stunden auf dem Programm. Trotzdem alles in allem ist die Zeit recht knapp, Blog schreiben, Bilder runterladen, Radcomputer auslesen und laden, essen, Fahrrad checken, packen usw., dabei bin ich abends recht müde, und nun auch noch einen Tag im Rückstand mit dem Blog…

Auf der 78 mache ich mir zunächst Gedanken wie ich nachher auf diesem 4-spurigen Highway mit viel Verkehr zurechtkomme, aber die Straße ändert sich rasch in eine zweispurige weniger befahrene Landautobahn und dann in ein einspuriges Berggässchen mit kaum Verkehr.

Um halb eins haben wir den Startpunkt erreicht und ich kann endlich auf’s Rad. Zunächst geht es über die S3 hinaus aus Borrego Springs und Borrego in Richtung Süden. Ich befinde mich jetzt in der Anza-Borrego Wüste. Die Luft ist recht trocken, die Temperatur leider recht angenehm, in den hohen Zwanzigern.

Der Straßenbelag auf dem Seitenstreifen, den ich befahre, ist wirklich übel. Jetzt wo ich frisch bin kann ich das ganz gut ab, aber beim RAAM wird das eine Tortur. Der Asphalt ist rau und teils aufgebrochen, gerne mit Querfugen oder -rissen.

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Die Arm- und Beinlinge sollen kühlen und vor Sonnenbrand schützen

Der Wind bläst mir etwas entgegen, Die Strecke wirkt gar nicht öde auf mich, sondern sehr interessant. Auch heute geht es nie wirklich konstant flach voran, sondern die Straße verläuf Wellenförmig direkt der Geländeform entsprechend.

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Stelle mit eher gutem Belag

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Welliges Streckenprofil auf der S3

 

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Da es praktisch nur geradeaus geht kann man weit vorraus sehen. Der Belag wechselt immer mal wieder, aber meine Fahrspur bleibt meist mies. Erst als ich auf die 78 komme und Richtung Osten fahre verbessert sich das teilweise etwas.

Jetzt gibt es sogar etwas Rückenwind. Immer wieder mal ist Sand auf die Straße geweht, den ich umfahren muss, genau wie so 5m Abschnitte mit Betonplatten. Aber ich kann jetzt in Aerohaltung recht locker 40 km/h fahren. Die Strecke ändert sich nur subtil, führt ansonsten praktisch nur geradeaus mit kaum Verkehr bis sie auf die 86 trifft.

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Highway 78 in Richtung Osten

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Highway 78 in Richtung Osten

Hier vereinigen sich für einige Meilen die 78 und die 86 zu einer Straße. Das sieht schon mehr nach Highway aus. Hier rauschen auch immer wieder mal Trucks vorbei. Allerdings bekomme ich zur Belohnung einen erstaunlich guten Belag auf einem schön breiten Seitenstreifen. Jetzt muss ich nur noch darauf achten, dass ich nicht über die Metallteile und sonstigen Schrott der darumliegt fahre.

Das klappt aber gut. Die Beine sind ok, und die Fahrt macht Spaß. Marco hat mich per Leapfrog Support versorgt, so dass ich auch hier noch genug zu trinken habe. Die vorbeirauschenden Trucks sind kein Problem, mal abgesehen von der Lautstärke. Der Abstand ist groß genug und die Windverhältnisse unproblematisch, so dass die mich weder wegblasen noch ansaugen.

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Entgegen meiner Erwartung sind auch die Truckfahrer sehr rücksichtsvoll

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Guter Straßenbelag auf meiner Fahrspur, eine Ausnahme

Ich fahre viel G2, und so ist Brawley, die TS 2, doch recht bald erreicht. An der TS warte ich kurz auf Marco und dann geht es weiter geradeaus durch den Ort hindurch immer auf der 78 bleibend.

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Brawley City Limits

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Brawley

Obwohl es ja Training und Streckenbesichtigung ist, fühlt es sich manchmal doch ein bisschen wie eine Radreise an. Die interessante unbekannte Landschaft auf einem anderen Kontinent, die etwas andere Tierwelt, Vögel die recht seltsame Geräusche machen, andere Autos, völlig anderes Stadtbild wie zu Hause, alles sehr spannend.

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Die Strecke führt erst mal wieder geradeaus, dann darf ich einmal links abbiegen, um wieder hauptsächlich geradeaus zu fahren.

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Highway 78 südlich von Brawley

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Die Strecke führt jetzt hier in der Wüste durch stark landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Alles ein paar Nummern größer als in Deutschland. Riesige Felder, die künstlich bewässert werden und riesige Rindergatter. Da sind zehntausende Rinder an einem Fleck. Beeindruckend, optisch wie auch geruchlich.

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Ein winziger Abschnitt der Rinderfarm

Dann schließen sich Plantagen an. Ich kann aber nicht identifizieren was dort angebaut wird. Für mich sah’s aus wie Palmen.

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Ein paar Meilen weiter sieht es dann aus wie in der Steppe, sandiger Boden, zähes Gebüsch, staubtrocken. Beim Fahren aber kein Problem, bei diesen moderaten Termperaturen jetzt im März ist das nicht viel anders wie zu Hause im Sommer zu fahren. Im Juni wird das ganz anders aussehen.

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Highway 78

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Highway 78

Die Strecke geht geradeaus und ist nach wie vor wellig im Profil. Allerdings gibt es jetzt kaum noch einen Seitenstreifen. Da aber fast kein Verkehr ist, haben die Autos keine Probleme an mir vorbeizufahren.

Mittlerweile scheint doch noch etwas die Sonne, nachdem es bis dahin meist leicht bewölkt war. Das passt sehr gut, denn der Boden wird nun immer sandiger rechts und links der Straße und schließlich türmen sich richtige Dünen auf. Eine wirklich beeindruckende Landschaft, die „Imperial Sand Dunes“.

Ich denke mir an manchen Stellen wie geil das eigentlich ist, dass ich jetzt hier mit dem Fahrrad durch diese Dünenlandschaft blasen kann.

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Highway 78 in den Imperial Sand Dunes

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Highway 78, Imperial Sand Dunes

Marco hatte mir nochmal eine Flasche getauscht und ist wieder vorgefahren. Da merke ich, dass das Fahrrad beim Wiegetritt so weich ist. Es fühlt sich an als würde der Rahmen in der Mitte nachgeben, macht er aber natürlich nicht. Ich habe einen schleichenden Platten am Vorderrad. Mist. Ich fahre erst mal weiter, ist ja noch etwas Luft drin im Reifen.

Das Problem verstärkt sich allerdings, jetzt bin ich bei 4:23 h, vier Stunden standen auf dem Plan, viereinhalb habe ich mir mindestens vorgenommen. Da die Intensität aber hoch genug war, sollte ich die Energieumsatzvorgabe erreicht haben.

Ich beschließe so lange weiterzufahren bis ich Marco treffe und dann Feierabend zu machen und den Platten im Hotel zu flicken.

Bei 4:26 h wird’s allerdings schon kritisch. Verdammt wie lang so ein paar Minuten sein können. Wiegetritt geht schon nicht mehr, aber im Sitzen mit weniger Last auf dem Vorderrad geht’s noch. Dabei sind auf dem Seitenstreifen böse Querfugen, so dass ich auf der Fahrspur fahre.

4:28 h, noch zwei Minuten um mein Soll zu erfüllen, die fahre ich jetzt noch und wenn es auf der Felge ist. Ich kann Marco bzw. das Auto auch schon am Seitenrand stehen sehen. 4:30 h, jetzt muss ich schon etwas mit dem Vorderrad kämpfen, aber ich komme noch bis zum Auto und jetzt ist Schluss für heute.

Die Landschaft ist grandios, und auch Marco ist total begeistert. Wir fahren mit dem Auto zurück nach Brawley um dort ein Hotel oder Motel zu suchen. Dabei fahren wir nochmal durch die Dünen bei tiefstehender, langsam untergehender Sonne, sehr geil. Aus dem Auto heraus kann ich die Landschaft nun entspannt genießen.

Ein guter Trainingstag, mit fantastischen Landschaften und Gelegenheit um Bekanntschaft mit der Strecke zu machen. Der teils brutale Belag macht mir für das RAAM etwas Sorgen, der Verkehr sollte bis hierhin aber kein Problem darstellen.

Morgen geht es von der heutigen Abbruchtstelle weiter nach Blythe und dann in Richtung Parker.

2 Kommentare

  1. My dear, das liest sich ja echt spannend!!! Du hast ja schon jede Menge Eindrücke gewonnen! Ich hoffe, dein Navi lässt dich nicht komplett im Stich und Marco muss dich irgendwann in der Wüste suchen! Und übrigens: natürlich werde ich am Freitag Thomas berichten, wo du neuerdings zum Frisör gehst…!
    Viel Spaß und viel Erfolg weiterhin!
    Liebe Grüße, Maj-Britt

    • Vielen Dank, bis jetzt läuft es ganz gut. Und dem Thomas kannst du mal sagen, dass er einfach nicht so oft seinen Laden zu machen soll, Fasching und so ;)