Trainingslager USA Tag 5

Das Frühstück geht uns langsam auf den Keks. Das Rührei ist ok, aber sonst gibt es nur Lapptoast, unglaublich fette (Hack)Fleischlappen und „Cereals“, die zu 90 Prozent aus Zucker bestehen. Ich habe eine Dose Haferflocken gekauft, so dass man den Cereals-Teil etwas aufpeppen kann. Selbstback Waffeln gibt es auch noch, aber Teig ist eher auf optimale Zurbereitung ausgelegt denn auf Geschmack, die Waffel liegt wie ein Stein im Bauch.

Anyway, Marco bringt mich zu den Emperial Sand Dunes, gut 60 Meilen vor Blythe, der TS 3, und ich steige an der Stelle auf’s Rad wo ich gestern aufgehört habe. Es geht also gleich mit den ordentlichen Schlägen durch die Querfugen weiter. Ich ignoriere das einfach. Den Gegenwind kann ich nicht ignorieren, da er auch recht heftig ist, aber für’s Training ist das ja egal. Für’s RAAM wünsche ich mir allerdings Tailwind!

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Nach ein paar Meilen werden die Querfugen flacher, d.h. die Ränder wölben sich nicht mehr nach oben, so dass es eigentlich ganz ok zu fahren ist. Der Himmel ist blau, es sind so um die 21° C, es herscht zunächst recht wenig Verkehr, so kann ich in Ruhe gegen den Wind arbeiten.

Es geht recht flach dahin, direkt auf die kleine Gebirgskette am Horizont zu. Kurz davor knickt die Straße ab und man umfährt die Hügel., bzw. sie liegen linker Hand, während rechts trockene, mehr steinig, kiesige Wüste liegt.

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Die Straße verläuft zwar meist geradeaus, aber extrem dem Gelände angepasst, d.h. ein welliges Profil mit kleinen manchmal 8-10% steilen Anstiegen und entsprechenden Miniabfahrten. Dazu der Gegenwind, da muss ich mich doch auch mal über den G2 Bereich hinaus gehen.

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Einen Seitenstreifen gibt es jetzt nicht mehr, die Fahrspur ist gerade mal ein LKW breit. Zwar herrscht recht wenig Verkehr, aber es fahren immer wieder Trucks vor bei, meist zwei, drei Stück hintereinander.

Bis jetzt kamen sie entweder von vorne oder von hinten. Ich frage mich, was passiert wenn mal aus beiden Richtugen gleichzeitig einer kommt, wo ist dann noch Platz für mich? Ich fahre ja nicht wie beim RAAm mit einem schützenden Followcar.

Die Landschaft ändert sich nur sehr subtil, der rauhe Asphalt lässt den Körper vibrieren und der Wind kommt ordentlich von vorne. Ich versuche mir vorzustellen jetzt im Rennen zu sein und mit diesen Bedingugen „umzugehen“.

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Ca. die Hälfte der Strecke bis Blythe ist zurückgelegt. Marco hat mich gut mit Getränken versorgt. Und heute lerne ich etwas über Psychologie, bzw. meine Psyche. Bis jetzt hatte ich die Ensure Trinknahrung immer aus den original Flaschen konsumiert. Schnell fühlt man sich voll, und das Zeug liegt schwer im Magen. Diesmal habe ich es vorher in eine Trinkflasche umgefüllt bzw. Marco füllt mir das Ensure um,, und ich kann das Zeug weghauen wie nix. Es schmeckt sorgar besser. Obwohl es das gleiche Produkt nur in einer anderen Verpackung ist. Eine wichtige Erkenntnis für das RAAM, denn vielleicht schaffe ich es ja doch genügend Kalorien zu mir zu nehmen und ein Defizit zu vermeiden.

Weitere 5 bis 10 Meilen und die Landschaft verändert sich wieder etwas stärker. Ich komme wieder in landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Noch der nervt der Straßenbelag als ich Palo Verde erreiche. Kurz nach der Ortsausfahrt ist plötzlich mein Fahrrad weg.

Ich spüre es nicht mehr. Ein sensationeller recht frisch aufgetragener Straßenbelag, so glatt wie die schönsten Asphaltdecken in der Schweiz. Keine Vibrationen und Schläge mehr, ein Traum.

Vor Begeisterung mache ich ein dutzend sinnlose Fotos von der Straße, bervor ich beschließe die Chance zu nutzen und etwas Kilometer zu machen. Durch den ständigen Gegenwind bin ich recht langsam unterwegs.

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Das ewige Geradeaus wird durch zwei 90° Kurven unterbrochen, so dass ich für eine dreiviertel Meile Seitenwind habe, dann ist wieder alles beim alten.

Ich kann die Landschaft aber genießen, immer noch sehr spannend sie „erfahren“. Noch ca. 19 Meilen bis Blythe, es tauche mal wieder ein paar Zeichen von Besiedlung auf. Da begegnet mir eine Gruppe Rennradfahrer. Etwas unerwartet. Wir grüßen uns freundlich, dann geht es weiter auf dem noch immer angenehmen Belag. Vorbei an großen Kohlfeldern, bis ich schließlich Blythe erreiche und auch die TS 3.

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Von hier geht es nun weiter in Richtung Nord, Nordost. Ziel ist die TS 4 Parker. Seit Blythe ist der Straßenbelag wieder schlecht, aber der Verkehr nimmt noch mehr ab. Kaum noch Trucks. Die Straße ist jetzt auch nicht mehr flach wie auf den letzten Meilen, sondern wieder wellig. Ich gebe etwas Gas, das soll ja keine Regenerationsfahrt werden.

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Wieder ändert sich die Landschaft, weg von bebauten Feldern hin zu trockener Steppe. Dann wird es wieder flach, so dass ich auf den Aerobars schön gegen den Wind fahren kann.

Schließlich überqueren wir den Colorado River. Damit verlassen wir Californien und haben Arizona erreicht. Mittlerweile habe ich meine Vorgabe von fünf Stunden erreicht und beschließe noch eine Stunde dranzuhängen um möglichst nahe an Parker heranzukommen.

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Die Straße und die Landschaft bleibt jetzt flach und nach der besagten Stunde sind es nur noch ca. 20 Kilometer bis Parker, so dass ich dieses Stück auch noch fahre. Das erspart und den Hin- und Rückweg mit dem Auto, denn in Parker werden wir wohl übernachten.

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Und so erreichen wir Parker, was nicht viel anders aussieht als Brawley. Eine Unterkunft ist schnell gefunden, und die übliche Routine beginnt. Alles in allem ein sehr guter Trainingstag mit viel Gegenwind, bei dem ich auch noch was für meine Ernährungsstrategie gelernt habe. Marco ist noch voll motiviert und hat mich perfekt unterstützt.

Ein Kommentar

  1. Gruß (für Guido) und Kuss (für Marco) nach Arizona! Jet-lag oder Stress-lag egal, kamma net schlafen. Aber ihr habts ja schon überwunden :-) Weiter so Guido!