Winterblues

Der Kampf gegen den Winterblues ist hart. Jedes Jahr wieder. Die beeindruckende Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers funktioniert nun mal in beide Richtungen, d.h. genauso wie man sich in relativ kurzer Zeit daran gewöhnen kann am Tag viertausend Höhenmeter zu fahren ohne an seine Grenzen zu gehen, gewöhnt man sich in noch kürzerer Zeit daran maximal zwei Stunden locker Grundlage auf einem Ergometer zu treten und zu denken „das reicht jetzt aber“.

Auch wenn der Formverlust im periodisierten Trainingsaubau eingeplant ist, ist es psychologisch jedesmal hart die beobachtbaren Körperparameter wegdriften zu sehen. Gewicht, Ruhepuls, subjektives Belastungsempfinden, VO2max, Laktatkurve usw. alles ist „schlechter“.

Im Gegensatz zum Hochleistungs bzw. Profisportler, bangt man als Freizeitsportler jedes Jahr erneut, ob man wirklich die Zeit zum geplanten Training findet, ob man genügend Zeit zur benötigten Regeneration findet, ob man ein Trainingslager mit beruflichen und privaten Interessen vereinbaren kann, ob das Wetter in der heimischen Region einigermaßen so ist, dass man die gewünschten langen Einheiten gut über die Bühne kriegt ob man überhaupt das richtige im richtigen Umfang trainiert, ob die Wettkämpfe, die man sich vorgenommen hat überhaupt machbar sind.

Am meisten leide ich im Fitnessstudio. Nicht etwa wegen des Trainings, im Gegenteil das macht richtig Spaß, aber die Dauerbeschallung mit elend schlechter, viel zu lauter Musik ist immer am Rande des erträglichen. Das es Radfahrer gibt, die sich selbst beim Rennradfahren in den Alpen noch Ohrhörer in die Ohren stecken ist mir unbegreiflich.

Aber genauso wie ich den Juni herbei sehne fürchte ich auch, dass bis zur ersten großen „Kraftprobe“ die Zeit viel zu knapp ist um rechtzeitig in Form zu kommen.

Wie gesagt, Winterblues, dunkle Gedanken, nur unterbrochen von Tagträumen mit Bildern der Sierra Nevada, dem großen Ziel für 2012. Unabhängig von allen geplanten Wettkämpfen, fiebere ich eigentlich nur dem Saisonabschluss in Spanien entgegen damit ich das 2011 so jäh abgebrochene zu Ende bringen kann. Den Pico Veleta auf der Standardstrecke unter drei Stunden fahren, die Abfahrt nach Monachil erst mal heil runterbringen und dann die sich dort bietende Gelegenheit mal richtig schnell zu fahren zu nutzen, Calar Alto noch zu fahren, und dann wenn das alles genossen, und eben auch geschafft ist zwei Tage einfach nur sinnlos am Strand zu liegen…

Aber natürlich habe ich auch „richtige“ sportliche Ziele für 2012. Die werde ich in einem separaten Eintrag posten, dann kann ich da immer wieder einen Blick draufwerfen, falls der verdammte Winterblues mir wieder mal das Training schwer machen will!

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