RAAM 2017 Rennbericht Teil 10 – Der Weg zum Ziel

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10 Tage. Eine magische Marke für das Race Across America. Die unterscheidet die „Finisher“ von denen, die wirklich um die ersten Plätze kämpfen können.

Vielleicht war es arrogant von mir dieses Ziel ernsthaft als erreichbar einzuschätzen. Andererseits, genau deswegen fahre ich dieses verdammte Rennen nochmal. Damit ich mir selbst und vielleicht auch allen anderen, beweisen kann, dass ich mehr bin als „nur“ ein Finisher, dass ich hier wirklich ums Podium kämpfen kann, dass dieses Rennen wirklich für mich gemacht ist.

Wir sind nun knapp neun Tage unterwegs und noch unendlich weit vom Ziel entfernt. Andererseits, noch vier Time Stations und „Hanover“ ist erreicht, von dort glaube ich meinen Endspurt ansetzen zu können. 2014 begann ab dort die beste Phase des Rennens für mich, und jedesmal wenn ich per Dotwatching die Rennen seitdem verfolgt habe, war die TS 51 das Symbol für den Endspurt.

Aber das war Theorie zu Hause. Und 2014 ist drei Jahre her. Jetzt bin ich über 50 Jahre alt. Und ich befinde mich gerade „in der Praxis“. Nur mit Mühe habe ich die letzte Time Station erreicht. Ich musste an die mentale Grenze gehen um sie überhaupt zu erreichen. Die Crew musste ganz schön arbeiten um mich am Laufen zu halten.

Es ist Abend als ich auf das Rad steige. Der nächste Abschnitt soll relativ einfach sein. Ich reagiere allerdings recht empfindlich auf den Verkehr. Und es geht schon teils ordentlich bergauf und bergab. Der Abschnitt hat allerdings mit ca. 50 Meilen eine Länge die ich mag. So scheint das erreichen der nächsten TS machbar und wir nähern uns der TS 50 immer mehr.

Die Crew ist ziemlich gut drauf und nach meinem seltsamen Stopp vor der letzten Schlafpause spüren sie, dass ich jetzt jede Unterstützung gut gebrauchen kann.

Ich fühle mich eigentlich erst mal ganz gut nachdem ich die ersten zähen Kilometer überwunden habe. Ich habe auch nicht die geringste Sorge wegen des kommenden Abschnitts mit vier sehr steilen Steigungen. Aber als wir TS 48 erreichen, drehen meine Begleiter nochmal richtig auf.

Diese, laut Route Book „most difficult section of RAAM“ beinhaltet vier steile Anstiege. Wir befinden uns in den Appalachen. Da ist das nicht verwunderlich. Allerdings kann ich mindestens zwei Sektionen nennen die diesen Titel sicher mehr verdient haben…

In die Nacht hinein kämpfe ich mich nun die Anstiege hoch. Dabei feuert mich die Crew an als wären wir beim WM-Endspiel in der Verlängerung. Jeden Meter brüllen mich die Mädels und Jungs aus dem Followcar berghoch. Dirk und Thorsten laufen manchmal nebenher und reichen nicht nur Getränke, sondern feuern mich auch an. Saron überholt mich, fotografiert, feuert mich an, selbst das Wohnmobil ist nicht weit und ich bekomme immer wieder Anfeuerung vom Straßenrand.

Wirklich sensationell. (Natürlich trägt es zur guten Stimmung bei, dass das Ziel nun so nahe ist und zumindest die Wahrscheinlichkeit zu finishen sehr hoch ist.) So komme ich die Anstiege ganz ordentlich hinauf und erreiche die nächste Time Station noch deutlich vor Mitternacht.

Jetzt bin ich also auf dem Weg zu TS 50, Eigentlich geil. Jetzt sollte langsam die „Endspurtpower“ kommen. Jetzt sollte ich Mark Pattinson angreifen können. Allerdings hat er seinen Vorsprung auf mittlerweile zweieinhalb Stunden ausgebaut. Meine Schlafpause konnte ich also kaum wieder herausfahren.

Nach hinten allerdings sieht es ganz gut aus. McKenna ist wieder zurückgefallen, Brian Toone ist der härteste Verfolger, der hat aber ca. sechs Stunden Rückstand. Nichts worauf man sich ausruhen könnte, aber immerhin gibt mir das zur Not Luft für eine lange Schlafpause.

Allerdings hält die Crew das Ziel unter 10 Tage immer noch für realistisch, so dass an eine Schlafpause wirklich nicht zu denken ist.

Ich fahre nun in der tiefen Nacht und ich muss gegen heftige Müdigkeit und den Wunsch abzusteigen und Pause zu machen ankämpfen. Die Crew auf dem Auto ist noch immer euphorisiert vom letzten Abschnitt wo mich alle die Anstiege hochgebrüllt haben. Klaus feuert mich ununterbrochen halb aus dem Auto hängend an. Ich erinnere kurz daran, dass wir an dem Gettysburg Schlachtfeld vorbeikommen und dort „angemessen leise“ sein müssen.

Nun bin ich über Funk also nur noch von Chris unterhalten und wach gehalten, denn ich habe wirklich sehr mit Müdigkeit zu kämpfen. Wieder habe ich das Gefühl im Kreis zu fahren. Alles sieht gleich aus und es geht erstaunlich steil berghoch und bergab. Ich kann mich nicht erinnern, dass das 2014 so war. Von Endspurt keine Spur, sondern nerviges Auf und Ab.

Ich müsste kurz stoppen. Allerdings gibt es hier fast keine Möglichkeit regelkonform anzuhalten. Wir finden dann doch eine Möglichkeit, zumindest erscheint es mir so und ich halte einfach an. Wir stehen keine 5 Sekunden als wir aus dem Dunkel beschimpft und bedroht werden.

Eine wild kreischende Frauenstimme droht uns mit wüsten Beschimpfungen. Und keine zwanzig Sekunden später springt ein V8 an und das Grummeln des brutal klingenden Motors kommt schnell näher. Ein heruntergekommener Pickup kommt aus dem Dunkel und hält neben uns. Ein wild aussehender Typ bedroht uns sofort aus dem Auto heraus (und ich bin sicher, er hatte sein Gewehr auf dem Schoß auf uns gerichtet) und will, dass wir verschwinden.

Klaus versucht ihn zu beruhigen und erklärt, dass wir keine Räuber sind und ich nur eine kurze Erholungspause brauchte und dass wir ein Radrennen bestreiten. So ganz glaubt der Typ uns diese, zugegeben verrückt klingende, Geschichte nicht, aber lässt uns großzügiger Weise zwei Minuten um zu verschwinden.

WTF! Anyway, wir machen, dass wir wegkommen, mehr Motivation braucht es gerade wirklich nicht. Ich bin froh, dass wir ohne Schussverletzungen davon kommen und versuche jetzt wieder in einen halbwegs vernünftigen Rhythmus zu kommen.

Aber der zusätzliche Adrenalinstoß hält nur kurz. Die Müdigkeit und körperliche Schwäche übermannt mich wieder. Ich schalte viel mit dem Umwerfer ohne recht zu wissen warum. In meinem Kopf entstehen Geschichten um den Schaltvorgang die nichts mehr mit seiner eigentlichen Funktion zu tun haben. Manchmal blitzt der Verstand durch und ich verstehe was ich tue und merke wie sinnlos ich gerade die vorderen Kettenblätter wechsle, aber dann versinke ich wieder in diesen psychedelisch, abstrusen Bildern.

Ich will eigentlich nur, dass die Nacht zu Ende geht, dass das Radfahren zu Ende geht, dass überhaupt alles zu Ende geht und ich endlich absteigen kann. Immer wieder kommen die gleichen Lichter, die gleichen Hügel, wir fahren bestimmt nicht mehr auf der richtigen Strecke. Das Geschwätz von Chris geht mir tierisch auf den Senkel, aber wenn er aufhört zu reden weiß ich kaum, dass ich treten muss um berghoch zu fahren. Also bin ich gleichzeitig dankbar und genervt.

Verdammt, ich wollte ja an die „mentale Grenze“ gehen, meine größte Enttäuschung 2014 war, dass ich das nicht machen konnte, da ich durch die Probleme mit dem linken Bein daran gehindert wurde. Nun bin ich wohl an dieser Grenze, und es ist wirklich scheiße. Das ist kein „Ort“ wo ich sein will.

Alles in mir sagt „bleib stehen“, „halte an“, wann ist der Mist nur endlich vorbei? Ich muss jetzt aber durch. Ich muss weiterfahren, dieser Abschnitt muss ja auch irgendwann aufhören.

Oder bin ich hier in einer Endlosschleife gefangen? Ist das die Hölle? Immer und immer wieder die gleichen widerlichen Hügel zu fahren, immer im Kreis, im Dunklen hier irgendwo in Maryland? Ich kann mich noch vernünftig mit der Crew unterhalten, die versichern mir, wir fahren nicht im Kreis, aber die Meilenzahl bis zur TS, die sie mir nennen, scheint nicht kleiner zu werden.

Wieder versinke ich in Bildern und Geschichten die sich als Versuch auf‘s große Kettenblatt zu schalten herausstellen. Ich versuche mich zusammenzureißen. Ich muss durch diese verdammte Etappe kommen. Hanover erreichen, den Endspurt anziehen, unaufhaltsam Mark Pattionson einholen. Und dann wieder Bilder, Farben, ich habe wieder sinnlos den Umwerfer geschaltet. Oder habe ich gerade runtergeschaltet um berghoch zu fahren?

Ich habe keine gute Koordination mehr. Ich merke noch, dass ich meine Hände wieder an der Stelle belaste wo der Ulnaris vom Unterarm in die Hand läuft. Eine wirkliche Schwachstelle von mir, ich habe es acht Tage gut kontrolliert, aber nun sind alle kleinen Hilfsmuskeln erschöpft, ich sitze nur auf dem Rad weil ich anscheinend immer auf dem Rad sitze. Aber nichts mehr ist wirklich kontrolliert über den Punkt hinaus wo ich das Fahrrad lenke und auf der Straße halte.

Die Nacht hört nicht auf. Ich fahre im Kreis, oder doch nicht? Die Meilen fließen so zäh wie Kontinentalplatten, Chris im Ohr erzählt mir, dass ich nun bergab doch Schwung für den nächsten Anstieg mitnehmen soll und ordentlich reintreten soll. Häh, du willst mir was von Radfahren erzählen? Aber was sollte ich nochmal machen? Und was ist das für ein seltsames Bild, das gerade wieder zu einem Schaltvorgang am Umwerfer verschwimmt.

Ich muss durchhalten, weiterfahren. Und ich fahre weiter. Irgendwann, wirklich irgendwann erreichen wir tatsächlich die nächste Time Station. Gerade mal 48 Meilen bin ich voran gekommen, deutlich über vier Stunden hat es gedauert, dabei hat es sich angefühlt wie vier Jahre.

Und der Weg nach Hanover ist fast nochmal genauso lang. Und es geht genau so weiter. Immerhin fahren wir irgendwann in den Sonnenaufgang hinein. Endlich der Nacht entfliehen.

Thorsten und Meike sind nun am Mikro auf dem Followcar, die sagen mir ich soll etwas Gas geben, die 10 Tage Marke ist immer noch im Bereich des Möglichen. Außerdem können wir ja noch Mark Pattinson angreifen, der ist immer noch drei Stunden vorraus.

Mir ist Pattinson aber gerade völlig egal. Trotzdem versuche ich Gas zu geben wie es nur geht. Unter 10 will ich auf jeden Fall fahren. Vor allem nachdem ich nun weiß, egal wie das hier ausgeht, dass meine Annahmen alle völlig realistisch waren. Auch 2014 waren sie es schon. Und ich weiß nun, dass es richtig war das RAAM nochmal zu fahren um das „klarzustellen“. Ich weiß auch, dass selbst 10 Tage und 2 Stunden eine gute Zeit für das diesjährige RAAM wäre. Mehr Meilen, mehr Höhenmeter, mehr Hitze, mehr Kälte, mehr Gegenwind. Wenn ich dieses Ding finishe, das wäre ein Riesenerfolg. Noch nie hatte ich ein DNF und ich will auch jetzt keines. Also nochmal richtig kämpfen.

Durch das Tageslicht geht es mir wieder erheblich besser, allerdings kommt die erhoffte „Endspurtpower“ nicht. Ich nehme aber alle noch verbliebenen Kräfte zusammen um das Tempo hoch zu halten.

Die Strecke ist nicht so wie ich sie mir vorgestellt hatte, es gibt doch noch einige signifikante Steigungen. Das habe ich 2014 gar nicht so wahrgenommen. Jetzt merke ich die allerdings deutlich in den Beinen. Trotzdem bin ich immerhin schneller als bei dem Gegurke heute nacht.

So erreichen wir TS 52 nach ca. drei Stunden. Die Crew hat den Penalty Status gecheckt und wir müssen kein Penalty absitzen. Sehr gut, auch wenn wir zwei Verwarnungen bekommen haben, das ganze Team hat hier richtig gut gearbeitet! Ich bin schon jetzt stolz auf die Crew.

Aber erst mal gilt es nun ins Ziel zu kommen. Und noch kämpfe ich um die 10 Tage Marke. Nochmal bekomme ich die Anweisung zum Endspurt. Ich lege also richtig los mit Vollgas, es können ja nur noch ein paar Meilen sein, dann kommt der Zielstrich oder?

Wir fahren durch sehr schöne Landschaft, offensichtlich haben einige reiche Häuslebauer dieselbe Einschätzung, aber Ziellinie kommt keine. Waren es ab hier nicht nur noch ein paar flache Meilen?

So langsam geht mir die Luft aus mit dem „Vollgas“. Ich versuche das Tempo zu halten, geht aber nicht, so falle ich wieder in einen „normalen“ Rhythmus zurück. Wir fahren schier endlos durch diese eigentlich faszinierende Gegend, kommen dann aber auf einen vielbefahrenen Highway.

Das kann doch nicht sein, die Ziellinie sollte doch nur ein paar Meilen weit sein. Die Zeit verrinnt. Keine Endspurtpower, keine Ziellinie, und nun auch noch extrem nerviger dichter Verkehr auf irgendwelchen überfüllten Highways und wir fahren an jeder Abfahrt vorbei. Das kann nicht sein, wir müssen uns verfahren haben. Ich kann mich doch genau an 2014 erinnern, gleich muss auf jeden Falls diese verdammte Ziellinie kommen?!

Kommt sie aber nicht. Es ist schwülwarm, geradezu unerträglich schwülwarm. Ich frage nach beim Followcar, aber die Antwort ist nur, dass es noch etwas dauert und wir auf der richtigen Strecke sind.

Ich will jetzt endlich, dass es zu Ende ist. Außerdem muss ich auf die Toilette. Und zwar dringend. Mein Ersuchen um einen Stopp wird freundlich aber bestimmt abgelehnt.

Mittlerweile haben wir endlich den Highway wieder verlassen, nur die verdammte Ziellinie will nicht näher kommen. Da, eine Tankstelle, ich biege einfach ab und halte zur Überraschung meiner Begleiter an. Sorry musste sein. Auf der Toilette sind es minus 20° C. Ist mir aber egal.

Alle sind im „wir haben es bald geschafft“ Fieber, aber ich musste diese Pause machen und quäle mich nun wieder auf‘s Rad. Weiter geht‘s. Ich versuche tatsächlich nochmal den Endspurt zu fahren, aber genau genommen muss ich sehen, dass ich überhaupt noch bis zum Ziel durchhalte.

Die Ziellinie ist immer noch nicht da, nochmal biegen wir kompliziert in einem Ort ab und fahren noch etwas „über Land“. Dann endlich, endlich, unglaublich, die verdammten Hütchen, die Ziellinie, die das Ende der Zeitmessung markiert.

Wenn man diesen Punkt erreicht hat, dann hat man offiziell gefinished. Man fährt noch ein Stück weiter bis zu einer Tankstelle. Dort trifft man auf die Officials die einen bis zum Hafen in Annapolis begleiten. Die Zeit bis dorthin wird fest mit zwanzig Minuten gerechnet. Man fährt im sogenannten Parademodus.

2014 ist mir an dieser Tankstelle, als ich vom Rad abgestiegen bin, sämtliche Kraft aus den Gliedern gefahren und diese Fahrt im Parademodus war seltsamerweise mit der schmerzhafteste Abschnitt überhaupt.

Was wenn das diesmal genauso ist? Ich realisiere es noch nicht richtig, ich habe das Ding gefinished?! Die Quälerei ist vorbei?! Es ist tatsächlich vorbei!

Glücksgefühl strömt durch den Körper. Ich habe tatsächlich das Race Across America zum zweiten Mal gefinished! Wahnsinn. Und das bei diesem schweren Rennen. Und eines ist klar, ich habe es nicht nur gefinished, sondern ich habe meine AK gewonnen und bin auf dem Gesamtpodium gelandet.

Was ist mit der Zeit? Die letzten Meter bis zur Tankstelle sind sensationell. Das sind eigentlich die paar hundert Meter für die man die knapp 5000 Kilometer zuvor zurückgelegt hat.

Ich rolle auf die Shell Tankstelle. Die komplette Crew ist da, alle auch die Wohnmobilbesatzung. Was für eine Freude! Was für eine Crew! Ich genieße jede einzelne Umarmung mit jedem einzelnen Teammitglied. Die Officials gratulieren mir, und ich bekomme die offizielle Finisherzeit: 9 Tage 22 Stunden 40 Minuten.

 

9 Tage 22 Stunden 40 Minuten. Am liebsten würde ich mir das sofort auf den Unterarm tätowieren lassen. Ich habe mir wirklich ambitionierte Ziele gesetzt. Und habe sie alle erreicht. Mein ganzer Körper besteht nur noch aus Zufriedenheit.

Vor ein paar Stunden noch war ich an meiner mentalen Grenze, jetzt erlebe ich einen der schönsten Momente meines Lebens.

Wir machen ein Gruppenfoto und das Schöne ist, dass es nicht nur so ein ultraschöner Moment für mich ist, sondern eben für das gesamte Team. Alle Crewmitglieder sind Teil dieses Erfolges, alle Crewmitglieder sind RAAM-Finisher. Das das Ganze eine Teamleistung ist wurde nirgends so deutlich wie in der letzten Nacht. Neben meiner Zufriedenheit fühle ich auch Dankbarkeit. Vor allem gegenüber dem Team, aber auch grundsätzlich bin ich dankbar für das Privileg dieses Rennen bestreiten zu können und es gefinished zu haben.

Nach all den großen Emotionen gilt es allerdings noch die letzten Meilen zum Hafen in Annapolis zurückzulegen. Aber im Gegensatz zu 2014 fühle ich keine Schmerzen, sondern wir haben wirklich Spaß auf diesem allerletzten Abschnitt.

Nachdem Vic Amijo 2014 nach dem Rennen geschrieben hatte, „there was nothing flashy about him“, was zwar positiv gemeint war, mich aber doch etwas provoziert hat, bin ich diesmal vorbereitet. Für den Zieleinlauf ziehe ich nochmal frische Klamotten an und mein original Flash T-Shirt.

Und so rollen wir in Annapolis ein und haben nochmal den schönen Moment mit dem Zieleinlauf am Hafen. Finisher des Race Across America 2017!

Hammer. Nach Überreichung der Finishermedaille gibt es noch ein Interview mit George Thomas. Was für ein Unterschied, ich spüre den Respekt den er mir entgegenbringt. 2014 war er zwar auch freundlich, aber er ist selbst ein erfolgreicher Ultradistanzfahrer. Und natürlich weiß jemand wie er, was es heißt dieses Rennen zu finishen, aber ich war eben „nur“ ein Finisher. Aber diesmal habe ich Marko Baloh deutlich geschlagen und damit die Alterklasse gewonnen, zudem haben wir Mark Pattinson ordentlich unter Druck gesetzt und sind Dritter insgesamt geworden, und wir haben dieses wirklich schwere RAAM unter 10 Tagen beendet. Diesmal sieht er mich offensichtlich mit anderen Augen. Ein Moment den ich zugegebenermaßen genieße.

Nun ist es wirklich vorbei. Wir haben jetzt tatsächlich zwei Tage zeit. Es ist geschafft, das Rennen liegt hinter mir. Ich lege mich auf das schön warme Pflaster in die Sonne, schließe die Augen und genieße den Moment. Solche Momente, in denen man gerade etwas großes, außerordentlich anstrengendes erreicht hat, und nun für einige Minuten völlig frei ist, von jeder Verpflichtung, von jedem Ziel, von jeder Anstrengung, gibt es nur wenige im Leben. Diesen Moment gerade genießen zu können ist ein enormes Privileg.

Es dauert eine Weile bis wir dann im Hotel ankommen. Ich nehme mir fest vor wachzubleiben und noch, und wenn‘s nur eine Stunde ist, mit der Crew zu feiern. Aber nachdem ich erst mal im Hotelzimmer bin, fällt es mir schwer wachzubleiben. Schließlich verliere ich den Kampf und schlafe ein. Auch Katrins versuche mich zu wecken schlagen fehl.

So feiert die Crew in Annapolis unseren wunderbaren Erfolg. Ich kehre erst zwölf Stunden später wieder unter die lebenden zurück. Das Gefühl auzuwachen, ausgeschlafen, in einem Bett zu liegen und zu wissen, dass man gleich gemütlich zum Frühstück schlendert – unbeschreiblich…

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