Tag 33 Ballyvaughan – Galway – Aran Islands

Wetter: meist sonnig um 15°
Tageskilometer: 95
Gesamt zurückgelegte Kilometer: 2846
Tages-Fahrzeit :5:02 h
Gesamte Fahrzeit: 154:53 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,9 km/h
Tageshöhenmeter: 707
Gesamt Höhenmeter: 32679
Maximale Steigung 12%
Maximalpuls: 153
Durschnittliche Pulsfrequenz: 122

Da auch heute der Wind wieder hauptsächlich aus Westen weht, gehen die ersten Kilometer Richtung Galway ganz gut. Schnell findet sich ein Rhythmus und das Fahren wird sowas wie ein Agregatzustand. Man nimmt gar nicht so wahr ob es bergauf oder bergab geht, sondern schaltet automatisch und fährt halt mal mit etwas mehr oder etwas weniger Kraft. Das Gelände ist zwar wellig aber alles in Maßen, steiler wie 12% wird’s nicht und das auch nicht auf relativ kurzen Strecken.




Nach Galway rein geht es erst ein ganzes Stück westwärts, so dass ich einen ersten Vorgeschmack auf den Gegenwind bekomme, und da es auch noch anfängt zu regnen, bekomme ich den Eindruck die Stadt mag mich nicht so recht freundlich empfangen.

Der Eindruck verfliegt aber schnell, denn während Galway in den Außenbezirken einen etwas industriellen Eindruck vermittelt, zeigt sich das Zentrum doch recht sympathisch. Mit Grünflächen, Einkaufsstraßen, Kanälen, einem breiten Bereich zur Bucht hin, der zum Spazierengehen einlädt, und natürlich einer Kathedrale.





Die Kathedrale ist eines der größten sakralen Gebäude Irlands. Da Sonntag ist, ist gerade Gottesdienst, so dass ich innen keine Fotos mache, aber sie gefällt mir sehr gut, denn das Gebäude ist recht schlicht im Inneren und bezieht seine Ausstrahlung aus seiner Größe.


Ich hatte eigentlich geplant von hier mit der Fähre zu den Aran Islands zu fahren, und dann eine andere Fähre nach Ros an Mhil zurück zu nehmen. Aber der Baedeker erweist sich immer mehr als nutzloses dickes Buch. Da hätte ich auch einen Duden mitnehmen können. Denn auch wenn man in Galway das Ticket kauft, heißt das nur, dass man mit dem Bus nach Ros an Mhil fährt und dann dort auf die Fähre geht. Es gibt gar keine Fähre von Galway aus.

Die ca. vierzig Kilometer mit dem Bus zu fahren hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass ich mir vierzig Kilometer Gegenwind erspare, denn die Strecke führt gerade an der Nordseite der Galwaybucht nach Westen. Und es herrscht Westwind.

Da aber auch nach einer Stunde, die ich mit Mittagessen und Stadtbummel verbringe, nicht zu klären ist, ob der Bus mein Fahrrad mitnimmt, habe ich genug und beschließe mit dem Fahrrad bis Ros an Mhil zu fahren. Psychologisch bin ich auf die vierzig Kilometer Gegenwind eingestellt, und Zeit bis zur Fährabfahrt habe ich auch genug.



Die ersten zwanzig Kilometer gehen erstaunlich gut. Die nächsten fünf auch noch, doch dann fängt es allmählich an zu nerven. Auch wenn man sich drauf eingestellt hat, ist irgendwann der Punkt erreicht, wo man denjenigen, der sich einem ständig mit scheinbar aller Macht entgegenstellt, am Kragen packen möchte und ihm ins Gesicht brüllen möchte, dass er einen doch in Ruhe lassen möge.

An einer Tankstelle hole ich mir erst mal ein Päckchen Schokoreiswaffeln, setze mich auf eine der Steinmauern, und mampfe die erstmal weg. Ein paar Minuten der Kontemplation und schon geht es wieder.

Die Kraft des Windes ist schon faszinierend. Mir ist es schon passiert, dass ich mit Rückenwind im großen Gang in einen Kreisel gefahren bin, und dann plötzlich gegen diese Wand aus Wind gestoßen bin. Dann fühlt es sich so an wie in einem Werbespot oder Musikvideo, wenn eine Situation in Zeitlupe dargestellt wird. Nur bewegen sich alle anderen in normaler Geschwindigkeit und schauen einen verwundert an, während man selbst für Sekunden aussieht wie ein Pantomime, der auf der Bühne Fahrradfahren darstellt.

Auch das umgekehrte Erlebnis hatte ich schon mehrfach, wenn man im kleinen Gang gegen den Wind kämpft, in den Kreisel kommt und plötzlich ist der Gegendruck weg. Man fährt regelrecht in ein Loch, und tritt in dem viel zu kleinen Gang ins Leere. Sieht auch nicht eleganter aus…

In Ros an Mhil angekommen kaufe ich das Fährticket und habe noch eine Stunde Zeit, so dass ich in einen Pub gehe um ein Sandwich zu essen. Dort sitzen einige ältere Leute beim Guiness und schauen Hurling (Eine Mischung aus Hockey und Rugby). Da sie sich gälisch unterhalten verstehe ich kein Wort. Durch die Sprache und den Blick auf die Steinwüste draußen, könnte diese Kneipe auch in Mexiko oder so stehen.


Der Blick durch das Fenster zeigt tatsächlich eine Art von Steinwüste. Denn wenn Irland irgendetwas genug hat, dann sind es Steine. Aber hier ist das ganz auf die Spitze getrieben. Hier haben die lose aufgesetzten Steinmauern auch keinen tieferen Sinn mehr, sie umgrenzen keine Weiden oder Häuser, sondern scheinen einfach um ihrer selbst willen da zu stehen.



Anyway, nachdem die Fähre etwas verspätet abgelegt hat und sogar nochmal umgedreht hat um ein paar Nachzügler aufzunehmen, komme ich gegen halb acht in Kilronan an. B&B ist schnell gefunden. Das erste mal ohne Fernseher, wo doch heute das Finale der Snooker WM ist. Also früh schlafen gehen.

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